Kino

"Grundlage für Wiederbelebung schaffen"

Mit einer "Leipziger Erklärung" drängt die Kinobranche erneut nachdrücklich auf bundesweite maßvolle Neuregelungen beim Mindestabstand, wie sie bereits in einzelnen Bundesländern sowie etlichen Nachbarländern umgesetzt wurden.

17.09.2020 12:25 • von Marc Mensch
Kulturstaatsministerin Monika Grütters (hier mit Christian Bräuer bei ihrem Besuch in Leipzig) hat sich schon frühzeitig auch öffentlich hinter die Forderung nach maßvollen Abstandsregelungen im Kino gestellt - zuständig sind aber leider die Länder (Bild: Rainer Justen)

Die meisten Kinos haben wieder offen - aber wie viele von ihnen vergrößern ihre Verluste von Tag zu Tag nicht nur (teils erheblich) weiter? Eine Frage, die auf der Filmkunstmesse Leipzig leidenschaftlich diskutiert wurde - auf Panels wie auch bei abendlichen Treffen. Gründe für die anhaltende Misere gibt es mehrere, zentral sind aber natürlich das mangelnde Filmangebot (was sich mittlerweile weniger auf die Quantität, als vielmehr auf die Publikumswirksamkeit bezieht) und die massiven Kapazitätsbeschränkungen.

Hier zu Regelungen zu kommen, die vielleicht per se noch keinen wirtschaftlichen Betrieb gewährleisten mögen, die aber zumindest ein enorm wichtiger Beitrag wären, um die anhaltende Verschlimmerung der Situation auszubremsen, war eine Forderung, die auf dieser Filmkunstmesse bei wirklich jeder sich bietenden Gelegenheit erhoben wurde. Und das nur am Rande: Wie wenig die strikt auferlegten und ebenso strikt eingehaltenen Maßnahmen der Kinos mit der Realität außerhalb des Kinosaals zu tun haben, ließ sich auf einen Blick für jeden erkennen, der Abends nur kurz durch Leipziger Gassen schlenderte...

Anlässlich der 20. Filmkunstmesse hat die Kinobranche ihr dringendes Anliegen noch einmal explizit in einer Leipziger Erklärung formuliert, in der es auszugsweise heißt:

"Wir appellieren an die Politik, die Abstandsregeln bundesweit auf einen Sitzplatz zwischen Besuchergruppen zu reduzieren, ohne Maskenpflicht am Platz während des Films.

Wir bitten die Verantwortlichen in der Politik, mit den Abstandsregeln die Grundlage für die Wiederbelebung des Kinomarkts in Deutschland mit seinen über 1.400 mittelständischen Betrieben zu schaffen. Andernfalls wird die Filmwirtschaft insgesamt großen Schaden nehmen. Die mittelständischen deutschen und europäischen Produzent*innen und Verleiher*innen werden von Algorythmus-getriebenen Großproduktionen verdrängt und die kulturelle Vielfalt bleibt auf der Strecke.

Die Bundesländer Sachsen und Nordrhein-Westfalen haben eine solche Regelung umgesetzt. Auch in vielen unserer Nachbarländer gelten diese Abstandsregelungen. Ebenso verliefen die Festspiele in Salzburg nach unserer Kenntnis ohne Zwischenfälle. Es ist kein einziger Fall weltweit bekannt, in dem sich jemand im Kino infiziert hätte."

"Es muss allen Beteiligten klar sein, dass auch mit einer Auslastung um 50% noch kein wirtschaftlicher Kinobetrieb möglich ist", so der Vorsitzende der AG Kino-Gilde, Christian Bräuer. "Deshalb brauchen wir flankierend Förderprogramme, die den Kulturort Kino nachhaltig sichern.

Die "Leipziger Erklärung" im Wortlaut