Kino

Cineworld macht tatsächlich dicht

Nur einen Tag, nachdem Cineworld erklärte, noch keine finale Entscheidung hinsichtlich der erneuten Schließung seiner Kinos getroffen zu haben, meldet man die Einstellung des Spielbetriebs in sämtlichen Standorten im Vereinigten Königreich und den USA ab 8. Oktober. Den Betrieb fortzusetzen, sei unter den aktuellen Bedingungen "schlicht unmöglich".

05.10.2020 08:31 • von Marc Mensch
Massiver Rückschlag für die Rückkehr des Kinos: Die zweitgrößte Kette schließt die Häuser in ihren wichtigsten Märkten wieder (Bild: Regal)

Gerade erst hatte Cineworld als Reaktion auf einen Artikel der Times und weiter reichende Spekulationen der Branchenpresse noch erklärt, dass man zwar tatsächlich über eine Schließung von Kinos im Vereinigten Königreich und den USA nachdenke, eine finale Entscheidung aber noch nicht getroffen sei - da kommt die Mitteilung, dass der Spielbetrieb im Vereinigten Königreich und den USA tatsächlich ab dem 8. Oktober eingestellt wird. Und es handelt sich bei den Kinos der zweitgrößten US-Kette Regal nicht - wie zuletzt von Deadline spekuliert - um eine lediglich partielle Schließung, sondern um eine Entscheidung, die sämtliche 536 Standorte betrifft.

In einer Unternehmenserklärung heißt es dazu: "Als Reaktion auf ein zunehmend herausforderndes Marktumfeld und anhaltende Schließungen von Schlüsselmärkten im Zuge der Pandemie bestätigt Cineworld, dass man den Spielbetrieb in sämtlichen 536 Kinos von Regal in den USA und allen 127 Häusern von Cineworld und Picturehouse im Vereinigten Königreich ab Donnerstag, den 8. Oktober, wieder zeitweise einstellen wird."

Die Entscheidung erfolgte in auffälliger zeitlicher Nähe zur Ankündigung, dass "Keine Zeit zu sterben" nicht mehr 2020 in die Kinos kommen wird - und obwohl dieser Film nicht namentlich genannt wird, ist es doch das Ausbleiben großer Starts, das Cineworld als Grund für den Schritt anführt. Wobei sich die Kritik (siehe insbesondere unten) weniger gegen die Studiopartner, als vielmehr gegen die Behörden und insbesondere New Yorks Gouverneur zu richten scheint. Konkret heißt es:

"Da die wichtigsten US-Märkte, allen voran New York, ohne zeitliche Perspektive auf eine Wiedereröffnung geschlossen blieben, haben die Studios gezögert, ihre neuen Filme an den Start zu bringen. Ohne Neustarts wiederum kann Cineworld seinen Kunden weder in den USA noch dem Vereinigten Königreich - seinen wichtigsten Märkten - jene Breite an starken kommerziellen Filmen anbieten, die sie vor dem Hintergrund von Covid-19 zur Rückkehr in die Kinos bewegen könnte."

Einen potenziellen Termin für die erneute Wiedereröffnung der Kinos nannte Cineworld nicht. Man werde den Markt genau beobachten und entsprechende Pläne kommunizieren, sobald man ein genaueres Bild von der Situation in den Schlüsselmärkten und der Bereitschaft der Studios habe, große Neustarts auf die Leinwände zu bringen.

Cineworld-CEO Mooky Greidinger erklärte dazu: "Es ist eine Entscheidung, die uns nicht leicht gefallen ist und wir haben alles in unserer Macht stehende getan, um sichere und nachhaltige Wiedereröffnungen in all unseren Märkten zu ermöglichen - wozu auch zählte, Vorgaben zum Gesundheitsschutz nicht nur zu erfüllen, sondern oft zu übertreffen, und konstruktiv daran zu arbeiten, das öffentliche Vertrauen in unsere Branche wieder herzustellen. Der harten Arbeit unserer Angestellten, die unsere Kinos an die neuen Sicherheitsprotokolle angepasst haben, gilt unser besonderer Dank und Stolz und wir können nicht genug betonen, wie schwierig diese Entscheidung war."

In einer Presseerklärung zur Schließung der US-Kinos wird Greidinger zudem mit folgenden Worten zitiert: "Trotz unserer Bemühungen, dem positiven Feedback unserer Kunden und der Tatsache, dass es bis heute keine Anzeichen dafür gibt, dass auch nur ein einziger Covid-Fall in Verbindung mit Kinos steht, haben wir keinen Fahrplan für eine Wiedereröffnung in New York erhalten - obwohl dort andere Indoor-Aktivitäten wie die Gastronomie, Bowling oder Casinos bereits wieder gestattet sind. Die anhaltenden Schließungen hatten schädliche Auswirkungen auf die Startpläne für den Rest des Jahres und damit auf unsere Fähigkeit, unsere Gäste mit jenem Blockbuster-Lineup zu versorgen, das sie von uns erwarten. In der Konsequenz ist es schlicht unmöglich, den Spielbetrieb in unseren wichtigsten Märkten aufrecht zu erhalten."

Unterdessen berichten britische Medien, dass Odeon, Tochter von AMC und Mutter von UCI, ebenfalls auf das schleppende Geschäft reagiert. Demnach würde etwa ein Viertel der Odeon-Standorte in UK ab dieser Spielwoche nur noch am Wochenende öffnen. Odeon habe zu entsprechenden Spekulationen keine Stellugn bezogen, allerdings sei der Schritt bereits gegenüber Aboinhabern angekündigt worden.