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KOMMENTAR: Wann kommt endlich der Ausfallfonds?

In allen Ländern um Deutschland herum weiß man besser um die Bedeutung der Film- und Fernsehproduktion, um die der Kultur sowieso. Nur hierzulande widmet sich die Politik lieber Schlüsselindustrien, die ihren Zenith wohl überschritten haben. Warum eigentlich?

27.08.2020 07:30 • von Frank Heine

In allen Ländern um Deutschland herum weiß man besser um die Bedeutung der Film- und Fernsehproduktion, um die der Kultur sowieso. Nur hierzulande widmet sich die Politik lieber Schlüsselindustrien, die ihren Zenith wohl überschritten haben. Warum eigentlich?

Das Mediengeschäft ist eine Milliardenindustrie, die Kreativwirtschaft verzeichnet Tausende von Arbeitsplätzen, die durch die Coronakrise in Gefahr geraten. Natürlich hat auch die Kultur ihre Soforthilfen bekommen, aber bei Film und Fernsehen kommt wenig an. Insbesondere die vielen TV-Produzenten schauen in die Röhre oder müssen ein Risiko gehen, das sie kaum schultern können. Die Entscheider der großen Medienfirmen, soweit sie den Mumm haben, sich öffentlich zu äußern, ob Nico Hofmann, Martin Moszkowicz oder Oliver Berben, werden nicht müde, auf die Gefahr hinzuweisen, der ihre Branche ausgesetzt ist.

Während das Publikum nach immer mehr Inhalten hungert, während Fernsehsender und Streamingplattformen in den letzten Coronamonaten Nutzungszuwächse von über 20 Prozent geschrieben haben, - und selbst die Kinos würden sich gefüllt haben, wenn man ihnen nicht die Schließung verordnet hätte! - läuft die Produktion von neuen Inhalten für die Produzenten auf einen Kamikaze-Einsatz hinaus. Niemand will das Risiko versichern, falls Produktionen wegen Corona vorübergehend oder ganz zum Stillstand kommen. Die großen Firmen können sich das eine Weile leisten, auch weil Sender und Streamer signalisiert haben, dass sie einen Teil der Ausfallkosten übernehmen würden. Kleinere Produzenten sind eingeladen, russisches Roulette zu spielen und mit einem Drehabbruch vielleicht den wirtschaftlichen Exitus zu erleben. Und während nur allmählich wieder gedreht wird, sind Abertausende immer noch auf Kurzarbeitergeld angewiesen, leben von der Hand in den Mund oder müssen sich einen anderen Job suchen. Ein Kahlschlag bei den Kreativen vor und hinter der Kamera droht.

Denn natürlich könnte viel mehr und zwar sofort produziert werden, wenn sich die Risiken halbwegs absichern ließen. Banken und Versicherer haben längst abgewunken, die sind nur an Vollkaskogeschäften interessiert. Die BKM hat einen Ausfallfonds für Kinofilme und High-End-Serien ausgetan, der für das Produktionsbusiness aber nicht ausreicht. Fernsehen ist wie die Kultur Ländersache, und die Länder lassen sich alle Zeit der Welt, um mit dem Bund einen Ausfallfonds für die Produktion zu schaffen, wie er fast in jedem Land um uns herum existiert. Lieber stützt man Industrien mit Milliarden Euro, denen die Kunden davonlaufen. Aber mit einer einfachen Rückversicherung für die Produktionsbranche, die vielleicht gar nicht in Anspruch genommen werden muss, und deren Existenz sofort Tausende aus der Kurzarbeit entlassen würde, lässt man sich monatelang Zeit. Warum? Wer schläft da in den Staatskanzleien?