Kino

Aus für Entertainment One Germany

Bereits Ende des Monats soll der Geschäftsbetrieb der deutschen Dependance von Entertainment One eingestellt werden. Zur zukünftigen Strategie für den deutschen Markt will die Konzernmutter derzeit keinen konkreten Kommentar abgeben.

01.10.2020 09:13 • von Marc Mensch
Offenbar der letzte Start für Entertainment One Germany: "Die Misswahl" (Bild: Entertainment One (Paramount))

Fast genau drei Jahre nach der Eröffnung eines Münchner Büros schließt Entertainment One seine deutsche Dependance. Wie Blickpunkt: Film erfuhr, soll der Geschäftsbetrieb von Entertainment One Germany zum Ende des Monats eingestellt werden. Letzter Kinostart im Portfolio wäre damit nach derzeitigem Stand der heute auf die Leinwände gekommene Die Misswahl - Der Beginn einer Revolution".

Konkrete Stellungnahmen zur Schließung gibt es derzeit weder vom deutschen Verleiharm noch der kanadischen Konzernmutter, die Ende vergangenen Jahres vom Spielwarenriesen Hasbro übernommen worden war - der Deal hatte ein Volumen von rund 3,8 Milliarden Dollar.

Auf direkte Nachfrage hinsichtlich der zukünftigen Verleih- und Marketingstrategie für die Filme von Entertainment One in Deutschland war aus der Zentrale von Jackie Rubin, Senior Vice President Corporate Communications bei Entertainment One, lediglich zu erfahren: "Wir geben derzeit noch keinen Kommentar ab. Wie Sie wissen, entwickelt sich der Kinomarkt stetig weiter - und wir evaluieren unsere Distributionsstrategie laufend."

Benjamina Mirnik-Voges hatte im Oktober 2017 die Leitung des neu gegründeten Verleiharms übernommen, der sich sehr rasch erfolgreich im Markt etablieren konnte. Der erste von Entertainment One Germany in den deutschen Kinos gestartete Film, 7 Tage in Entebbe", feierte zum offiziellen Firmenlaunch seine Premiere außer Konkurrenz im Wettbewerb der Berlinale und kam nach seinem Kinostart Anfang Mai 2018 auf knapp 30.000 Besucher. Den mit Abstand größten Erfolg konnte man mit dem Ende Januar 2019 gestarteten Green Book" feiern, der es auf über 1,6 Mio. Besucher in Deutschland brachte und der auch in der Corona-Zeit noch zum Einsatz kam.

Die Marke von 100.000 Zuschauern überschritten auch zwei weitere des guten Dutzends an Filmen, die in drei Jahren im Verleih von Entertainment One Germany auf die Leinwand kamen: Die Berufung - Ihr Kampf für Gerechtigkeit" über die kürzlich leider verstorbene US-Bundesrichterin Ruth Bader Ginsburg (gut 114.000 Besucher) sowie Judy" über Schauspiel-Ikone Judy Garland (gut 150.000 Besucher). Mit dem fünffach Lola-prämierten "Berlin Alexanderplatz" feierte man einen Triumph beim Deutschen Filmpreis und wagte einen Release in der frühen Phase der Wiedereröffnungen während der Coronakrise, als die Arthousekinos auf hochkarätige Filmstarts dringend angewiesen waren.