Kino

Marktforschung: Kino nach Corona - Teil 4

Nachdem vor allem "Tenet" und "After Truth" wieder mehr Leben in die Kinos gebracht haben, hat S&L Research einmal mehr bei den Kinogängern nachgefragt, wie diese aktuell zum Thema Kino stehen.

29.09.2020 14:16 • von Marc Mensch
Ergebnisse von Teil 4 der Marktforschungsreihe "Kino nach Corona" (Bild: S&L Research)

Es geht aufwärts: Mittlerweile gibt mehr als ein Drittel (37 Prozent) aller Befragten an, nach dem Lockdown wieder ein Kino besucht zu haben - Ende Juni lag diese Zahl noch bei gerade einmal sieben Prozent. Jeder zweite dieser Kinobesucher war schon mindestens zweimal im Kino, jeder achte sogar schon mindestens viermal. Ein Blick in die Zielgruppen verrät interessante Details: Männer geben häufiger als Frauen (43 vs. 32 Prozent) an, nach dem Lockdown einen Film im Kino gesehen zu haben. Nach wie vor zeigen sich bei den jüngeren Kinogängern höhere Anteile als bei den älteren Kinogängern: 16 - 19 Jahre: 49 Prozent, 20 - 29 Jahre: 42 Prozent, 30 - 39 Jahre: 35 Prozent, 40+ Jahre: 29 Prozent. Und grundsätzlich bestätigt sich auch einmal mehr, dass die allermeisten Kinogänger die generelle Rückkehr ins Kino nicht in Frage stellen: 86 Prozent (wie schon im Juni) gaben weiterhin an 'sehr wahrscheinlich' oder 'wahrscheinlich' wieder ins Kino gehen zu wollen bzw. schon wieder dort gewesen zu sein.

Die am häufigsten genannten Begründungen, weshalb das Kino bisher noch nicht wieder besucht wurde, dürften niemanden überraschen: Ein Drittel der Befragten (35 Prozent) gibt an, dass aktuell kein Film im Kino zu sehen ist, der sie interessiert. Zudem liefert die anhaltende Pandemie selbst weiterhin diverse Gründe, dem Kino fern zu bleiben: Beispielsweise führen elf Prozent der Befragten Corona generell bzw. die steigenden Infektionszahlen an, neun Prozent vermeiden allgemein Menschenansammlungen (bzw. mögliche Infektionsquellen), acht Prozent sind der Meinung, dass das Infektionsrisiko im Kino zu hoch ist, sieben Prozent nehmen Abstand von einem Kinobesuch, weil ihnen die Vorschriften im Kino nicht behagen (bzw. ein hoher Aufwand mit einem Kinobesuch verbunden ist) und sechs Prozent mögen sich nicht in geschlossenen Räumen mit anderen Menschen aufhalten - insbesondere die über 40-Jährigen führen häufig einen dieser Gründe an. Unter dem Strich summieren sich diese "Corona-bedingten" Hemmnisse auf 46 Prozent der Antworten von bislang noch Kino-Abstinenten. In diesem Zusammenhang zeigt sich aber auch, dass insbesondere jene, die noch nicht wieder im Kino waren, sich vergleichsweise selten gut über das aktuelle Kinoprogramm (41 Prozent vs. 78 Prozent der bereits Zurückgekehrten) oder die Hygienemaßnahmen im Kino (41 vs. 91 Prozent) informiert fühlen.

Was hat die Besucher veranlasst, wieder ins Kino zu kommen? Drei von vier Befragten geben an, dass sie einen bestimmten Film sehen wollten - womit sich einmal mehr zeigt, wie entscheidend eine ansprechende Filmauswahl ist. Knapp 70 Prozent wollten wieder einen Film auf der großen Leinwand sehen, 56 Prozent wollten Spaß und Unterhaltung, 53 Prozent wollten etwas mit Freunden/Bekannten oder der Familie unternehmen. Überzeugende Argumente für den Kinobesuch nach Lockdown waren dabei insbesondere die Einhaltung der Abstandsregel von 1,5 Meter im Kino (57 Prozent), gefolgt von der Verpflichtung zum Tragen eines Mund- und Nasenschutzes außerhalb des Sitzplatzes (52 Prozent). Besonders positiv ist zu bewerten, dass 88 Prozent der Befragten die Schulnote 1 oder 2 wählten, um ihr Sicherheitsgefühl in Hinblick auf die Vermeidung einer Ansteckung im Kino zu bewerten. 89 Prozent haben die Hygiene- und Vorsichtsmaßnahmen vor Ort als ausreichend empfunden, gerade einmal vier Prozent fanden diese unzureichend, während weitere fünf Prozent diese als übertrieben bezeichneten.

Interessante Zusatzinformation: 47 Prozent der Kinogänger gaben sogar an, dass die bestehenden Maßnahmen in den Kinos ihren Besuch eher positiv beeinflusst haben. Insbesondere, dass die Abstände im Kinosaal größer waren als bisher, hat gut gefallen - dies gab jeder vierte Besucher an. 16 Prozent der Befragten fanden es gut, dass weniger Besucher als üblich vor Ort waren, weiteren zehn Prozent hat gefallen, dass es insgesamt weniger Störfaktoren im Kinosaal gab. Auf die Frage, was weniger gut gefallen hat, gaben entsprechend die meisten Befragten (57 Prozent) an, dass sie nichts zu bemängeln hatten. Der Status Quo in den Kinos scheint somit insgesamt ein positives Gefühl zu vermitteln.

Da der Mund- und Nasenschutz im Kino - auch in Verbindung mit den Sitzabständen im Saal - derzeit ein aktuelles Diskussionsthema ist, wurde in dieser Studie auch bei den Kinogängern nachgefragt, wie sie dazu stehen und es zeigt sich, dass hier große Skepsis vorherrscht: 60 Prozent geben an, dass sie eher nicht ins Kino gehen würden, wenn sie im Kinosaal einen Mund- und Nasenschutz tragen müssten - nur für 31 Prozent der Befragten wäre dies akzeptabel. In Bezug auf eine Reduzierung des Sitzabstandes zeigt sich eine Polarisierung der Befragten, die für weitere Überlegungen im Hinblick auf Kapazitätserweiterungen von Relevanz sein könnte: 44 Prozent würden bei einer Reduzierung des Sitzabstandes (egal ob mit oder ohne Mund- und Nasenschutz) seltener bzw. vorerst gar nicht mehr ins Kino gehen. Diesen stehen 40 Prozent gegenüber, für die eine Reduzierung des Sitzabstandes zwar akzeptabel wäre, aber nicht, wenn diese einhergeht mit der Pflicht einen Mund- und Nasenschutz zu tragen. Nur 16 Prozent wären bereit, während des Films einen Mund- und Nasenschutz zu tragen, damit die Abstände im Kinosaal reduziert werden können.

Die Frage, ob sich die kalte Jahreszeit auf das Verhalten der Kinobesucher auswirken wird, lässt sich mit den Daten dieser Befragung noch nicht final beantworten: 49 Prozent der Befragten sehen sich in ihrer Kinobesuchshäufigkeit dadurch nicht beeinflusst. 20 Prozent gehen davon aus, seltener ins Kino zu gehen, da in den kälteren Monaten die Infektionszahlen wahrscheinlich steigen werden. 21 Prozent haben vor, häufiger ins Kino zu gehen, da draußen weniger Aktivitäten stattfinden, weitere 19 Prozent sind der Meinung, dass sie häufiger ins Kino gehen werden, da im Herbst und Winter in der Regel interessantere Filme anlaufen.

Autorin: Gaby Hardt-Voß

Zur Methodik: Die vierte Umfrage zum Thema "Kino nach Corona" wurde von S&L Research vom 18. bis 23. September über www.moviepanel.de durchgeführt - 896 deutsche Kinogänger ab 16 Jahren nahmen an dieser Umfrage teil, die Zusammensetzung des Samples orientierte sich erneut an der des deutschen Kinopublikums. Wenn Sie Interesse an weiteren Ergebnissen haben, kontaktieren Sie bitte research@slmedien.de, Zusammenfassungen der ersten Studien aus dem April, Mai bzw. Juni finden Sie in der Sonderausgabe Fokus: Kino und in den Ausgaben 22/23 sowie 28/29 von Blickpunkt: FIlm bzw. unter www.blickpunktfilm.de.