Kino

Zur Zukunft der Zukunftsprogramme

Für Kulturstaatsministerin Monika Grütters war ihr Auftritt bei der Filmkunstmesse natürlich vor allem Gelegenheiten, die bislang von ihr ergriffenen Maßnahmen zu rekapitulieren. Substanziell Neues gab es dabei nicht zu verkünden, auch wenn sich der Umgang mit den Billigkeitshilfen minimal konkretisierte. Unterdessen stärkte Grütters der Branche bei einem ganz zentralen Anliegen erneut den Rücken.

17.09.2020 14:11 • von Marc Mensch
Kulturstaatsministerin Monika Grütters hat in der Krise bereits viel für die Kinos getan - die große Frage ist, ob es ausreicht. (Bild: Rainer Justen)

Die 20. Filmkunstmesse Leipzig war alles andere als gewöhnlich - und damit bis zu einem gewissen Grad Spiegel der ersten Veranstaltungen im Jahr 2001, wie es in diesen Tagen mehrfach betont wurde. Denn auch wenn sich die Ereignisse in keiner Weise vergleichen lassen, hatte sich doch auch vor 19 Jahren, wenige Tage vor Eröffnung der ersten Filmkunstmesse, die Frage gestellt, ob man denn nun tatsächlich feiernd zusammenkomme könne. Damals, nach den Anschlägen vom 11. September, lautete die Antwort richtigerweise "Ja" - und eigentlich fiel es in diesem Jahr (abgesehen von Fragen der grundsätzlichen Machbarkeit) deutlich leichter, zu dieser Einschätzung zu kommen - denn die persönliche Begegnung ist nicht nur einer der Faktoren, die den Kinobesuch vom Coucherlebnis abheben, sondern natürlich auch ein umso stärkeres Grundbedürfnis der Branche in Zeiten massiver Unsicherheit. So lässt sich nicht nur konstatieren, dass der Zuspruch zur Messe unter den gegebenen Bedingungen hervorragend war, auch wenn etliche Teilnehmer einen kürzeren Aufenthalt als gewöhnlich wählten. Sondern auch, dass die Gesprächsatmosphäre am Rande der Messe ausgesprochen positiv war - auch wenn der Austausch nicht unbedingt geeignet war, Sorgen über das Wohl und Wehe der Kino- und Verleihbranche zu schmälern. Eher im Gegenteil. Wie dem auch sei: Man kann Christian Bräuer nur zustimmen, dass es gerade 2020 galt, Flagge zu zeigen.

Dass dies möglich gewesen sei, habe man auch den starken Partnern zu verdanken - zu denen nicht zuletzt Kulturstaatsministerin Monika Grütters zählt, die, so Bräuer, "von Beginn der Krise an an unserer Seite stand." Dankbarkeit vermittelte indes nicht nur der Vorstandsvorsitzende der AG Kino-Gilde, generell wurde Grütters - die persönlich nach Leipzig gekommen war - von den anwesenden Programmkinovertretern schon beim Betreten des Saales mit anhaltendem Applaus begrüßt.

Die mit Spannung erwartete Keynote der Ministerin war dann auch das erwartete Bekenntnis zum Kulturort Kino und seiner Unterstützung, ging allerdings auch nur wenig über die Rekapitulation der Maßnahmen zur Stützung vor allem der Programmkinos und der Häuser in der Fläche hinaus. Interessant, wenn auch nicht wirklich substanziell neu, war dabei die Information, dass das mit 22 Mio. Euro ausgestattete Zukunftsprogramm Kino I extrem gut nachgefragt werde und eine Fortsetzung in 2021 geplant sei. Ähnliche Informationen zum sogar mit 40 Mio. Euro ausgestatteten Zukunftsprogramm II gab es nicht - und am Rande der Messe war zu hören, dass der Katalog der förderbaren Maßnahmen doch nicht annähernd so breit ausgelegt werde, wie man dies erhofft hatte. Insbesondere die von Grütters beispielhaft genannten und im Rahmen des Programms förderbaren Maßnahmen scheinen jedenfalls nur bedingt geeignet, die aktuelle Not der Kinos substantiell zu lindern. Unterdessen steht - voraussichtlich noch im Oktober - ein Instrument an, dass deutlich treffsicherer wirken sollte: ein "Zukunftsprogramm III". Hinter diesem Titel verbergen sich die bereits angekündigten bis zu 30 Mio. Euro an Billigkeitshilfen, die als Zuschüsse zu laufenden Betriebskosten ausgereicht werden sollen - und das nicht als Förderung pro Unternehmen, sondern pro Standort. Wichtiges Anliegen sei es zudem, diese Unterstützung komplementär zur Förderung der Länder laufen zu lassen.

Ein wichtiger Punkt, bei dem Deutschland nicht zuletzt Seite an Seite mit der Kinonation Frankreich kämpft, ist das Bemühen, unter anderem das Kino unter den Schirm des geplanten Wiederaufbauprogramms "Next Generation EU" zu bekommen; hierzu laufen intensive Verhandlungen ebenso wie zum Budget für Creative Europe und sein Unterprogramm MEDIA in der neuen Sieben-Jahres-Periode ab 2021.

Schon zu Beginn ihre Rede hatte sich die Kulturstaatsministerin noch einmal ausdrücklich hinter das Anliegen gestellt, zu maßvolleren Auflagen für den Kinobetrieb zu gelangen, erheblich differenzierter darüber nachzudenken, was man tun könne und müsse. Mit "Standardlösungen" (vor allem den in den allermeisten Bundesländern noch sehr restriktiven) werde man nicht weiterkommen. "Deutschlandweite Starts müssen sich auch für die Verleiher lohnen", adressierte Grütters in diesem Zusammenhang ein weiteres Kernproblem. Sie selbst setzt sich weiter für Lösungen ein (die leider in der Verantwortung der Länder liegen), machte aber auch deutlich, wie schwierig dies sei. Es sei bereits nicht einfach, sich mit 16 Kulturministern abzustimmen - und im Fall der Kinos käme hinzu, dass diese teils in ganz anderen Ressorts angesiedelt seien. "Das ist nicht banal", so Grütters. Man kann es sich vorstellen...