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Christoph Pellander: "Wir drehen mehr denn je"

Der Corona-Shutdown im Frühjahr hat dazu geführt, dass sich die Degeto derzeit im Aufholmodus befindet. Unmittelbar vor dem Start der neuen "Babylon Berlin"-Staffel am 11.10. sprach Blickpunkt:Film mit Redaktionsleiter Christoph Pellander über die aktuelle Produktionslage, den Spagat zwischen linearem und non-linearem TV, die Bedeutung von Leuchtturmprogrammen und brandaktuelle Projekte, darunter ein Weihnachtsfilm mit Henning Baum und eine britische Krimi-Adaption.

07.10.2020 10:45 • von Frank Heine
Christoph Pellander ist seit Juli 2019 Redaktionsleiter der ARD-Tochter Degeto (Bild: ARD Degeto/Dieter Schwer)

Der Corona-Shutdown im Frühjahr hat dazu geführt, dass sich die Degeto derzeit im Aufholmodus befindet. Unmittelbar vor dem Start der neuen "Babylon Berlin"-Staffel sprach Blickpunkt:Film mit Redaktionsleiter Christoph Pellander über die aktuelle Produktionslage, den Spagat zwischen linearem und non-linearem TV, die Bedeutung von Leuchtturmprogrammen und brandaktuelle Projekte, darunter ein Weihnachtsfilm mit Henning Baum und eine britische Krimi-Adaption.

Wie ist die Gefühlslage vor dem Start der dritten "Babylon Berlin"-Staffel. Anspannung oder Vorfreude?

CHRISTOPH PELLANDER: Pure Freude, weil wir wissen, dass uns mit der neuen Staffel der komplexen Highend-Serie "Babylon Berlin" wieder etwas ganz Besonderes gelungen ist.

Ist Ihnen vor dem linearen Abschneiden etwas bange oder ist das nach der Devise "online first" zweitrangig?

CHRISTOPH PELLANDER: Nein, uns ist nicht bange: Wir starten mit "Babylon Berlin" am 11. Oktober wieder auf dem "Tatort"-Sendeplatz. Es ist die beste Rampe, die wir im Ersten haben können. Ich bin mir sicher, dass wir das Niveau des Sendeplatzes wieder halten werden. "Babylon Berlin" wird in der ARD-Mediathek bereits zwei Tage vorher durchstarten, das belegen die aktuell 20 Millionen Abrufe der ersten beiden Staffeln in der Mediathek. Die Serie "Babylon Berlin" ist für mich bereits vor der linearen Ausstrahlung also ein Erfolg, der seinesgleichen sucht. Generell wünsche ich mir, dass es in der Betrachtung keine Rolle mehr spielt, auf welchem Weg wir unsere Zuschauerinnen und Zuschauer erreichen -- ob linear im Ersten oder non-linear in der Mediathek.

Was wären die Erfolgsparameter, damit "Babylon Berlin" fortgesetzt werden kann?

CHRISTOPH PELLANDER: Die Fernsehquote ist sicher nicht das alleinige Maß der Dinge. Der Erfolg ist vielschichtiger: Wir schauen uns die Akzeptanz in der linearen und in der non-linearen Ausstrahlung an, sehen den erfolgreichen internationalen Verkauf in bereits über 100 Länder und freuen uns, dass die Serie gerade auch bei einem jüngeren Publikum punktet - diese Strategie geht bislang komplett auf. Wir sind sehr stolz auf diese vielfach preisgekrönte Serie, die dank der ausgewiesenen Qualität und dank unseres Partners, dem Weltvertrieb Beta Film, eine so große Strahlkraft im internationalen Markt entfaltet hat. Wir haben es mit "Babylon Berlin" geschafft, den auch in Deutschland geänderten Sehgewohnheiten der Serienfans gerecht zu werden und gleichzeitig haben wir den internationalen Blick auf deutsche Serien maßgeblich verändert. Für mich ist "Babylon Berlin" noch lange nicht auserzählt: Wir sind schon mitten in der Entwicklung der vierten Staffel, die auf Volker Kutschers Roman "Goldstein" basiert, und uns noch tiefer in die Berliner Unterwelt führen wird.

Die Mediatheken-Offensive ist in vollem Gange. Wie sehr hat sich Ihre Arbeit in der Fiction durch dieses starke Online-Denken verändert?

CHRISTOPH PELLANDER: Das hat sich definitiv auf unsere Arbeit ausgewirkt. Wir nehmen diese neue und schöne Aufgabe gerne an, weil man ganz anders mit den Kreativen ins Gespräch gehen kann. Wir können heute vielfältige und diverse Stoffe in unterschiedlichsten Formatierungen machen, weil wir mit dem Mediatheken-Angebot auch ein jüngeres Publikum ansprechen wollen und freier bei der Länge und der Anzahl der Episoden sind. Gleichzeitig haben wir immer noch eine klare Verantwortung für unsere Sendeplätze im Ersten. Für die Degeto sind das die Primetime-Sendeplätze am Donnerstag, Freitag und Samstag sowie am Feiertag und die Filme des "SommerKinos". Aber auch hier ist inzwischen "online first" mit immer stärker wachsenden Abrufzahlen ein wichtiger Faktor, auch nach der linearen Ausstrahlung. Auf dem Sendeplatz an Sonn- und Feiertagen um 21.45 Uhr geht die Blickrichtung hingegen stärker online. Dort werden wir künftig vermehrt deutsche Serien platzieren, die hochkarätig besetzt und teilweise horizontal erzählt sind, die im Spagat zwischen linear und non-linear funktionieren sollen.

Die Befürchtung, die linearen Quoten auf den festen Sendeplätzen könnten durch Online-Angebote zurückgehen, scheinen sich nicht zu bewahrheiten.

CHRISTOPH PELLANDER: Genau das Gegenteil ist der Fall: Wer sich von einer Serie in der ARD-Mediathek begeistern lässt, wird auch auf das vielfältige Programm im Ersten aufmerksam. Und umgekehrt funktionieren die linearen Programm-Highlights auch wunderbar in der Mediathek. Mit Blick auf das Lineare: Wir konnten in diesem Jahr auf dem Donnerstagskrimi-Sendeplatz die Quote sogar noch einmal steigern - auf nun mehr als 17 Prozent. Die Premiere des Krimis aus Passau in der vergangenen Woche war mit 19,5 Prozent sogar der erfolgreichste Start einer neuen Reihe am Donnerstag. Und mit Filmen wie "Käthe und ich" und Das Leben ist kein Kindergarten" sind wir auf dem Freitags-Sendeplatz mit über 14 Prozent Marktanteil erfolgreich aus der Sommerpause zurückgekehrt. Am Samstag waren wir mit Spurlos in Marseille" überaus erfolgreich, Die Toten am Meer" war im April mit fast 25 Prozent der vierterfolgreichste Samstagsfilm der letzten 30 Jahre. Es gilt also, die Verlässlichkeit im Linearen beizubehalten, wenn möglich sogar weiter auszubauen, und gleichzeitig für das Non-Lineare Stoffe aufzuspüren, die die Mediathek für ein neues Publikum attraktiv macht. Dafür braucht man auch Leuchtturmprojekte wie "Babylon Berlin".

Weitere aktuelle Beispiele sind Oktoberfest 1900", Der Überläufer" oder "Unsere wunderbaren Jahre". Mit welchen Produktionen der Degeto werden Sie genauso verfahren?

CHRISTOPH PELLANDER: Wir arbeiten an einigen Produktionen: Etwa die geplante internationale Fußball-Thrillerserie "Das Netz", die wir gemeinsam mit Sommerhaus, Beta Film, Red Bull Media und weiteren Partnern aus Frankreich, Spanien, Österreich und Italien machen. Weitere Projekte sind die Anwaltsserie "Legal Affairs", die wir zurzeit mit dem rbb vorbereiten, und die Richterserie "Euer Ehren" mit dem ORF sowie die Thriller-Miniserie "Schneller als die Angst", die wir aktuell mit dem MDR drehen. Die Improvisationsprojekte von Jan Georg Schütte "Die Clique von 1990", bei dem Schütte im Sommer gemeinsam mit Lars Jessen Regie geführt hat, und die gerade abgedrehte Mediatheken-Serie Das Begräbnis" sind weitere Beispiele. Mit dem SWR zusammen gehen wir noch dieses Jahr die True-Crime-Serie "Wenn Frauen töten" an. Und wir machen kleinere, sich an bestimmten Zielgruppen orientierende Formate, z.B. eine Serie, die sich fiktional mit den Themen Rassismus und Homosexualität in der Großstadt Berlin auseinandersetzt. Shortform-Formate, wie hier mit 6 x 20 Minuten, bekommen immer mehr Relevanz und ermöglichen es, Geschichten moderner zu erzählen. Abgerundet wird das Angebot mit internationalen Lizenzproduktionen wie die skandinavischen Serien "Twin", "Gösta" und "Sex". Alle diese Projekte werden auch linear ausgewertet, sollen aber in erster Linie online performen.

Ihr Film "Gott" nach Ferdinand von Schirach scheint wiederum ideal für einen großen linearen Aufschlag. Was spricht dafür, dass Sie an den Erfolg von Terror - Ihr Urteil" anknüpfen können?

CHRISTOPH PELLANDER: "Gott" von Ferdinand von Schirach ist der natürliche Nachfolger von "Terror - Ihr Urteil". Im Film geht es um einen kerngesunden 78-jährigen Mann, der sein Leben mit Hilfe von Medikamenten beenden will. Rechtlich betrachtet ist das möglich, aber die ethische Debatte darüber ist in unserer Gesellschaft noch im vollen Gang. Eine Diskussion wie geschaffen, um die Zuschauer aktiv einzubeziehen. Das Publikum kann den Ausgang mitgestalten und darüber abstimmen. Wir verlängern die Debatte um Sterbehilfe in der anschließenden Sendung "hart aber fair" im Ersten und verkünden dort auch das Abstimmungsergebnis der Zuschauerinnen und Zuschauer. Durch diese Verknüpfung ist "Gott" ganz klar ein großes lineares Event. Ich bin mir sehr sicher, dass wir mit der Einbindung des Publikums eine gesellschaftliche Debatte bis rein in die Familien auslösen und Fernsehen relevant und emotional erlebbar machen.

Mit "Feinde" haben Sie noch ein vergleichbares Event in petto. Für wann ist das geplant?

CHRISTOPH PELLANDER: Für Januar 2021. "Ferdinand von Schirach: Feinde" wird für mich das TV-Highlight des nächsten Jahres: Zwei Filme zu einem Ereignis aus der Sicht eines jeweils anderen Protagonisten. Es geht darum, ob Folter angewandt werden darf, um ein Menschenleben zu retten. Ein Film läuft im Ersten, der andere parallel in allen Dritten Programmen und in One sowie in der ARD-Mediathek - ein Novum in der Geschichte der ARD. Damit macht "Feinde" den Spagat zwischen linearer und non-linearer Auswertung und stellt die Frage: Recht oder Gerechtigkeit? Die ARD schafft ein Fernsehevent, das es so noch nie gab.

Reihenformate sind schon seit einigen Jahren im Aufschwung. Bedeutet dieser Trend in Kombination mit der starken Hinwendung zur Mediathek und jetzt noch verschärft durch Corona das Ende der Einzelstücke?

CHRISTOPH PELLANDER: Ich bin ein großer Fan von Einzelstücken. Filme bleiben auch in Zukunft wichtig, weil es immer wieder Geschichten gibt, die erzählt werden müssen, weil sie von großer Relevanz sind. Schauen wir auf unseren Sendeplatz am Freitag: 2019 war Servus, Schwiegersohn!" mit mehr als 18 Prozent Marktanteil unser erfolgreichstes Programm auf dem Freitagssendeplatz. Ein Film über eine deutsch-türkische Familie, der wahrscheinlich mehr für die Völkerverständigung leistet als manch eine Talkshow. Auf den Erfolg solcher Filme sind wir stolz und werden sie auch weiterhin produzieren. Auf Reihenformate zu setzen, heißt nicht, Einzelstücke zu lassen. Am Freitag haben wir ein Verhältnis von etwa zwei Dritteln Reihenformate zu einem Drittel mit Einzelstücken, das sich sehr bewährt hat und das wird auch weitergeführt.

Lassen Sie uns einen Blick auf den Bereich Kino werfen. Wie fällt Ihre Bilanz für das diesjährige "SommerKino" aus?

CHRISTOPH PELLANDER: Wir sind hochzufrieden: Wir konnten uns in der Primetime im Vergleich zum Vorjahr deutlich steigern - von 10,6 auf 12,2 Prozent Marktanteil und auf dem späteren Dienstag-Sendeplatz das Niveau halten. Auch hier geht der Blick in die Mediathek: Trotz kurzer Verweildauern generierten die Filme 2,65 Mio. Abrufe. Auch inhaltlich waren wir mit der Mischung aus internationalen Ankäufen und deutschen Filmen sehr glücklich. 2020 liefen mit "Grüner wird's nicht, sagte der Gärtner und flog davon", Und wer nimmt den Hund?", Wie gut ist deine Beziehung?", Leberkäsjunkie" und Der Trafikant" so viele Koproduktionen der Degeto wie nie zuvor. Das darf man als klares Zeichen für unser Kinoengagement heute, aber auch in der Zukunft werten.

Mit Werk ohne Autor" haben Sie noch eine besondere Kinokoproduktion in der Hinterhand. Ist der Film eine besondere Herausforderung in der Programmierung?

CHRISTOPH PELLANDER: Natürlich nicht nur aufgrund seiner Länge. Aber einen Film zu zeigen, bei dem wir Koproduzent waren und der für den Oscar nominiert war, erfüllt uns natürlich mit Stolz. "Werk ohne Autor" soll Ende des Jahres zur besten Sendezeit im Feiertagsumfeld laufen und da gehört er auch hin. Denn es ist die Zeit, in der am meisten ferngesehen wird.

Welche weiteren Kinokoproduktionen sind für die Saison 2020/21 eingeplant?

CHRISTOPH PELLANDER: Wir haben mit "Die Schachnovelle", einer Degeto-Koproduktion gemeinsam mit BR und ORF, einen Kinofilm der Anfang 2021 in die Kinos kommen soll und die gerade abgedrehte Komödie Es ist nur eine Phase, Hase" des Regie- und Produktionsduos Florian Gallenberger und Benjamin Herrmann, die Ende 2021 in den Kinos starten soll. Außerdem das Solo-Regiedebüt von Kida Khodr Ramadan, In Berlin wächst kein Orangenbaum", das gerade in den Kinos angelaufen ist. "Berlin, Berlin", der leider Corona-bedingt bislang nicht im Kino gezeigt werden konnte, werden wir nächstes Jahr im "SommerKino im Ersten" zeigen. Darüber hinaus feiert Trautmann" seine Free-TV-Premiere in der ARD - passend zur verschobenen Fußball-EM.

Wir können das Thema Corona nicht aussparen. Im Frühjahr meinte Ihre scheidende Geschäftsführerin Christine Strobl, es könne zu einer Reduzierung der Erstausstrahlungen aufgrund von Corona kommen. Hat sich das für die Saison 20/21 bewahrheitet?

CHRISTOPH PELLANDER: Es gab Wochen, in denen wir um unseren Programmbestand besorgt waren. Aber wir holen kräftig auf und haben es derzeit mit einer echten Produktionswelle zu tun.

Aktuell wirkt es, als werde so viel gedreht wie eh und je...

CHRISTOPH PELLANDER: Wir drehen nicht wie eh und je, wir drehen mehr denn je. Schließlich müssen die verlorenen Monate aufgeholt werden. Abgedreht sind Stand heute für uns 41 Filme. Zum Vergleich: In einem normalen Jahr wäre es mehr als die doppelte Menge gewesen. Das müssen wir in den nächsten Monaten aufholen. Aktuell werden über 35 Filme gedreht, so viele wie noch nie. Und weitere 25 sind für einen Dreh noch in diesem Jahr beauftragt und nochmal so viele sollen hinzukommen. Wir haben dieses Jahr also noch einen riesigen Ritt vor uns, der für alle Beteiligte - vor wie hinter der Kamera - auch einen gewaltigen Kraftakt bedeutet.

Aufgrund der aktuellen Situation - ohne Absicherung durch einen Ausfallfonds II - gleicht das eher einem Husarenritt. Die Produzenten riskieren teilweise ihre Existenz.

CHRISTOPH PELLANDER: Zweifellos stellt die aktuelle Produktionswelle alle Beteiligten vor gewaltige Herausforderungen, vor allem die Produzenten. Wir haben eine ungemein hohe Arbeitsdichte bei den Kreativen, bei allen Gewerken. Das zu koordinieren, ist ein branchenweites Kunststück. Die ARD hat zudem zahlreiche Hilfen auf den Weg gebracht. Wir übernehmen die zusätzlichen Hygienekosten zu 100 Prozent, das sind Zusatzkosten allein für die Degeto von mehreren Millionen. Wir leisten Liquiditätshilfen und wir teilen uns durch den ARD-Rettungsschirm das Corona-Risiko zur Hälfte mit den Produzenten. Zudem arbeiten wir weiter daran, dass es auch für die TV-Produzenten, die 85 Prozent des Produktionsvolumens ausmachen, zu einer Absicherung durch einen sogenannten Länderfonds kommt. Diese Absicherung ist notwendig, um die deutsche Kreativlandschaft langfristig zu erhalten. Wir wollen und müssen unsere Mittel in viele neue Produktionen stecken und nicht zur Absicherung von Corona-Risiken bereithalten

Das Warten auf den Ausfallfonds II erinnert eher an Godot. Aber noch einmal ganz konkret: Was passiert, wenn es jetzt zu Corona-Fällen und Dreh-Unterbrechungen kommt?

CHRISTOPH PELLANDER: Wir hatten glücklicherweise noch keinen Fall, dass eine Produktion wegen Corona komplett "dichtmachen" musste. Die Produzenten setzen die Schutz- und Hygienemaßnahmen wirklich vorbildlich um. Und unsere Teams werden kontinuierlich getestet. Ich freue mich über jede Drehstartmeldung, aber noch mehr freue ich mich über jede letzte Klappe.

Gibt es aufgrund der erhöhten Kosten trotzdem konkrete Überlegungen, bestehende Formate nicht fortzusetzen?

CHRISTOPH PELLANDER: Das ist überhaupt nicht unser Ziel. Wir können aber noch nicht sagen, wie viel Geld uns Corona am Ende kosten wird. Die Hygienekosten werden im Rahmen der Projektkosten vollständig anerkannt. Die dadurch entstehenden Mehrkosten sind erheblich, aber alternativlos. Wir beziffern sie je Dreh mit einem hohen fünfstelligen Betrag. Fakt ist, dass wir kein Extrageld zur Verfügung haben, das für Corona-Mehrkosten eingesetzt werden kann.

Machen sich die Corona-Maßnahmen in den Filmen bemerkbar?

CHRISTOPH PELLANDER: Ich bin mehrfach schon darauf angesprochen worden, ob wir beim kommenden Filmjahrgang von "Corona-Filmen" sprechen müssen. Ernsthaft: Ich bin mir ganz sicher, dass die Zuschauerinnen und Zuschauer keinen Unterschied sehen werden. Unsere Kreativen haben in großartigem Maße für kreative Lösungen gesorgt. Der Erfindungsreichtum ist enorm. Das reicht von der Kameraarbeit bis zu der Bereitschaft, Szenen mit dem echten Lebenspartner oder der Lebenspartnerin als Double zu drehen, um körperliche Nähe darzustellen. Wir haben großen Respekt vor den Produzenten, die das ermöglicht haben. Wir haben aber auch Respekt vor denen, die das Risiko nicht eingehen konnten, und haben deren Film erst einmal verschoben.

Gewähren Sie uns abschließend noch einen Einblick in künftige Projekte?

CHRISTOPH PELLANDER: Es steht ein regelrechter Highlight-Reigen im Ersten mit vielen Produktionen der Degeto bevor. "Babylon Berlin", "Gott" und "Feinde" haben wir erwähnt. Im Weihnachtsprogramm zeigen wir zudem "Louis van Beethoven" von Niki Stein mit Tobias Moretti als aufwendig inszeniertes Event und wichtiger Beitrag zum diesjährigen Beethoven-Jahr. Hinzu kommt der gemeinsam mit dem NDR realisierte Dreiteiler "Das Geheimnis des Totenwalds", der auf einem wahren Kriminalfall beruht und der auf Mauritius spielende Umweltkrimi "Mare-Team" (AT) mit Hannes Jaenicke.

Und welche Drehs stehen bevor?

CHRISTOPH PELLANDER: Aktuell drehen wir unter der Regie von Ed Herzog "3 1/2 Stunden", ein großartiges Projekt über die Dramatik des Mauerbaus. Der Film erzählt anhand der Reisenden im Interzonen-Zug von München nach Ostberlin, die während der Fahrt erfahren, dass die Mauer gebaut wird, und jeweils individuell ihre Entscheidung für Ost oder West treffen müssen. Mit Sicherheit ein sehr besonderes Event im kommenden Jahr! Ein weiteres Highlight für 2021wird der historische Zweiteiler Das weiße Haus am Rhein", eine fiktionalisierte Geschichte über das Hotel Dreesen bei Bad Godesberg, in dem sich gleichermaßen das jüdische Bürgertum, internationale Künstler und Nazi-Größen trafen. Die Dreharbeiten unter der Regie von Thorsten Schmidt haben gerade begonnen, die Federführung liegt bei der Degeto, WDR und SWR sind weitere Partner. Außerdem beginnen wir mit den Dreharbeiten zu der angekündigte Miniserie über das "KaDeWe" mit Julia von Heinz als Regisseurin und Autorin sowie den hochspannenden Politthriller Kaltenmorgen" mit Maria Furtwängler, in dem im Jahre 2026 radikale Mächte in Politik, Medien und der Wirtschaft einen Putschversuch unternehmen, um die Demokratie auszuhebeln. Das Ganze wird in Szene gesetzt von Roland Suso Richter. Mit diesem abwechslungsreichen Angebot wollen wir im nächsten Jahr unser Publikum im Ersten und in der ARD-Mediathek begeistern und setzen dabei auf die volle filmische Bandbreite.

Und jetzt noch ein Projekt, exklusiv für Blickpunkt:Film?

CHRISTOPH PELLANDER: Wir drehen zeitnah einen Weihnachtsfilm: "Und wenn das fünfte Lichtlein brennt" spielt an einem eingeschneiten Flughafen. Es war immer ein Wunsch von mir, einen Episodenfilm zu machen, der sich an dem Weihnachtsklassiker "Tatsächlich Liebe" anlehnt. Stefan Bühling führt Regie, Henning Baum wird als Weihnachtsmann zu sehen sein. Außerdem planen wir die Verfilmung von Holger Karsten Schmidts Kriminalroman "Lost in Fuseta" sowie die Adaption der britischen Serie Doctor Foster", die der BBC schon einen riesigen Quotenerfolg beschert hat. Ich freue mich sehr, dass "Doctor Foster" bei uns ihre deutsche Heimat gefunden hat und wir so unser vielfältiges Serienangebot um ein sehr besonderes Stück erweitern können.

Im Mai bekommen Sie mit Thomas Schreiber als Nachfolger von Christine Strobl einen neuen Chef. Glauben Sie, den eingeschlagenen Kurs unverändert fortsetzen zu können?

CHRISTOPH PELLANDER: Thomas Schreiber und ich haben in der Zeit beim NDR sehr gut und sehr erfolgreich zusammengearbeitet. Genau das möchte ich fortsetzen.

Das Interview führte Frank Heine