Kino

HDF Kino: Reduzierung des Kinofensters unter gewissen Bedingungen möglich

In einer Stellungnahme zur FFG-Novelle hat der HDF Kino einer Reduzierung des Kinofensters unter bestimmten Bedingungen zugestimmt. Wichtig sei in jedem Fall, dass man die derzeitigen, nicht aufhaltbaren Veränderungen aktiv mitgestalte.

21.08.2020 10:57 • von Jochen Müller
Christine Berg, Vorstandsvorsitzende des HDF Kino (Bild: HDF Kino)

Anfang April hatte Kulturstaatsministerin Monika Grütters angekündigt, dass das Novellierungsverfahren des Filmförderungsgesetzes aufgrund der Corona-Pandemie nicht planmäßig fortgeführt werden könne und das geltende FFG mit "zwingend erforderlichen Änderungen" über 2021 hinaus Bestand haben werde (wir berichteten).

In einer Stellungnahme zur FFG-Novelle hat der HDF Kino jetzt u.a. beim Thema "Kinofenster" Handlungsbedarf ausgemacht. Zwar stellt der HDF Kino eingangs fest, dass sich die in § 55 festgelegten Regelungen zur außerordentlichen Verkürzung der Sperrfristen als "krisentauglich manifestiert" hätten und man keinerlei Anlass für einen gesonderten Zusatz im Gesetzestext für Fälle höherer Gewalt sehe, doch habe die Pandemie "eine andere offene Flanke in der Auswertungskaskade deutlich zu Tage gebracht: Die Immunität der internationalen Produktionen", wie es in der Stellungnahme heißt.

Da der deutsche Film "leider", wie der HDF Kino betont, nicht in der Lage sei, "den Markt eigenständig in Fahrt zu bringen", sei man maßgeblich von den großen Blockbustern abhängig. Die Auswirkungen der aktuellen Entwicklungen rund um neue Distributionswege von Hollywood-Ware auf die Bilanz der deutschen Filmwirtschaft seien daher nicht zu unterschätzen. So hatten die weltweit größte Kinokette AMC und Universal Ende Juli eine Vereinbarung getroffen, wonach Filme künftig nur noch 17 Tage exklusiv im Kino laufen müssten und anschließend von Universal auf PVoD-Plattformen ausgewertet werden könnten (wir berichteten).

Diese nicht aufhaltbaren Veränderungen müsse man jetzt aktiv mitgestalten, so der HDF. Allerdings gibt der HDF zu bedenken, dass man aufgrund der eher mittelständisch geprägten Struktur der deutschen Filmbranche gegenüber den Studios und Plattformen eine "deutlich schwächere Verhandlungsposition innehat".

Man dürfe die Gestaltungshoheit über neue Geschäftsmodelle aber nicht anderen überlassen, "die dem Markt ihre Regeln regelrecht diktieren können", so der HDF.

Vor diesem Hintergrund sei der HDF Kino bereit, einer Reduzierung des Kinofensters für geförderte Filme im FFG auf vier Monate zuzustimmen. Eine Zustimmung, die allerdings an Bedingungen geknüpft ist:

1. Es sind keine weiteren Verkürzungen im Gesetz vorgesehen

2. Es wird parallel eine Branchenvereinbarung geschlossen, die für alle in Deutschland gestarteten Kinofilme bindend ist

3. Verkürzungen der Sperrfristen für die dem Kino nachgelagerte Auswertungskaskade sind nur gegen finanzielle Ausgleichsleistungen bei deutschen Kinofilmen möglich

Die HDF-Kino-Stellungnahme zur FFG-Novelle im Wortlaut