Kino

Felix Bruder: "Die Kinos sind sichere Orte"

Als Geschäftsführer der AG Kino-Gilde organisiert Felix Bruder die Filmkunstmesse Leipzig. Er spricht über die Vorbereitungsmaßnahmen, um dieses erste große Branchentreffen vor Ort in der Corona-Zeit möglich zu machen.

11.09.2020 07:56 • von Michael Müller
Der Geschäftsführer der AG Kino-Gilde: Felix Bruder (Bild: Filmkunstmesse Leipzig, AG KINO)

Als Geschäftsführer der AG Kino-Gilde organisiert Felix Bruder die Filmkunstmesse Leipzig vom 14. bis 18. September. Er spricht über die Vorbereitungsmaßnahmen, um dieses erste große Branchentreffen vor Ort in der Corona-Zeit möglich zu machen.

Sie sind mit der Filmkunstmesse in Leipzig das erste große Branchen-Event, das nach dem Corona-Lockdown wieder vor Ort stattfindet. Sind Sie sich dieser Verantwortung bewusst?

FELIX BRUDER: Dieser Verantwortung sind wir uns sehr bewusst. Ich kann an dieser Stelle auch nur an alle Besucher appellieren: Denn jeder von uns, der nach Leipzig kommt, hat eine Verantwortung für sich, für andere, aber auch für die gesamte Branche. Denn wir haben in dieser Woche über 100 Screenings und werden mit den sächsischen Auflagen circa 50 Prozent der Saalkapazitäten belegen können. Wir können mit der Filmkunstmesse alle gemeinsam beweisen, dass Kino ein sicherer Kulturort ist. Das sollte uns allen wichtig sein.

Es werden rund 600 Fachbesucher erwartet. Was hat die Filmkunstmesse im Vorfeld für deren Sicherheit getan?

FELIX BRUDER: Wir sind glücklich, dass wir die Filmkunstmesse in Sachsen veranstalten. Denn gemeinsam mit Nordrhein-Westfalen ist Sachsen das einzige Bundesland, das überhaupt eine vernünftige Auslastung der Kinosäle mit Augenmaß zulässt. Hier können die Menschen mit einem Platz Abstand ohne Maske in der Vorstellung sitzen. Das ist natürlich für unsere Veranstaltung sehr gut. Wir sind auch der Meinung, dass dieses Maß ebenso die richtige Lösung für ganz Deutschland wäre. Wir hoffen, dass wir zeigen können, dass das funktioniert. Wir haben einige Dinge getan, um auch alle Auflagen korrekt zu erfüllen. Das wichtigste ist sicherlich, dass wir zum ersten Mal für alle Screenings und Veranstaltungen ein Ticketing-System gemeinsam mit Kinomarkt Deutschland e.G. eingeführt haben. Das bedeutet: Jeder Fachbesucher holt sich für jede Veranstaltung, Screening, Seminar oder die Gilde-Preisverleihung, zu der er geht, vorher im Internet ein Ticket. Damit wissen wir zum einen, wie viele Leute pro Veranstaltung kommen. Zum anderen können wir die Nachverfolgung gewährleisten. Wir wissen immer, welcher Fachbesucher in welcher Veranstaltung war. Das ist sicherlich einer der wichtigsten Punkte.

Und darüber hinaus?

FELIX BRUDER: Ansonsten gibt es in jeder Veranstaltungs-Location, in den Kinos oder in der Handelsbörse ein eigenes Hygiene-Konzept. Das betrifft Wegleitsysteme, die maximale Besucherzahl, die Bestuhlung und das Catering. Da schränken wir uns ein und passen uns den Begebenheiten vor Ort an. Es gibt nicht das eine Hygiene-Konzept für die ganze Messe, sondern für jeden Ort eigene Regelungen. Das ist vielleicht auch die Stärke der Filmkunstmesse, warum wir das überhaupt wagen. Sie ist sehr dezentral organisiert. Wir haben die Passage-Kinos, die Schauburg und für die Branche auch das erste Mal das Cinestar dabei. Dafür haben wir uns bewusst entschieden, um die Kapazitäten in den Sälen hoch zu halten, damit die Fachbesucher auch jeden Film sehen können, den sie sehen wollen. Aufgrund dessen lässt sich das wahrscheinlich auch besser kanalisieren. Dazu gibt es entsprechende Informationen auf der Homepage, damit die Menschen auch immer wieder an die allgemeinen Hygiene-Regeln denken: Abstand, Handhygiene sowie Mund- und Nasenschutz.

Sie organisieren die Filmkunstmesse seit mehren Monaten. Was war bislang die größte Herausforderung?

FELIX BRUDER: Wahrscheinlich die Unsicherheit, ob sie stattfinden kann. Wir sind auf Sicht gefahren, haben allerdings nie in Frage gestellt, dass wir sie planen und auch machen. Zwischendurch gab es aber natürlich wieder Zweifel. Das hatte mit der Frage zu tun, ob genügend Fachbesucher kommen und genügend Filme eingereicht werden. Das hat in diesem Jahr sicherlich alles etwas verzögert. Wir sind aber froh, dass wir 58 Filme von 35 Verleihern präsentieren können. Das ist auch ein großer Vertrauensbeweis der Verleiher in unsere Veranstaltung, wofür ich dankbar bin. Wir werden sogar mehr als 600 Fachbesucher haben, die jetzt angemeldet sind, so dass wir wirklich mehr vor Ort haben, als es zu erwarten war. Das freut mich.

Inwiefern wird es bei der Filmkunstmesse hybride Angebote geben, die auch den Online-Bereich abdecken?

FELIX BRUDER: Grundsätzlich war uns wichtig, dass die Filmkunstmesse vor Ort stattfindet. Bei den Screenings steht der Kinogenuss und das Kinoerlebnis im Vordergrund. Gleichzeitig haben wir bei den Seminaren gesagt: In der Handelsbörse passen statt 120 nur 40 Menschen in diesem Jahr rein. Also müssen wir etwas tun, um möglichst vielen, die sich dafür interessieren, die Gelegenheit zu geben, die Veranstaltung zu verfolgen. Wir werden vor Ort ein Kamerateam haben und die Panels aufzeichnen und live über unsere Seite filmkunstmesse.de zur Verfügung stellen. Da braucht man auch keinen Zugang, jeder kann einfach schauen. Alles, was in der Handelsbörse passiert, wird auf diese Weise gestreamt. Wir denken auch über eine Aufzeichnung nach, damit man sich hinterher noch Veranstaltungen anschauen kann.

Und im Bezug auf die Filme?

FELIX BRUDER: Wir haben auch einfach mal das Angebot an die Verleiher gemacht, Filme über die Screening-Plattform Cinando zu zeigen. Cinando ist als Erfindung aus dem Marché du Film im Cannes hervorgegangen. Wir haben uns dafür entschieden, weil wir das als ein sicheres Tool erachten. Wenn Cannes es für richtig hält, kann es so schlecht nicht sein. Das sind jetzt etwa 20 Filme, die dort zu sehen sein werden. Die großen Verleiher, allen voran die Majors, sind natürlich skeptisch gegenüber solchen Online-Tools. Das ist auch verständlich. Aber wir sind froh, dass wir zumindest auch einen Teil des Programms online zur Verfügung stellen können. Es gibt rund 100 Personen, die sich nur für online akkreditiert haben. Es ist nicht unglaublich nachgefragt, aber man muss auch sehen: Es sind 340 Kinobetreiber da - eigentlich fast alle, die wir kennen. Aber wir haben auch volles Verständnis, wenn jemand sagt, dass er in der aktuellen Situation nicht reisen und sich nicht in solch einer Veranstaltung wiederfinden will. Auf der anderen Seite ist es wichtig zu sagen, dass die Säle eben maximal 50 Prozent ausgelastet werden. Das heißt: Es wird immer ein Platz zwischen den Besuchern frei sein. Wir werden das schachbrettartig anordnen. Uns ist auch versichert worden, dass die Lüftungen hunderprozentige Frischluft reinpumpen. Wir sind davon überzeugt, dass die Kinos sichere Orte sind. Man muss eher vorsichtig sein, wenn man nach dem Kinobesuch in Bars oder Lokalen bei einem Get Together sich vielleicht zu nahe kommt.

Was wünschen Sie sich insgesamt für diese Filmkunstmesse?

FELIX BRUDER: Ich wünsche mir zum einen, dass wir alle wieder leibhaftig zusammenkommen und möglichst unbekümmert miteinander sprechen können, dass wir aber auch einen positiven Impuls für die Branche mit den Gesprächen setzen können - sei es in den Seminaren oder am Rande. Ich glaube schon, dass es viel zu besprechen gibt und wir immer noch in einer ganz schwierigen Situation sind. Ich erlebe, wenn man eben nicht zusammenkommen kann, dass viel über einander und weniger miteinander gesprochen wird. Wenn wir einen Beitrag dazu leisten können, dieses Miteinander wieder zu stärken, dann wäre ich sehr froh.

Das Interview führte Michael Müller