Kino

Maggie Peren: "In Zeitschleifen-Filmen geht es um das Loslassen"

Maggie Perens Komödie "Hello Again - Ein Tag für immer", die am heutigen Donnerstag im Kino startet, scheint mit ihrer Zeitschleifenstruktur der perfekte Kinofilm nach dem Corona-Lockdown zu sein. Er entspricht Peren, die sich im Mainstream wie im Arthouse wohl fühlt.

17.09.2020 08:24 • von Michael Müller
Regisseurin und Drehbuchautorin Maggie Peren (3.v.l.) mit ihrer "Hello Again"-Crew (Bild: Hagan)

Maggie Perens Komödie "Hello Again - Ein Tag für immer", die am heutigen Donnerstag im Kino startet, scheint mit ihrer Zeitschleifenstruktur der perfekte Kinofilm nach dem Corona-Lockdown zu sein. Er entspricht Peren, die sich im Mainstream wie im Arthouse wohl fühlt.

Was sind eigentlich Ihre allerliebsten RomComs?

MAGGIE PEREN: "500 Days of Summer", "Eternal Sunshine of the Spotless Mind", was sogar einer meiner fünf Lieblingsfilme ist, "Notting Hill" und "Vier Hochzeiten und ein Todesfall".

Da waren jetzt nicht "Und täglich grüsst das Murmeltier" und "Die Hochzeit meines besten Freundes" dabei, an die ich ein bisschen denken musste, als ich Ihre neue RomCom sah.

MAGGIE PEREN: Stimmt. Gut, ich muss sagen, dass ich "Und täglich grüsst das Murmeltier" wirklich sehr mag, aber ich habe den nicht so richtig als RomCom abgespeichert, sondern als Selbstoptimierungsfilm - im positiven Sinne.

Was macht für Sie eine richtig gute RomCom aus, was für Zutaten braucht es?

MAGGIE PEREN: Das Wort besteht aus 'Romantic' und 'Comedy'. Jetzt gibt es ganz viele verschiedene Komödienstile. Es gibt diese eher Sitcom-ähnlichen Stile, die in Deutschland sehr erfolgreich sind. Es gibt aber auch Komödien, die etwas mehr zurückgelehnt sind wie "Eternal Sunshine of the Spotless Mind" oder "500 Days of Summer". Über die Stile bei Komödien kann man streiten. Aber bei einer RomCom möchte ich gerne das Paar mögen, das im Zentrum der Geschichte steht. Das ist für mich wirklich wichtig. Bei "Notting Hill" sind dieser schrullige Buchverkäufer und der Highend-Superstar eine sehr spannende Paarung, genauso wie das der Engländer und die Amerikanerin bei "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" es sind. Genauso wie es bei "500 Days of Summer" ihn gibt, der so unfassbar romantisch ist und sie, die so überhaupt nicht an die Liebe glaubt. Die Paarung muss spannend sein, ansonsten langweile ich mich bei einer RomCom sehr schnell.

Bei Ihrer RomCom "Hello Again - Ein Tag für immer" stehen sich die potenziellen Liebenden sehr nahe, was die gemeinsame Kindheit oder aber auch die räumliche Nähe angeht.

MAGGIE PEREN: Alicia von Rittbergs Rolle Zazie und der Freund, der heiratet - das ist quasi ihre Kindergarten-Liebe. Aber das romantische Paar im Film ist der Mensch, den sie übersehen würde, wenn sie nicht im Tag festhängen würde; der die dicke Brille hat und Narkoleptiker ist, wo man denken würde, dass Edin Hasanovic in dieser Rolle kein klassisches Love Interest ist. Ich finde das auch irre, dass das Warner Bros erlaubt hat. Dafür bin ich ihnen auch zutiefst dankbar. Aber dass man sich in diesen völlig untypischen Love Interest verlieben darf und plötzlich feststellt, nachdem man so viele Tage mit ihm verbracht hat, was das für ein wunderbarer Mensch ist - Das finde ich echt einen Segen, dass ich das für einen Major erzählen durfte.

Ich habe Edin Hasanovic auch noch nie in einer so "weichen" Rolle gesehen, weil er durch die Narkolepsie auch so abhängig von anderen Menschen ist. Dann ist seine Figur auch sehr passiv, der Freund, der immer da ist.

MAGGIE PEREN: Was sehr untypisch für Edin ist, ist auf jeden Fall dieses stille Beobachten. Das ist bei ihm ganz neu. Aber was sehr typisch für ihn ist, ist seine große Körperlichkeit. Edin ist ein Bewegungswunder. Er kann unfassbar gut tanzen. Und diese Narkolepsie, bei der man zusammenklappt, ist ziemlich schwierig herzustellen. Das sieht so mühelos aus, wenn Edin das macht.

Wie häufig haben Sie die Tortenszene gedreht?

MAGGIE PEREN: Einmal. Edin ist ein One-Taker und ein unglaubliches Bewegungstalent. Ich bin schon ein Edin-Fan seit der Serie "KDD - Kriminaldauerdienst".

Haben Sie sich vor der Drehbucharbeit nochmal berühmte Zeitschleifen-Filme zur Einstimmung angeschaut?

MAGGIE PEREN: "Und täglich grüsst das Murmeltier" muss ich mir nicht ankucken, weil ich den ganz toll finde und auch einen Hang zum Buddhismus habe, den Film also aus vielerlei Hinsicht sehr liebe. Aber ich habe mir auch den Zeitschleifen-Film "Happy Death Day" angekuckt, wo ein paar Dinge wirklich toll sind und den ich aus Filmemacher-Aspekten spannend fand. Beim Zeitschleifen-"Tatort" habe ich zum Beispiel gedacht: Oh, so ist das also, wenn die Kameraeinstellungen gleich bleiben. Das macht mit mir dies und jenes als Zuschauerin. Will ich das? Ja oder Nein?

Befreit das die Ideen, wenn man beim Drehbuchschreiben durch die Zeitschleife eine so feste Struktur hat?

MAGGIE PEREN: Ich werde nie wieder einen Film machen, wo der Tag sich wiederholt. Ich fand es wahnsinnig anstrengend, dass der Film unterhaltsam wird. Ich bin auch sehr glücklich über Stefanie Ackermann, die eine super Dramaturgin ist. Dann hatte ich noch einen sehr guten Drehbuchcoach und die Sommerhaus Filmproduktion mit Sophie Cocco. Mir wurde viel geholfen. Ich fand, das war eines der kompliziertesten Drehbücher, das ich bislang geschrieben habe, weil man schnell das Gefühl hat: Jetzt habe ich das Ganze schon ein paar Mal gesehen.

In der zweiten Hälfte gehen Sie auch aus dem starren Korsett des sich wiederholenden Hochzeitstags heraus, was das Ganze noch deutlich spannender macht.

MAGGIE PEREN: Ab der Mitte wird es dann eine Liebesgeschichte. Witzigerweise haben mein Cutter Robert Hauser und ich auch erst von der Mitte zum Ende der Handlung geschnitten. Wir haben erst sechs Wochen nach dem Dreh angefangen und hatten einen großen Respekt vor den ständigen Hochzeitsszenen, dass wir uns sagten: Wir fangen erst einmal mit der Mitte an. So haben wir die Figuren sehr gut kennengelernt und gespürt. Dann haben wir uns in die erste Hälfte gewagt. Mein Kameramann Marc Achenbach hat tatsächlich beim Auflösen die ganze Hochzeit und alle Aufwachszenen als Storyboard gezeichnet, weil sich die Einstellungen nicht wiederholen durften und wir auch nicht die Zeit hatten, das Licht immer wieder hin und her zu schieben. Unsere Hauptdarstellerin Alicia musste Tag eins, Tag zwei hintereinander wegspielen, was sie unfassbar gut gemacht hat und viel Disziplin erfordert.

Die Zeitschleife funktioniert im Film meistens so, als ob das Schicksal den Protagonisten oder die Protagonistin auf einen Missstand in ihren Leben aufmerksam machen will.

MAGGIE PEREN: Es geht in fast allen Zeitschleifen-Filmen um das Loslassen. Es gibt immer den Weg von außen ins Innere. Klar, wir sind jeden Tag mit dem neuen Tag beschäftigt. Aber wenn sich dieser eine Tag unendlich wiederholt, kann man sich irgendwann damit beschäftigen. Das war jetzt bei Corona auch so. Man kann nicht mehr irgendwo hinrennen. Deswegen bin ich auch glücklich, dass der Film jetzt erst nach dem Lockdown in die Kinos kommt. Ich glaube, dass man ihn jetzt viel mehr versteht.

Waren Sie eigentlich seit dem Lockdown schon selbst im Kino?

MAGGIE PEREN: Ich war nur im Kino, wenn ich meinen eigenen Film gemischt habe. Durch den Lockdown konnten wir die Mischung nicht beenden. Dann bin ich in der ersten Woche, als alles wieder auf war, ganz allein über die Autobahn nach Tübingen zur Mischung gefahren. Das war komisch auf der A8, die ansonsten immer so voll ist. Aber ich habe seitdem keinen Film mehr im Kino gesehen. Jetzt, wo die Kinos wieder offen sind, hat mein Sohn Sommerferien und mein Mann, der auch Regisseur ist, dreht. Da konnte ich abends nicht ins Kino gehen. Aber die Sehnsucht nach Kino ist riesig.

Wie war die Zusammenarbeit mit Sommerhaus?

MAGGIE PEREN: Ich hatte Sophie Cocco als Producerin, sie, Jochen Laube und Fabian Maubach sind ein Traum. Aber auch mein Produktionsleiter Peter Hermann. Sophie und er waren jeden Morgen um sieben am Set und haben mich gefragt, wie es geht, ob ich etwas brauche. Mit Warner habe ich es auch sehr angenehm gefunden. Dass Alicias Figur Zazie zum Beispiel auch zwischendrin die quietschblauen Haare hat und obwohl viel Farbe drin ist, es trotzdem nicht quietschig geworden ist. Ich habe mich sehr gesehen gefühlt.

Wo sehen Sie sich aktuell in Ihrer Karriere?

MAGGIE PEREN: Ich glaube, ich bin genau da, wo ich angefangen habe. Ich habe mit dem Drehbuch zu "Vergiss Amerika" angefangen, was ein echter Arthouse-Film ist. Dann habe ich "Mädchen, Mädchen" gemacht, was wirklich kommerziell ist. Und ich liebe beides. Für Menschen ist das teilweise schwierig, jemanden zu haben, der beides so mag. Es wäre einfacher, wenn man mich in Schubladen stecken könnte. Ich habe es genossen, jetzt für die Warner einen Studiofilm zu machen. Der nächste Film, den wir Corona-bedingt auf den Januar verschoben haben, ist wieder Arthouse mit X-Filme. Ich liebe im Kino Jennifer Lawrence in "The Hunger Games". Ich liebe aber auch Jacques Audiard. Das ist vermutlich der Filmemacher, den ich am meisten verehre. Der erzählt so subjektiv und genau und trotzdem bleibt das nicht in Banalitäten hängen. Ich hoffe, dass ich auch weiter kommerzielle und Arthouse-Filme machen darf.

Mit dem auf Januar verschobenen Film meinen Sie "Der Passfälscher"?

MAGGIE PEREN: Genau. Louis Hofmann spielt die Hauptrolle, Jonathan Berlin und Luna Wedler spielen auch mit und wir drehen, wenn es keinen weiteren Lockdown mehr gibt im Januar und Februar.

Das Interview führte Michael Müller