Kino

Kino-Comeback: Das Beste draus machen...

Auch am vergangenen Wochenende zeigte sich: Was derzeit seinen Weg in die deutschen Kinos findet, schlägt sich oft wacker - oder besser. Ohne neue große Blockbuster bleibt eine wichtige Benchmark aber in weiter Ferne. Das Regelungschaos beim Mindestabstand spitzt sich unterdessen zu.

12.10.2020 15:25 • von Marc Mensch
"Es ist zu Deinem Besten" war bester Neustart (Bild: Studiocanal)

Herbstferien, teils ordentlich sinkende Temperaturen und Regen, erfreulich performende Neustarts aus deutscher bzw. europäischer Produktion, solide Drops bei den Platzhirschen - und trotzdem konnte das vergangene Wochenende nicht weiter Boden gutmachen. Wobei man zumindest von einem "stabilen Verlauf" sprechen darf, schließlich ging es gemäß der vorläufigen Comscore-Zahlen nach Besuchern bzw. Umsatz nur um 1,7 bzw. 1,4 Prozent gegenüber dem Startwochenende von Jim Knopf und die Wilde 13" zurück.

Somit führt der Blick auf die Zahlen erneut zum etwas frustrierenden Fazit: Was tatsächlich in die deutschen Kinos gebracht wird, schlägt sich dort trotz aller Restriktionen oft durchaus wacker - oder sogar besser. Was Verschiebungen nur umso härter zu verdauen macht... Unterdessen wird das Thema "Restriktionen" zunehmend komplex. Wer dachte, schon die Länderregelungen seien für Branche und Besucher verwirrend und schwer durchschaubar gewesen, darf sich auf etwas gefasst machen.

Denn zum einen kochen die Länder weiterhin ihre eigenen Süppchen: Niedersachsen und Brandenburg etwa haben die Abstandsregeln zwar gelockert - aber in letzterem Fall ist die Unterschreitung von 1,50 Metern nur bei Einführung von Maskenpflicht auch am Platz möglich. Wobei man auch hier insofern froh sein muss, als diese "Lockerung" (ob sie praktikabel ist, sei einmal dahingestellt) erfolgte, während dort andere Regelungen wieder verschärft wurden. Dass das Kino nun auch von der Politik zunehmend als sicherer Ort angesehen wird, schlägt sich immer stärker auch in den Maßnahmen nieder.

Allerdings durchaus nicht überall - und damit kommen wir zum anderen Punkt. Denn im Zuge der Überschreitung von wichtigen Inzidenzwerten (35 bzw. 50) greifen vermehrt regionale Verschärfungen der Sicherheitsmaßnahmen. Und wo dies beispielsweise in Köln zuletzt "nur" Maskenpflicht auch auf dem Platz im Kinosaal bedeutete, kam in Aachen (wohlgemerkt also im selben Bundesland) auch noch eine Erhöhung des Mindestabstandes auf ganze zwei Meter hinzu. Und das noch unterhalb des Inzidenzwertes von 50... Kinos in größeren Städten sitzen, so scheint es angesichts steigender Infektionszahlen, wieder auf einem Pulverfass - und Feuer an die Lunte drohen nicht sie und ihre Besucher, sondern unsanktionierte Verstöße im kaum kontrollierten privaten Bereich zu legen...

Davon abgesehen zeigte sich erneut glasklar: Quantitativ mag man (wie schon wiederholt geschrieben) bei den Neustarts längst wieder bei einem Vor-Corona-Level angekommen sein. Kommerziell ist man allerdings leider noch weit davon entfernt, auch wenn wohlmeinende Kinofans die massive Programmlücke in Anbetracht der reinen Anzahl an Starts mittlerweile schon als "Lüge" abtun. Die Aufmerksamkeit auf das Vorhandene zu richten, ist selbstverständlich richtig und wichtig. Aber die wirtschaftliche Realität ist nun einmal die, dass sich der Kinomarkt ohne Blockbuster nicht zu Besucher- und Umsatzzahlen aufschwingen wird, die das Überleben eines Großteils sichern. Wobei man - dies sicherlich ein wichtiger Punkt - durchaus zwischen der brancheninternen Kommunikation und jener gegenüber dem Publikum differenzieren darf. Was übrigens auch an anderer Stelle gilt - und dort sogar besonders: Branchenintern muss man die Sicherheit von Kinovorstellungen kaum kommunizieren (wir tun es dennoch gerne immer wieder), aber in der Öffentlichkeit könnte die Botschaft womöglich durchaus nachhaltiger verbreitet werden...

Was aber heißt "weit entfernt" konkret? Nun, obwohl die wiedereröffneten Kinos laut Comscore am vergangenen Wochenende nach Ticketumsatz um 44 und nach Besuchern sogar um 50 Prozent über der unteren Benchmark (schwächstes Wochenende der vergangenen fünf Jahre) lagen, fehlten ihnen zur zweiten Benchmark (dem mittleren Vergleichswochenende) noch ganze 63 bzw. 60 Prozent. (Ganz ähnlich ist das Bild diesbezüglich in Österreich, dort ist nur die Spanne zwischen den beiden Benchmarks deutlich geringer).

Um noch etwas genauer auf die Neustarts zu blicken: Unter den Top 10 der Debütanten schafften es drei über 10.000 Besucher, weitere zwei kamen über 5000. Spitzenreiter war dabei Es ist zu Deinem Besten", der es mit gut 67.000 verkauften Tickets auf Platz zwei im Gesamtranking nach Zuschauern schaffte und sich nach Umsatz Bronze erkämpfte - hinter Klassenprimus "Jim Knopf und die Wilde 13" (der sich mit einem Minus unter 16 Prozent sehr gut hielt) und Tenet", der am kommenden Wochenende die Marke von 1,5 MIo. Besuchern nehmen wird.

Weitere Highlights: "Gott, Du kannst ein Arsch sein" hat die 100.000 schon deutlich hinter sich gelassen, After Truth" liegt bei über 800.000 Besuchern und hielt sich zuletzt mit Zahlen die über jenen der Vergleichswoche des Vorgängers lagen. "Ooops! 2" liegt unmittelbar vor 150.000 verkauften Tickets (die wird am kommenden Wochenende auch "Follow Me" als waschechter Sleeper-Hit schaffen) und deutlich vor den Resultaten des Vorgängers zur selben Zeit und Eine Frau mit berauschenden Talenten" schaffte fast 30.000 Besucher zum Start. Der einzige "Bestandsfilm" in den Top 20, der gegenüber der Vorwoche zulegen konnte (um 22,5 Prozent) war der mit kurzem Vorlauf vor der Apple TV+-Auswertung auf die Leinwände geholte On the Rocks", der nun knapp 11.000 Besucher zählt.

Am schwächsten schnitt am vergangenen Wochenende übrigens der Verleihbezirk Düsseldorf ab, wo im Schnitt nur 140 Prozent der Besucherzahlen des schlechtesten Vergleichswochenendes erzielt wurden. Womöglich eine Folge der verschärften Maßnahmen (s.o.)? Die Vermutung liegt zumindest nahe. Bei den einzelnen Bundesländern hatte unterdessen Bremen die rote Laterne, dort wurde ein Benchmark-Wert von gerade einmal 115 Prozent erzielt. Am anderen Ende der Skala findet sich Mecklenburg-Vorpommern mit einem Wert von 225 Prozent, der umso erstaunlicher ist, als dort von Comscore gerade einmal 63 Prozent der Kinos als wiedereröffnet gezählt wurden, der niedrigste Wert bundesweit!

Und der Gesamtabstand zum Vorjahr? Lag zuletzt nach Besuchern bei 59,5 und nach Umsatz bei 60,6 Prozent. Tendenz leider weiter (langsam) steigend.