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Albert Wiederspiel zum 28. Filmfest Hamburg: "Alles gut gelaufen"

Erstmals wurde wieder ein großes Filmfestival auf deutschem Boden als physischer Event ausgetragen. Festivalleiter Albert Wiederspiel zieht ein erstes Fazit für das 28. Filmfest Hamburg.

05.10.2020 13:50 • von Thomas Schultze
Drei fürs Kino: Albert Wiederspiel (m.) mit Oliver Masucci und Oskar Roehler (Bild: Martin Kunze/Filmfest Hamburg)

Erstmals wurde wieder ein großes Filmfestival auf deutschem Boden als physischer Event ausgetragen. Festivalleiter Albert Wiederspiel beantwortete unsere Fragen zu diesem höchst ungewöhnlichen Ereignis.

Wie lautet Ihr Fazit für das ?

ALBERT WIEDERSPIEL: Angesichts der Situation und der Auflagen waren wir erfolgreich. Nichts desto trotz freue ich mich, wenn wir wieder ein »normales« Festival mit vollen Sälen machen dürfen.

Lief alles wie geplant? Wurden Ihre Erwartungen erfüllt?

ALBERT WIEDERSPIEL: Von "geplant" kann keine Rede sein. Es war eine Situation, die wir alle noch nicht kannten, deshalb hatten wir de facto keine wirklichen Erwartungen. Wir haben von Tag zu Tag gedacht und gearbeitet, immer wieder neue Verordnungen studiert, da es auch in der Festivalzeit Änderungen gab. Angesichts all dieser Umstände sind wir gut dabei herausgekommen.

Wie waren Ihre Erfahrungen mit dem digitalen Angebot? Ist das ein Ansatz, den Sie auch künftig verfolgen werden?

ALBERT WIEDERSPIEL: Vieles wollen wir mitnehmen in die nächsten Jahre wie zum Beispiel das Streaming der Fachveranstaltungen, oder die voraufgezeichneten digitalen Filmgespräche mit den Regisseur*innen. Das Streamen der Filme müssen wir noch im Detail auswerten, aber feststeht, dass die Kinozahlen deutlich höher waren als die Streamingzahlen, was mich als Kinomann natürlich sehr freut.

Was es leicht, die Sicherheits- und Hygienemaßnahmen umzusetzen und einzuhalten? Was gestaltete sich am schwierigsten?

ALBERT WIEDERSPIEL: Leicht wäre übertrieben. Wir mussten und müssen alle dazu lernen. Am schwierigsten war die Situation am roten Teppich, der ja ein Herzstück eines Festivals ist. Es durften nur drei Personen mit Abstand fotografiert werden, der Teppich war verkürzt und führte nicht ins Kino. Am Ende sind wir glücklich, dass alles trotzdem gut gelaufen ist.

Sieht man jetzt schon, dass sich Filmemacher inhaltlich mit der stark veränderten Welt des Jahres 2020 auseinandersetzen?

ALBERT WIEDERSPIEL: Dazu ist es noch zu früh. Aber wir sind schon sehr auf die maskierten Filme in 2021 gespannt...

Gibt es bereits Feedback von Kreativen? Aus der Branche? Vom Publikum?

ALBERT WIEDERSPIEL: Die Reaktion der Kreativen und der Branche war durchweg positiv. Alle haben sich gefreut, das Kinopublikum zu treffen und die Filme persönlich vorzustellen. Die Kinozahlen zeigen, dass das Publikum bereit ist, wieder in die Kinos zu kommen und Festivalluft zu schnuppern.

Was war Ihr persönliches Highlight?

ALBERT WIEDERSPIEL: Die sehr emotionale Wiederaufführung von Kurz und schmerzlos" (Fatih Akins Debütfilm-Energie hat nach 22 Jahren nicht nachgelassen), und die vielen sehr netten Begegnungen mit ausländischen Gästen im Cuneo - alle waren sehr begeistert von der besonderen Atmosphäre des Restaurants.

Wie sehen Sie generell die Zukunft der Festivals? Und des Kinos? Wie wird es in den kommenden Monaten weitergehen?

ALBERT WIEDERSPIEL: Ich glaube, es liegen sehr schwierige Monate vor uns. Der Markt wird durchgerüttelt, und man kann nur hoffen, dass wir das alle überleben und dabei auch noch etwas dazu lernen. Die Zukunft der Festivals sehe ich als gesichert, weil das Publikum immer mehr nach kuratierten Programmen sehnt. Nur sind Festivals von allen anderen abhängig: von den Produzenten, den Verleihern und den Kinos. Ich hoffe, dass dieses Ecoystem so bestehen bleibt.

Das Interview führte Thomas Schultze.