Kino

"Es wird hart"

Als Reaktion auf die jüngsten Terminverschiebungen hat der US-Kinoverband NATO ein Szenario skizziert, in dem bereits wiedereröffnete Kinos wegen sich anhäufender Verluste wieder vor der Schließung stehen könnten. Zwar sehe man am Jahresende noch einem "recht guten" Programm entgegen, aber die Zeit bis dorthin zu überbrücken sei "hart".

24.09.2020 11:11 • von Marc Mensch
Vor dem Hintergrund der anhaltenden Schließung der wichtigsten US-Märkte hat Disney unter anderem "Black Widow" erneut verschoben (Bild: Walt Disney)

Kurz vor seinem Beginn ist das vierte Quartal dieses Katastrophenjahres noch einmal um ein paar hochkarätige Neustarts ärmer geworden (wir berichteten). Dass die jüngsten Verschiebungen nicht unerwartet kamen, ist da kein Trost - zumal man in Ländern wie Deutschland nur ohnmächtig dabei zusehen kann, wie die Situation in den USA weltweiten Märkten nach wie vor Perspektiven raubt. Die während des Sommers von Analysten skizzierte Möglichkeit, Studios könnten die Flut an Terminverschiebungen irgendwann dadurch stoppen (müssen), dass Filme international (sowie in den wiedereröffneten US-Kinos) ausgewertet würden und man ansonsten zu anderen Lösungen finden könnte, hat sich bislang jedenfalls nicht nennenswert durchgesetzt.

Tatsächlich hat Regal-Eigentümer Cineworld anlässlich der Vorstellung seiner (selbstverständlich miserablen) Halbjahreszahlen erneut betont, dass man den Einsatz von Filmen weiterhin von der Einhaltung eines Kinofensters abhängig mache, die Haltung habe keine Änderung durch die Krise erfahren. In diesem Zusammenhang wird es interessant sein zu sehen, wie die US-Kinos mit After Truth" umgehen, der dort unter dem Titel After We Collided" am 23. Oktober zeitgleich zum PVoD-Release (und mit einem R-Rating) gestartet werden soll. In Kanada hat der Film - wie zuvor schon unter anderem in Deutschland - für sehr erfreuliche Zahlen gesorgt. In den kumulierten nordamerikanischen Charts stand er auch in seiner zweiten Woche für den drittbesten Kopienschnitt der Top Ten, in die er es mit nur rund einem Zehntel der Einsätze von Tenet" schaffte.

Der US-Kinoverband NATO befürchtet in dieser Situation neuerliche Kinoschließungen - und lässt keinen Zweifel daran, dass es für die Branche herausfordernd werde, sich in ein Marktumfeld zu retten, in dem wieder ein wirtschaftlicher Betrieb möglich sei. Die Website /film zitiert einen Sprecher des US-Kinoverbands NATO wie folgt:

"Wir brauchen große Filme... Wir hatten gehofft, dass Disney standhaft bleibt, aber Studios müssen ihre Entscheidungen nun einmal auf Basis ihrer Marketingpläne und -ausgaben treffen. Solange sie nicht sicher sein können, dass die Kinos offen sein werden, wird verschoben werden. Wir sind erfreut darüber, dass die Filme den Termin wechseln und nicht auf Disney+ gehen. Das ist schon ein wichtiges Statement. Aber bis wir eine gewisse Sicherheit erlangen, werden wir womöglich sehen, dass Kinos ihre Türen wieder schließen - denn es ist wirklich sehr schwierig, den Betrieb aufrechtzuerhalten, wenn keine neuen Filme kommen. Man verliert Geld, wenn man geschlossen ist, aber am Ende könnten die Verluste noch größer sein, wenn man offen ist und das Publikum ausbleibt. Wenn nicht bald etwas geschieht, werden wir also wahrscheinlich neue Schließungen erleben, bis die großen Märkte (New York und Los Angeles) offen und die Studios bereit sind, ihre Filme zu starten. Wir haben zwar immer noch Ende November und Dezember, in denen wir nach wie vor eine recht gute Auswahl an Titeln haben, aber es wird hart, dort hinzugelangen."