Kino

PwC-Studie prognostiziert massive Verluste für deutsche Kinounternehmen

Die FFA hat die bereits zur Filmkunstmesse angekündigte PwC-Studie zu den wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie auf die deutschen Kinos veröffentlicht. Die Untersuchung arbeitet dabei mit zwei unterschiedlichen Szenarien, von denen aktuell allerdings nur das negativere überhaupt realistisch erscheint.

15.10.2020 15:36 • von Marc Mensch
PwC hat im Auftrag der FFA die zu erwartenden Verluste für die deutschen Kinos prognostiziert (Bild: FFA)

Bereits am 11. Juni hatte die FFA die Marktforscher von PwC beauftragt, die finanziellen Auswirkungen der Covid-19 Krise auf Kinobetreiber zu ermitteln. Dies geschah auf Basis von Untersuchungen, die vom 11. Juni bis 15. Juli durchgeführt wurden. Und man muss wohl leider gleich eines vorausschicken: PwC hat mit zwei Szenarien gearbeitet, von denen aktuell allerdings nur das negativere überhaupt realistisch erscheint.

Zur kompletten Studie

So ging man für "Szenario 1" davon aus, dass es bei den Startterminen zum Stand im Juli bleiben würde - für diesen Fall hätte man für den Dezember ein Besucheraufkommen von 80 Prozent des Durchschnittswertes der drei Vorjahre prognostiziert. Nun, diese Annahme kann man leider getrost ad acta legen, weshalb im Grunde nur noch das "Szenario 2" von Interesse ist, das (tatsächlich eingetretene) Terminverschiebungen berücksichtigt und in dessen Rahmen man bei einem Besucheraufkommen im Dezember von 50 Prozent des Vergleichswertes landet.

Bei der Berechnung der Schäden stellt die Studie Umsätze aus dem Verkauf von Tickets, Concessions und 3D-Brillen (Umsätze aus Werbung und Sondervermietungen bleiben außen vor) den durchschnittlich anfallenden Kosten (u.a. Filmmiete, Personal- und Raumkosten) eines Kinobetriebs gegenüber. Zudem liegt der Untersuchung die Annahme zugrunde, dass aufgrund der Abstandsregeln nur 20 Prozent der Sitzplätze genutzt werden können, wodurch insbesondere am Wochenende weniger Tickets verkauft werden könnten als nachgefragt würden.

Während die Kinobetreiber*innen in einem durchschnittlichen Jahr demnach bei einem Gesamtumsatz von ca. 1,5 Mrd. Euro und Kosten von ca. 1,425 Mio. Euro einen Gewinn vor Steuern von rund 75 Mio. Euro erwirtschaften würden, würde bereits im (nicht mehr realistischen) Szenario 1 ein Verlust von 225 Mio. Euro entstehen, der sich aus Gesamtumsätzen in Höhe von 800 Mio. Euro und Kosten von 1,025 Mrd. Euro errechnen würde. Szenario 2 hingegen geht von einem Jahresumsatz für 2020 von 650 Mio. Euro aus, was bei weiter reduzierten Kosten von 975 Mio. Euro auf einen Verlust von 325 Mio. Euro hinauslaufen würde.

Dass man selbst beim negativeren "Szenario 2" zu einem Verlust gelangt, der der tatsächlichen Situation eher noch schmeicheln könnte, zeigen die mittlerweile anhand bereits vorliegender Zahlen zu messenden Prognosen für die letzten Monate. So ging die Studie für Juli von Umsätzen in Höhe von 24,8 Mio. Euro aus, dem standen in realiter rund 13,5 Mio. Euro an Ticketumsätzen gegenüber. Eine Lücke, die auch durch die in der zweiten Zahl nicht berücksichtigten Faktoren (namentlich Concessions-Verkauf) nicht annähernd zu schließen wäre. Ähnlich fällt das Bild im August (Prognose Gesamtumsatz: 33 Mio. Euro, tatsächliche Ticketumsätze laut Comscore 15,6 Mio. Euro) und September (Prognose Gesamtumsatz: 30,6 Mio. Euro, tatsächliche Ticketumsätze laut Comscore rund 23 Mio. Euro) aus, wobei man immerhin positiv sehen kann, dass es - anders als prognostiziert - im September deutlich aufwärts ging, wobei PwC möglicherweise den tatsächlich gestarteten Tenet" in Szenario 2 nicht berücksichtigt hatte.