Kino

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Ein bisschen, muss ich gestehen, ließ man sich dann doch anstecken von dem miesepetrigen Schwarzgesehe. Weil es so massiert kam. Und weil man es auch nachvollziehen konnte nach einem halben Jahr, in dem sich mit jedem neuen Tiefschlag der Eindruck verstärkte, diesmal ginge es wirklich geradewegs ab in den Keller mit dem Kino. Es gab so viele gute Gründe, warum man "Tenet" nicht zutraute, der Film zu sein, mit dem sich das Kino an den eigenen Haaren wieder aus dem Sumpf zieht.

03.09.2020 08:09 • von Barbara Schuster
Thomas Schultze, Chefredakteur (Bild: BF)

Ein bisschen, muss ich gestehen, ließ man sich dann doch anstecken von dem miesepetrigen Schwarzgesehe. Weil es so massiert kam. Und weil man es auch nachvollziehen konnte nach einem halben Jahr, in dem sich mit jedem neuen Tiefschlag der Eindruck verstärkte, diesmal ginge es wirklich geradewegs ab in den Keller mit dem Kino. Es gab so viele gute Gründe, warum man Tenet" nicht zutraute, der Film zu sein, mit dem sich das Kino an den eigenen Haaren wieder aus dem Sumpf zieht. John David Washington ist kein zugkräftiger Name. Christopher Nolan ist doch nur einer verschwindend kleinen Gruppe Filmfans ein Begriff. Der Film sieht viel zu kompliziert und schräg aus. Schon Nolans Letzter, Dunkirk", war nur außerhalb von Deutschland wirklich ein Hit. Das Wetter ist zu schön. In den Kinos ist nicht genug Platz. Als hätte man schon mal alle Ausreden geübt, wenn das Experiment in die Hose gegangen wäre. Hätte hätte Fahrradkette. Dass die Nerven blank lagen, ist klar. Warner Bros. ist richtig ins Risiko gegangen. Und wurde dafür belohnt. Während sich die anderen Studios wegducken, unterstreicht "Tenet", dass die Lust am Kino durchaus noch da ist. Und warum auch nicht? 2019 war das weltweit umsatzstärkste Kinojahr überhaupt. In Südkorea und China haben lokale Blockbuster bereits gezeigt, dass es nur eine Frage des Produkts ist, um die Menschen ins Kino zu holen.

"Wenn du es baust, werden sie kommen", heißt es so schön in Feld der Träume". Der nächste Schritt in diese Richtung ist nun die 77. Mostra in Venedig, das als erstes großes A-Festival seit Beginn der Coronakrise wieder als physischer Festivalevent stattfindet. In unserem großen Interview erteilt Festivalchef Alberto Barbera einer digitalen Festivalzukunft eine Absage: Ein Festival lebt eben nicht davon, dass jemand 20 Filme für den Wettbewerb ausgesucht hat. Ein Festival ist ebenso abhängig von Zeit und Ort, von den Menschen, die die Filme gemacht haben, und den Menschen, die es besuchen. Es kommt darauf an, diese Filme im Rahmen eines Ereignisses zu zeigen, bei dem Menschen zusammenkommen, um das Kino zu feiern. Das macht ein Festival einzigartig und unverwechselbar. Nun muss man hoffen, dass das Sicherheitskonzept der Mostra aufgeht und der Lido virusfrei bleibt: Mag der Rest der Welt auch verrückt spielen, das Kino soll ein sicherer Rückzugsort sein. Das gilt für Festivals wie für das heimische Kino vor Ort. Wenn es gelingt, diese Überzeugung im öffentlichen Bewusstsein zu verankern, lässt sich vielleicht nicht die Zeit zurückdrehen, aber Filme, in denen die Zukunft rückwärts der Gegenwart entgegenläuft, und andere originelle Großproduktionen können zu Hits werden. knaD ies teneT".