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Deutscher Netflix-Film "Freaks" hat weltweit phänomenalen Starttag

Vorab gab es wenig Buzz um den kleinen deutschen Superhelden-Film "Freaks" auf Netflix. An seinem Starttag schrieb er aber bemerkenswerte Charts-Platzierungen auf der ganzen Welt.

04.09.2020 08:54 • von Michael Müller
Tim Oliver Schulz (l.) und Cornelia Gröschel in "Freaks" (Bild: Netflix/David Dollmann)

Wie sang doch Hildegard Knef so schön? "Von nun an ging's bergab": Jedenfalls hätte es gar nicht viel besser für den deutschen Indie-Superheldenfilm "Freaks - Du bist eine von uns" auf Netflix an seinem Starttag laufen können. Am Donnerstag stand die Produktion von PSSST! Film, die in Zusammenarbeit mit dem Kleinen Fernsehspiel vom ZDF und Netflix entstand, auf 59 internationalen Film-Top-Ten des Streamingdienstes. Weltweit war "Freaks" sogar insgesamt auf Platz zwei der Film-Charts hinter dem Kurzfilm "The Boss Baby: Get That Baby", aber noch vor "Project Power".

Am beeindruckendsten ist wahrscheinlich doch, dass "Freaks" in den immer nur schwer einzunehmenden USA auf Platz neun der Film-Top-Ten gestartet ist. Andere bemerkenswerte Platzierungen waren im Bereich Film Platz zwei in Brasilien, Platz eins in Frankreich, Platz sieben in Indien, Platz drei in Mexiko, Platz zwei in Russland, Platz neun in Südafrika und Platz zwei in Spanien. In Deutschland startete der Superheldenfilm übrigens in der Top Ten, die Serien und Filme miteinander vereint, auf Platz vier.

Im Film geht es um die junge schüchterne Mutter Wendy (Cornelia Gröschel), die mit ihrem Sohn und ihrem Mann in der Vorstadt lebt, in einem Pommes- und Buletten-Imbiss arbeitet. Gegenüber ihrer Chefin (Gisa Flake) traut sie sich nicht, um eine Gehaltserhöhung zu bitten, obwohl die Familie das Geld dringend braucht. Eines Tages stellt sie jedoch fest, dass sie nach der Absetzung ihrer Pillen Superkräfte hat.

Das Budget der Produzenten Maren Lüthje und Florian Schneider war klein, was den Actionszenen aber eine handgemachte Qualität einbringt. So sieht man zum Beispiel nicht, wie Wendy mit ihren Superkräften eine Gruppe von Männern auf der Herrentoilette aufmischt, sondern nur das Resultat, wie etwa einer der Männer blutig in dem durchbrochenen Türrahmen feststeckt.

Trotz der Beteiligung des Kleinen Fernsehspiels wirkt der Film von Regisseur Felix Binder nach einem Drehbuch von Marc O Seng sehr amerikanisch - in seiner Optik, seiner Musik und in seinem Figurenarsenal. Wendy läuft nach ihrer Arbeit zum Beispiel immer mit Discman-Kopfhörern und Achtziger und Neunziger-Songklassikern auf den Ohren über einen Parkplatz nach Hause, wo sie immer die selben drei Betrunkenen belästigen. Wendy, aber auch Tim Oliver Schulz' Figur Elmar, der mit im Imbiss-Restaurant arbeitet, obwohl er eigentlich einen reichen Vater hat (Ralph Herforth), könnten auch so in den "Kick-Ass"-Superheldenfilmen vorkommen.

"Freaks" ist bis in die kleinste Nebenrolle prominent besetzt. Neben Flake und Herforth spielt auch Wotan Wilke Möhring einen größeren Part und "Tatort"-Kommissarin Eva Löbau schaut mal bei der Frittenbude vorbei. Nina Kunzendorf ist die Psychologin, welche die "Freaks" mit den Pillen unter Kontrolle behalten will. Die Idee ist nicht neu, Superhelden realistisch zu erzählen. Das gab es in der Filmgeschichte mit "Unbreakable", "Chronicle" oder dem koreanischen Superheldenfilm "Haunters" immer wieder. Aber "Freaks" hat das jetzt für Deutschland getan.