Kino

KOMMENTAR: Warten auf Gadot

Die Kinos brauchen neuen Stoff. Denn während in den USA erste Versuche, das Kino in Zeiten von Corona wieder zum Laufen zu bringen, wohl getrost als gescheitert bezeichnet werden können (nur 6,7 Mio. Dollar Umsatz für "Tenet" am zweiten Wochenende - Ernsthaft? WTF???), läuft das Geschäft in Deutschland (oder auch im übrigen Europa und in Südostasien) zwar nicht sensationell und schon gar nicht auf dem Niveau, wie man es vor Beginn der Pandemie gewohnt war, aber es läuft.

17.09.2020 08:05 • von Jochen Müller
Thomas Schultze, Chefredakteur (Bild: Blickpunkt:Film)

Die Kinos brauchen neuen Stoff. Denn während in den USA erste Versuche, das Kino in Zeiten von Corona wieder zum Laufen zu bringen, wohl getrost als gescheitert bezeichnet werden können (nur 6,7 Mio. Dollar Umsatz für Tenet" am zweiten Wochenende - Ernsthaft? WTF???), läuft das Geschäft in Deutschland (oder auch im übrigen Europa und in Südostasien) zwar nicht sensationell und schon gar nicht auf dem Niveau, wie man es vor Beginn der Pandemie gewohnt war, aber es läuft: Die Menschen gehen wieder ins Kino. Die Zahlen von "Tenet" und After Truth" machen Mut, und auch wie sich Meine Freundin Conni", der erste große Neustart nach Ende des Lockdowns, zu einem veritablen Hit mit mittlerweile knapp 300.000 Besuchern entwickelt hat und sich gerade erst am elften Wochenende aus den Top Ten verabschiedet hat, ist aller Ehren wert.

Und genau deshalb brauchen die Kinos Nachschub: Man muss das Momentum nutzen und gerade jetzt dem Publikum zeigen, dass sich tolle Filme exklusiv auf der Leinwand entdecken lassen. Dazu müssen die Studios aber aus ihrer Schockstarre erwachen: Den Vogel Strauß zu spielen und auf attraktivem Produkt sitzen zu bleiben, bis das Kino wieder richtig in die USA zurückkehrt, ist fatal. Man verliert Märkte, in denen die Menschen das Kino bereits wieder als vitale Freizeitbeschäftigung in ihr Leben aufgenommen haben.

Disney muss aktuell mit "Mulan" erleben, dass die Taktik, sein Produkt lieber auf der hauseigenen Streamingplattform auszuwerten anstatt den Sprung ins Kino zu wagen, nicht unbedingt zum gewünschten Ziel führt - zumal dem Film in China ein eisiger Wind entgegenweht. Gleichwohl muss man nicht jedem Film eine Träne hinterherweinen, der nicht vollumfänglich in die Kinoauswertung geschickt wird: Glaubt irgendjemand ernsthaft, der neue "Bill & Ted"-Film spräche über eine eiserne Hardcore-Fanbasis ein größeres Publikum an?

Teil eins lockte 1989 knapp 120.000 Besucher an, die Fortsetzung wurde dann schon nur noch als Videopremiere ausgewertet. Also: Kirche im Dorf lassen. Und sicher, Warner Bros hat mit Wonder Woman 1984" einen großen Titel von Oktober auf Dezember geschoben. Aber auch hier: Teil eins riss in Deutschland mit 700.000 Besuchern nicht gerade Bäume aus. Der Film wird in die Kinos kommen.

Und vor allem haben die Hamburger anstelle des DC-Comics-Tentpoles mit Jim Knopf und die Wilde 13" einen aussichtsreicheren Titel platziert: Hier kam der erste Teil nämlich auf zwei Mio. Zuschauer - und wie gut und vor allem lange sich Family-Entertainment aktuell schlägt, sieht man ja an Meine Freundin Conni.

Das Warten auf (Gal) Gadot könnte kaum süßer sein. Zumal ein paar Wochen davor mit dem neuen Bond der erste richtige Leistungstest für die Kinos nach Corona kommt. Angesichts des neuen Trailersmuss man sich keine Sorgen machen.

Thomas Schultze, Chefredakteur