Kino

"Ohne Hilfen geht es nicht"

Überraschungen gab es bei der diesjährigen Ehrung der besten Kinoprogrammarbeit in Mitteldeutschland natürlich nicht, waren die Preisträger doch schon im Juni gekürt worden. Ein freudiger Anlass war sie aber allemal - trotz klarer Mahnungen.

16.09.2020 04:11 • von Marc Mensch
Markus Görsch mit dem Juryvorsitzenden und den Hauptpreisträger*innen (Bild: BF)

Im Prinzip hatte sie primär symbolischen Charakter: die diesjährige Vergabezeremonie für die diesjährigen Kinoprogrammpreise Mitteldeutschland. Denn die Preisträger waren bekanntermaßen schon im Juni gekürt und die Prämien entsprechend frühzeitig ausgezahlt worden, um zeitnah Hilfe in der Corona-Krise zu leisten. So war bereits Anfang Mai bekanntgegeben worden, dass jeder Betreiber aus Mitteldeutschland eine Prämie erhalten würde, der sich beworben hatte - und dass der Topf einmalig verdreifacht würde, auf 300.000 Euro. Diese wurden dann im Juni insgesamt 29 gewerblich betriebenen Kinos sowie neun alternativen/nichtgewerblichen Abspielstätten in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zuerkannt, die Auszahlung der Gelder erfolgte kurz nach Bekanntgabe der Preisträger.

Geehrt werden konnten diese aber nun auch persönlich, denn wenigstens die Übergabe der Urkunden wurde zur 20. Filmkunstmesse Leipzig im (beinahe) gewohnten Rahmen zelebriert. Natürlich nur im kleinen Rahmen und mit Open-Air-Get-Together, aber doch ganz im Geiste dieses Familientreffens der Arthouse-Branche - und als ein weiteres kleines Stück "Normalität" in diesen verrückten Zeiten.

MDM-Geschäftsführer Claas Danielsen konnte dabei nur seine besten (Glück)Wünsche schicken, war er doch krankheitsbedingt verhindert. An seine Stelle trat Markus Görsch, Leiter des Förderbereichs Produktion, der einen doch recht nüchternen Blick auf die aktuelle Situation warf - dies nicht zuletzt unter dem Eindruck einer vorangegangenen Podiumsdiskussion, bei der der Ernst der Lage noch einmal mit Nachdruck betont worden war. So bedauerte Görsch nicht nur, dass es nicht gelungen sei, einen einheitlichen Wiedereröffnungstermin für die deutschen Kinos zu finden, sondern vor allem, dass die Auflagen für Kinos in den einzelnen Bundesländern so stark voneinander abwichen. Zumindest Sachsen habe hier aber einen doch "recht guten" Weg gefunden.

Interessant war der Exkurs zu den Erfahrungen in der Corona-Zeit allemal - so erklärte Görsch, dass Streamer zwar zweifelsohne von der Krise profitiert hätten, dass eine PVoD-Auswertung für Filme wie Die Känguru-Chroniken" aber auch nicht "arg viel" gebracht habe. Auf der anderen Seite stellte er fest, dass man durchaus die Lehre ziehen könne, dass nicht alles, was DFFF-bedingt mit einer Kinoherausbringungspflicht verbunden sei, auch unbedingt ins Kino müsse - wie es so manche Filme, die direkt ins Streaming wanderten (konkret nannte er "Berlin, Berlin") gezeigt hätten.

Unter dem Strich wollte Görsch den Kinos natürlich Mut machen - und er tat dies vor allem mit Verweis auf die Zahlen aus 2019, als sich das Kino aus einer unmittelbar vorangegangenen Talphase herausgearbeitet hatte. Dass "Into the Beat" mit einem Release in Corona-Zeiten zum bislang erfolgreichsten Titel der Initiative "Der besondere Kinderfilm" avancierte, kann man durchaus als Erfolgsmeldung stehen lassen, wobei die Tatsache, dass er dies mit gut 60.000 Zuschauern schaffte, vielleicht nicht das allerbeste Licht auf die bisherigen Resultate der Initiative wirft...

Wie dem auch sei - Hauptpreise gab es auch trotz der Corona-bedingten Regeländerungen. So sicherte sich das das Luchskino am Zoo in Halle (Saale) den Hauptpreis für das beste Jahresfilmprogramm 2019, verbunden mit einer Prämie in Höhe von 20.000 Euro. Ein Haus, in dem gelebt werde, dass, so die Jury, "wirkliches Kino" nicht erst mit dem Gong beginne. Die Stammkunden, so wurde es berichtet, sind im Luchskino jedenfalls schon wieder zurück. Woran es fehle seien die spontanen Besucher - und die anhaltende Versorgung mit publikumsträchtigen Filmen. Nur darauf warten wolle man aber nicht, sondern vielmehr eigene programmatische Ideen gerade jetzt weiter vorantreiben.

Unter den alternativen/nichtgewerblichen Abspielstätten bot das die Cinémathèque Leipzig in der "naTo" nach Auffassung der Expertenjury das beste Jahresfilmprogramm 2019 und sicherte sich damit eine Prämie in Höhe von 10.000 Euro.

Unter dem Strich blieb die Verleihung durchaus nicht ohne freudige Momente, nicht ohne positive Botschaften. Aber klar gemacht wurde auf der Bühne doch nachhaltig eines: Auf absehbare Zeit wird es nicht ohne (weitere) Hilfen gehen, teils "überwältigende" Unterstützung durch das Kinopublikum vor Ort hin oder her...

Eine Übersicht über sämtliche Preisträger finden Sie hier.