Kino

Kino-Comeback: Es ginge was!

Der Herbsteinbruch am vergangenen Wochenende hat die Zahlen für die deutschen Kinos wieder nach oben schnellen lassen. Wo das Gesamtniveau weiterhin zu niedrig ist, hat sich doch an mehreren Stellen gezeigt, was mit entsprechender Programmversorgung und besseren Rahmenbedingungen möglich wäre.

28.09.2020 16:25 • von Marc Mensch
"Land in Sicht" ist für die Kinos zwar noch nicht wirklich - aber zumindest schrieb "Ooops! 2" mit einem Start in Corona-Zeiten bessere Zahlen als der Vorgänger (Bild: Telepool (Paramount))

Knapp 32 Prozent mehr Besucher, fast 26 Prozent mehr Umsatz als am Vorwochenende - und das ohne Wechsel auf den beiden Toppositionen. Die aktuelle Montags-Bilanz von ComScore (die knapp 500.000 Besucher und gut 4,2 Mio. Euro Umsatz ausweist) unterstreicht nicht nur eindrucksvoll, wie groß der Einfluss des Wetters auf die Kinoergebnisse ist - sondern auch, welches Potenzial in einem Markt schlummert, der vor allem unter der desolaten Situation in den USA und den vor allem darauf basierenden Terminentscheidungen leidet.

So verzeichneten zahlreiche Titel in den (vorläufigen) Top 20 nicht etwa nur extrem geringe Drop-Offs, gegenüber dem Vorwochenende, etliche legten sogar zu - und das teils deutlich. Während Spitzenreiter Tenet" mit gut drei Prozent mehr verkauften Tickets auch in seiner sechsten Woche sechsstellige Zahlen schrieb und immer weiter in die Nähe von 1,5 Mio. Besuchern rückt (Interstellar" etwa würde eine Vergleichs-Messlatte bei 1,7 Mio. setzen), gelang der größte Sprung Meine Freundin Conni", der um fast 122 Prozent zulegte und als Corona-Release schon über 310.000 Besucher für sich verbuchen kann.

Die vielleicht beste Nachricht lautet aber: "Ooops 2!" gelang mit knapp 58.000 Besuchern ein deutlich besseres Debüt (auf Platz 3) als dem während der in etlichen Bundesländern noch laufenden Sommerferien 2015 gestarteten Vorgänger (knapp 42.000 Besucher inkl. Previews).

"Land in Sicht", wie es der Filmtitel verspricht, ist für die Kinos zwar noch nicht wirklich, aber nachdem die untere Benchmark als ein erster Gradmesser der Markterholung nach dem Lockdown (schlechtestes Wochenende für die wiedereröffneten Kinos innerhalb der vergangenen fünf Jahre vor Corona) am miserablen mittleren September-Wochenende unterschritten worden war, lag man zuletzt wieder um 34 Prozent nach Besuchern und 31 Prozent nach Umsätzen darüber. Zur entscheidenderen Hürde (dem "mittleren" Vergleichswochenende) fehlten allerdings 64 bzw. 66 Prozent... Auch wenn aufgrund der statistischen Verzögerungen, die durch nur tageweise geöffnete und verzögert meldende Kinos bedingt sind, ComScore aktuell nur 980 wiedereröffnete Kinos zählt, liegt die tatsächliche Zahl eher bei (knapp unter) 1000, so wurde die Zahl der Vorwoche nun auf 996 nach oben korrigiert.

Wieder aufwärts ging es übrigens auch in Österreich, wo die untere Benchmark (mit ähnlich hohen Abständen zur mittleren) um 25 bzw. 26 Prozent übertroffen wurde, und den Niederlanden, wo man zwar nur um 18 bzw. 29 Prozent über der "Mindestschwelle" lag, aufgrund eines etwas geringeren Schwankungen ausgesetzten Gesamtmarkts aber auch "nur" um 58 bzw. 54 Prozent hinter dem "mittleren Wochenende" zurückblieb.

Was die Performance der einzelnen deutschen Verleihbezirke anbelangt, setzt sich das "Bäumchen-wechsle-dich-Spiel" fort. Diesmal machten die wiedereröffneten Kinos im Verleihbezirk Berlin den besten Schnitt, mit durchschnittlich 153 Prozent der Besucherergebnisse des schwächsten Vergleichswochenendes. Am Ende der Skala rangiert diesmal Hamburg mit nur 122 Prozent. Auf die Bundesländer heruntergebrochen punkteten vor allem Brandenburg (167 Prozent) und Sachsen (164 Prozent), letzteres ein Bundesland, das mit vernünftigen Abstandsregeln eine Veranstaltung wie die Filmkunstmesse Leipzig überhaupt erst ermöglichte - und das nach wie vor ebensowenig mit Infektionen in einem Kinosaal in Verbindung gebracht wird, wie jedes andere Bundes- oder Nachbarland.

Was bleibt angesichts der Zahlen zu sagen? Vermutlich hauptsächlich, dass es sich lohnen wird, das Kino über eine Zeit zu retten, in der es nicht zuletzt massiv unter dem krisenbedingt zurückgehaltenen Programm leidet. Denn dass es genesen wird, dafür sprechen sogar Zahlen wie die eines Wochenendes, dass an vielen Orten weiterhin nicht für einen wirtschaftlichen Betrieb steht. Gefragt wären vor allem Zuschüsse zu laufenden Betriebskosten wie sie die Billigkeitshilfen des Bundes vorsehen. Dass Schleswig-Holstein hier quasi flankierend agieren will (wir berichteten), ist sicherlich eine gute Nachricht.