Kino

Bericht: Drehbuchautorin Anika Decker verklagt Barefoot Films und Warner

Zusammen mit Til Schweiger hat Anika Decker die Drehbücher zu den Kinoerfolgen "Keinohrhasen" und "Zweiohrküken" geschrieben. Nun hat sie laut der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" eine sogenannte Stufenklage gegen die Produktionsfirma Barefoot Films und den Verleih Warner Bros. eingereicht.

12.10.2020 08:46 • von Jochen Müller
Anika Decker und Til Schweiger bei der Verleihung des Bayerischen Filmpreises im Jahr 2009 (Bild: Imago images / Spöttel Pictures)

Drehbuchautorin Anika Decker hat einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" zufolge am Landgericht Berlin eine sogenannte Stufenklage gegen Til Schweigers Produktionsfirma Barefoot Films und Warner Bros eingereicht. Gegenstand der Klage sind die Umsätze der Kinoerfolge Keinohrhasen" und Zweiohrküken". In einem ersten Schritt werden die beiden Unternehmen laut "FAS" zu einer Auskunft "über den Umfang sämtlicher Verwertungshandlungen", also im Kino, auf Video, im Fernsehen sowie auf den Internetplattformen, aufgefordert. In einem zweiten Schritt fordere Decker eine Beteiligung an dem Gewinn. Insgesamt habe Decker für die Drehbücher zwar niedrige bis mittlere Beträge im fünfstelligen Bereich bekommen, sei aber nicht weiter am Gewinn beteiligt worden. Daher fordere Decker laut "FAS" nun eine prozentuale Beteiligung an den Erlösen jenseits der Kinoerlöse. Diese nachträgliche Beteiligung lehne die Gegenseite dem Bericht zufolge ab.

"Ich habe damals geglaubt, dass ich gut bezahlt wurde. Das mag man für naiv halten, aber ich denke, ich stehe damit nicht allein da. Ich kenne keine Drehbuchautoren, die mir sagen können, wie viel Geld zwischen den Firmen, die an einem Film beteiligt sind, geflossen ist. Das sind geheime Verträge", wird Decker, die mit ihrer Klage nach eigener Aussage mehr Transparenz schaffen wolle, in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" zitiert.

Bei einem Gerichtstermin in der vergangenen Woche habe das Gericht dem Bericht zufolge jedoch nicht geklärt ob Decker die Drehbücher - wie von ihr angegeben - alleine geschrieben hat und somit alleinige Urheberin ist oder ob Schweiger, wie er erklärt, am Drehbuch mitgeschrieben hat und somit nach Ansicht von Barefoot Films zu 50 Prozent am Drehbuch zu beteiligen ist.

"Das Urheberrecht ist anders als das Patentrecht ein Schutzrecht, dessen Gegenstand nicht die Idee, sondern die persönlich-geistige Schöpfung ist. Darunter fallen auch Schriftwerke. Was nicht darunter fällt, ist eben ein Einfall oder eine Idee. Eine Idee kann nur dann geschützt werden, wenn ich sie in ein Werk überführe. Wir haben einige Beispiele, wo Anika Decker sagt, dieser Einfall sei von Til Schweiger gewesen. Nach unserer Auffassung ist es aber nur eine nicht schutzfähige Idee", wird Rechtsanwalt Nikolaus Reber in der "FAS" zitiert.

Die Gegenseite verweise dagegen auf ein Buch zum Film, in dem Decker selbst gesagt habe, mit Schweiger zusammen an dem Drehbuch gearbeitet zu haben. Mit dieser Zusammenarbeit habe sie nach eigenem Bekunden die Einfälle Schweigers gemeint. Schweiger hingegen sei einen Nachweis seiner Mitarbeit laut "FAS" noch schuldig.

"Keinohrhasen" hatte 2007/2008 knapp 6,3 Mio. Besucher in die deutschen Kinos gelockt und dabei ein Einspiel von gut 40 Mio. Euro erzielt gehabt, bei "Zweiohrküken" waren es 2009/2010 4,2 Mio. Besucher und knapp 30 Mio. Euro gewesen.