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Goldener Löwe für "Nomadland"

Als bester Film der 77. Mostra in Venedig wurde "Nomadland" von Chloé Zhao mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet. Auch der deutsche Beitrag "Und morgen die ganze Welt" kann sich freuen: Hauptdarstellerin Mala Emde wurde von der unabhängigen Filmkritik als beste Newcomerin prämiert. Der Film von Julia von Heinz erhielt generell hervorragende Kritiken.

12.09.2020 20:12 • von Thomas Schultze
Bester Film in Venedig: "Nomadland" (Bild: Searchlight)

Die wichtigste Nachricht zuerst: Nach dem gegenwärtigen Stand der Dinge gab es keinen einzigen positiven Coronafall auf der 77. Mostra in Venedig, dem ersten großen A-Festival seit Beginn der Coronakrise, das wieder als physischer - und noch dazu ausschließlich physischer - Event stattfand. Das sind gute Zeichen und macht Mut für kommende Festivals: Es ist also möglich, bei entsprechendem Sicherheitskonzept ein erfolgreiches Kino-Großereignis abzuhalten, ohne dass die Gesundheit der Menschen gefährdet wird.

Die zweite wichtige Nachricht: Obwohl sich das US-Kino mit Ausnahme von zwei Titeln vornehm zurückhielt, erhielt Festivalchef Alberto Barbera auch in diesem Jahrgang wieder gute Noten für seine Auswahl, in der erstmals in der Geschichte von A-Festivals acht Arbeiten von Filmemacherinnen in einem Wettbewerb vertreten waren.

Aber zu den Preisen, die gerade auf dem Lido in Venedig im Palazzo del Cinema von der Jury um Cate Blanchett (zu der auch Christian Petzold gehörte) vergeben wurden. Der Goldene Löwe wurde Nomadland" von Chloé Zhao zugesprochen, die erstmals im Wettbewerb eines der großen Festivals vertreten war. Damit hat erstmals seit Sofia Coppola im Jahr 2010 (für Somewhere") wieder eine Regisseurin den Hauptpreis des ältesten Filmfestivals der Welt gewonnen. Davor waren Margarethe von Trotta (1981 für Die bleierne Zeit"), Agnès Varda (1985 für "Vogelfrei") und Mira Nair (2001 für Monsoon Wedding") die drei einzigen weiteren Filmemacherinnen, die Venedig gewinnen konnten.

Der Große Preis der Jury für den zweitbesten Titel im Wettbewerb ging an "Nuevo Orden" von Michel Franco. Als bester Regisseur wurde der Japaner Kiyoshi Kurosawa für "Wife of a Spy" ausgezeichnet.

Beste Hauptdarstellerin ist die Britin Vanessa Kirby, die in "Pieces of a Woman" von Kornél Mundruczó begeisterte. Sie hatte als Favoritin gegolten, zumal sie auch in dem Wettbewerbstitel "The World to Come" eine Hauptrolle gespielt hatte. Als bester Hauptdarsteller erhielt Pierfrancesco Favino die Coppa volpi für seine Leistung in "Padrenostro" von Claudia Noce. Damit ging der Darstellerpreis in Venedig zum zweiten Mal in Folge an einen italienischen Schauspieler.

Der indische Filmemacher Chaitanya Tamhane erhielt den Drehbuchpreis für seinen Film "The Disciple". Der Spezialpreis der Jury wurde "Dear Comrades" von Andrei Konchalovsky überreicht. Der Marcello Mastroianni Award für den besten Nachwuchsdarsteller ging an Rouhollah Zamani für den iranischen Beitrag "Sun Children" von Majid Majidi.

Auch der deutsche Beitrag Und morgen die ganze Welt" kann sich freuen: Hauptdarstellerin Mala Emde wurde von der unabhängigen Filmkritik als beste Newcomerin prämiert. Der Film von Julia von Heinz erhielt generell hervorragende Kritiken.

Über die Preise der Nebenreihe Orizzonti entschied eine Jury um Claire Denis. Bester Film der Reihe ist "The Wasteland" von Ahmad Bahrami. Der Regiepreis ging an den philippinischen Regisseur Lav Diaz für "Genus Pan". Mit dem Spezialpreis der Jury wurde "Listen" von der portugiesischen Filmemacherin Ana Rocha de Sousa prämiert, die auch für das beste Erstlingswerk ausgezeichnet wurde und in ihren beiden Reden förmlich außer sich war vor Freude. Khansa Batma erhielt den Preis als beste Hauptdarstellerin für "Zanka Contact" von Ismael El Iraki. Bester Hauptdarsteller ist Yahy Mahayni, der in "The Man Who Sold His Skin" von Kaouther Ben Hania zu sehen war. Für das beste Drehbuch wurde Pietro Castellitto für den Film "I Predatori" gewürdigt. Der Kurzfilmpreis ging an "Entre tu y milagros" von Mariana Saffon.