Kino

Goran Paskaljevic 73-jährig verstorben

Der serbische Regisseur, der 2002 auf dem Filmfest München mit dem Bernhard-Wicki-Filmpreis ausgezeichnet worden war, ist im Alter von 73 Jahren verstorben.

30.09.2020 12:38 • von Jochen Müller
Goran Paskaljevic ist im Alter von 73 Jahren verstorben (Bild: imago images / Agencia EFE)

Der serbische Regisseur Goran Paskaljevic ist tot. Wie jetzt bekannt wurde, starb er bereits am vergangenen Freitag im Alter von 73 Jahren infolge seiner Lungenkrebserkrankung. Bereits schwer erkrankt, hatte Paskaljevic, der 2002 auf dem Filmfest München mit dem Berhard-Wicki-Filmpreis ausgezeichnet worden war, im vergangenen Jahr noch seinen letzten Film "Nonostante la nebbia" über ein Paar, das seinen Sohn verloren hat und ein Flüchtlings-Waisenkind bei sich aufnimmt, vollendet.

Goran Paskaljevic wurde 1947 in Belgrad als Sohn eines Journalisten und einer Lehrerin geboren und wollte, seit er 17 war, Regisseur werden. Sein Stiefvater war Leiter der Kinemathek in Belgrad, wo Paskaljevic begierig Filmgeschichte in sich aufnahm. Von 1967 bis 1977 studierte er an der FAMU, Filmhochschule in Prag u.a. bei Milos Forman (Amadeus") und dem Schriftsteller Milan Kundera (Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins") und war Teil der sogenannten Prager Schule, der Regisseure wie Goran Markovic, Srdjan Karanovic und Emir Kusturica angehörten. Nach über 50 meist für das Fernsehen entstandenen Dokumentarfilmen inszenierte Paskaljevic 1976 seinen ersten Spielfilm "The Beach Guard in Winter".

Zu Paskaljevic' international ausgezeichneten Filmen gehören "Dämmerung" (Preis der Unesco), "Time of Miracles", "Schutzengel" und Tango Argentino" (1992), der von einem zwölfjährigen Jungen erzählt, der in der Familie keinen Rückhalt findet und durch die Arbeit mit alten Leuten Kraft gewinnt. Die Wiedergeburt-Parabel erhielt Publikumspreise in Venedig und San Francisco. Ihr folgte die Tragikomödie Paradies, Brooklyn" (1995, mit Tom Conti) um die Freundschaft europäischer Einwanderer in New York. Zu Paskaljevic' bevorzugten Hauptdarstellern zählen der aus Filmen von Kusturica (Underground") bekannte Miki Manojlovic und Mirjana Karanovic ("Esmas Geheimnis - Grbavica").

Paskaljevic' Hauptwerk entstand 1998: "Bure Baruta - Cabaret Balkan - Das Pulverfass" schildert virtuos eine Busfahrt durch Belgrad, wo ein Taxifahrer Wagen und Wohnung eines anderen zertrümmert, eine Frau vor den Augen ihrer Freundin vergewaltigt wird und ein Boxer einen Rivalen tötet. "Bure Burata" wurde 1998 in Venedig mit dem Fipresci-Preis und beim Europäischen Filmpreis 1998 ebenfalls mit dem Fipresci-Preis ausgezeichnet.

Entspannter ging es in der internationalen Ko-Produktion How Harry Became a Tree" (Drehbuchpreis Filmfestival Flandern 2001) zu, eine mit Colm Meany, Adrian Dunbar und Cillian Murphy attraktiv besetzte absurde Komödie um eine irische Dorffehde im Jahr 1920. Mit seinem Sohn Vladimir als Ko-Drehbuchautor inszenierte Paskaljevic 2006 mit Optimisti" eine in fünf Espisoden erzählte Allegorie auf serbischen Fatalismus.