Kino

Kino-Comeback: Durchhalten...

Herrliches Spätsommerwetter, keine zugkräftigen Neustarts: Unter diesen Vorzeichen ist der deutsche Kinomarkt wieder unter eine entscheidende Benchmark gerutscht. Noch härter traf es Österreich.

21.09.2020 14:04 • von Marc Mensch
Konnte die Massen zum Start leider nicht für sich begeistern: Maggie Perens charmanter "Hello Again". (Bild: Warner)

Was das Kino in Deutschland und etlichen anderen Märkten mit zugkräftigen Neustarts schon wieder zu leisten imstande ist, ließ sich vor allem Ende August beobachten. Was passiert, wenn der Nachschub stockt, sehen wir jetzt. Waren es jüngst wenigstens noch Zahlen, wie man sie vielleicht mit einer Fußball-WM assoziieren würde, haben das anhaltend sonnige Spätsommerwetter und das Fehlen zugkräftiger Neustarts die Zahlen in den deutschen Kinos wieder unter den unteren Gradmesser für Erholung in Corona-Zeiten gedrückt: das "schlechteste" Referenzwochenende der vergangenen fünf Jahre vor Corona. Zwar ist das Minus recht überschaubar, so blieben die wiedereröffneten Kinos (978 zählt ComScore in der Montagsbilanz, die Zahl wird in der Folgewoche wieder nach oben korrigiert werden) "nur" um drei Prozent nach Umsatz und sechs Prozent nach Besuchern unter der Benchmark. Allerdings sprechen wir natürlich von einer Bechmark, die vieles bezeichnen mag, aber keinen wirtschaftlichen Betrieb. Noch härter traf es übrigens Österreich, wo die wiedereröffneten Kinos die unterste Hürde jüngst um 18 Prozent (Umsatz) bzw. 23 Prozent (Besucher) rissen

Nun könnte man vielleicht argumentieren, dass die Menschen angesichts teils deutlich steigender Fallzahlen Freizeitaktivitäten wie dem Kino wieder mit mehr genereller Skepsis begegnen, aber zumindest die Drop-Offs der Platzhirschen bewegen sich in einem Bereich, wie er auch unter regulären Bedingungen nicht ungewöhnlich wäre. Dennoch wären positive Botschaften aus der Politik enorm hilfreich, wenn es darum geht, die Sicherheit eines Kinobesuchs zu vermitteln.

Nun, gemäß der vorläufigen ComScore-Bilanz ging es am vergangenen Wochenende gegenüber der ohnehin schon schwachen Vorwoche beim Umsatz um 30,4 und bei den Besuchern um 28,1 Prozent nach unten, das Boxoffice belief sich bei 373.175 verkauften Tickets nur auf wenig mehr als 3,3 Mio. Euro. Trotz derart gruseliger Zahlen blieb der Umsatzrückstand auf das Vorjahr wenigstens stabil, wobei man dies bei einem Wert von 60,1 Prozent nicht unter "gute Nachrichten" verbuchen möchte.

Anzumerken ist, dass der immer noch vergleichsweise hohe Anteil an Kinos, die geschlossen bleiben oder nur an bestimmten Tagen öffnen (und damit in der Montagsauswertung teils nicht erfasst sind) sich durchaus auf die Gesamtzahlen auswirkt. Allerdings nicht in einem Maße, das aus einer schlechten eine akzeptable Bilanz machen könnte. Am vergleichsweise besten schlug sich am vergangenen Wochenende jedenfalls der Verleihbezirk Düsseldorf, wo 102 Prozent der Besucher des schlechtesten Vergleichswochenendes erzielt wurden, hier lag der Anteil der erfassten wiedereröffneten Kinos laut ComScore auch am höchsten (bei 73 Prozent). Bei der durchschnittlichen "Erfolgs"quote folgt allerdings Hamburg direkt auf dem Fuß, wo nur 64 Prozent der Kinos als wiedereröffnet geführt werden, der mit Abstand niedrigste Wert für die fünf Verleihbezirke. Interessanterweise war es allerdings nicht der Stadtstaat selbst, wo es (auf niedrigem Niveau) mit am besten lief, sondern die umgebenden Regionen. Denn bei der Aufschlüsselung nach Bundesländern sieht man, dass Hamburg selbst mit gerade einmal 87 Prozent der unteren Benchmark das Schlusslicht bildet - gemeinsam mit Hessen.