Kino

Kino-Comeback in Deutschland: Auf "halbem Weg"

Die mit dem Start von "Tenet" gesetzte Initialzündung in den deutschen Kinos wirkt nach - tatsächlich konnten sich die Zahlen gegenüber der Vorwoche zuletzt noch einmal deutlich verbessern. Die untere Benchmark auf der "Road to Recovery" ist seit vergangener Woche (deutlich) überschritten - der Blick richtet sich nach vorne.

07.09.2020 13:30 • von Marc Mensch
Von wegen, Teens gehen nicht mehr ins Kino. "After Truth" spricht da sogar in Corona-Zeiten eine etwas andere Sprache (Bild: Constantin)

Christopher Nolans Meisterwerk Tenet" kam, sah und siegte - und After Truth" tat es ihm nun eine Woche später gleich. Tatsächlich könnte man von einer "Doppelspitze" sprechen, denn während Warners "Tenet" sich die Umsatzkrone (und damit Platz 1 der Charts nach offizieller Zählung) sicherte, wurden für das Sequel zum Besuchermillionär After Passion" (der in Wiederaufführung auch noch knapp 8400 Besucher draufsattelte) am zurückliegenden Debütwochenende sogar noch ein paar Tausend Besucher mehr gezählt - was dem von der Constantin hierzulande noch vor dem US-Debüt gestarteten Film auch den mit Abstand besten Kopienschnitt in den Top 20 einbrachte. Grund genug, die von Betreiberseite kritisierten Verleihbedingungen rückblickend vielleicht ein wenig entspannter zu betrachten?

Wie dem auch sei - vor allem das Spitzenduo sorgte (nicht zuletzt im Zusammenspiel mit erfreulich starken Holdovern) nach dem veritablen Sprung, zu dem die deutschen Kinozahlen am letzten Augustwochenende angesetzt hatten, für weitere Belebung im Markt, denn sowohl nach Umsatz als auch Besuchern ging es nach vorläufigen Zahlen von ComScore gegenüber diesem zuletzt noch einmal um gut zehn Prozent nach oben. 688.000 Zuschauer und gut 6,15 Mio. Euro Boxoffice lautet die vorläufige Bilanz, die mit höchster Wahrscheinlichkeit in der Endabrechnung noch ein wenig nach oben korrigiert werden wird.

Tatsächlich waren die Zahlen Anfang September so erfreulich, dass der Gesamtrückstand auf das Vorjahr um ein Mü schrumpfte. Nun wäre ein Rückgang der Schreckenszahl um 0,1 Prozentpunkte auf jeweils noch 60,3 (Umsatzrückstand) bzw. 59,0 Prozent (Besucherrückstand) als Veränderung eigentlich kaum der Rede wert - allerdings war es nun das zweite Mal in Folge, dass der Kinomarkt gegenüber 2019 prozentual nicht noch weiter an Boden verlor, sondern sich grundsätzlich in die richtige Richtung bewegte. Selbstverständlich besteht damit nicht der geringste Anlass, Entwarnung zu geben oder Bemühungen zur Rettung von Kinos zurückzufahren. Vielmehr sollte man den Trend als Signal werten, dass eine Rettung tatsächlich realistisch und damit nur umso gebotener ist.

Klar übersprungen hat der deutsche Kinomarkt natürlich auch am vergangenen Wochenende jene untere Benchmark (schwächstes Wochenende der vergangenen fünf Jahre vor Corona), die quasi den Beginn der Erholungsphase markiert und die "Tenet" Ende August beinahe im Alleingang erreichen konnte. Laut ComScore lagen die wiedereröffneten Kinos zuletzt um 70 Prozent über den von ihnen an besagtem Wochenende (jenem vom 19. April 2018) eingefahrenen Besucherzahlen und sogar um 76 Prozent über den damaligen Umsätzen. Ergo muss sich der Blick nun auf die zweite, ganz entscheidende Benchmark richten: Das "mittlere" Wochenende (in diesem Fall jenes des 1. März 2018). Und insofern kann man womöglich davon sprechen, dass man am vergangenen Wochenende eine Art Bergfest hätte feiern können - stand man doch bei knapp der Hälfte des Weges. Jeweils 55 Prozent nach Umsatz und Besuchern fehlten den wiedereröffneten Kinos zum "mittleren" Ergebnis noch, der Abstand im Gesamtmarkt lag nur unwesentlich höher.

Ganz ähnlich sah es übrigens in Österreich (rund 52 Prozent Abstand nach Umsatz) und den Niederlanden (45 Prozent) aus, wobei gerade die Niederlande gegenüber einer hervorragenden Vorwoche (23 Prozent Abstand nach Umsatz) wieder einen kleinen Rückschritt hinnehmen mussten.

Bei den Verleihbezirken tat sich am ersten Septemberwochenende Düsseldorf hervor, wo die Durchschnittsergebnisse um 195 Prozent über der unteren Benchmark lagen (hier liegt laut ComScore auch der Anteil der wiedereröffneten Filmtheater am höchsten), Frankfurt tat sich da mit 155 Prozent etwas schwerer. Auch auf die Bundesländer heruntergebrochen führte Nordrhein-Westfalen mit 196 Prozent des schwächsten Besucherergebnisses der dort wieder am Start befindlichen Kinos, die rote Laterne hatte Baden-Württemberg mit 152 Prozent inne, wo ComScore auch nach wie vor besonders wenige (59 Prozent des Bestandes) wiedereröffnete Kinos zählt. Vorsorglich angemerkt sei an dieser Stelle aber erneut, dass Häuser, die nicht während der gesamten Spielwoche geöffnet sind, weiterhin für leichte Verzerrungen in der Statistik sorgen - auch am vergangenen Wochenende sank die Zahl der wiedereröffneten Kinos nicht (im Gegenteil), dies wird sich dann in der Statistik von kommender Woche zeigen.

Erwähnt seien übrigens noch zwei Meilensteine aus deutschen Landen: "Max und die Wilde 7" schraubte sein Ergebnis auf über 100.000 Besucher (gut 112.000) und "Meine Freundin Conni - Geheimnis um Kater Mau" steht nur noch rund 20.000 verkaufte Tickets vor dem/der 300.000sten Besucher(in). Gerade letzterer ein Erfolg, den man besonders hervorheben darf, zählte der Film doch zu den ersten größeren Titeln, die wieder in die deutschen Kinos gebracht wurden. Nachschub bleibt weiterhin allerstärkstens gefragt - nicht umsonst sorgte das neue Plakat für "Keine Zeit zu sterben" kürzlich vor allem wegen eines Wortes für gute Stimmung unter den Kinobetreibern. Es lautete schlicht: November.