Kino

"Wir sind uns der großen Not der Kinobetreiber bewusst"

Eines zumindest lässt sich zum offenen Brief des "Kinomittelstands" bereits sagen: Er bleibt nicht ungehört. Überraschend schnell reagierte das Büro von Kulturstaatsministerin Monika Grütters mit einer Erklärung, in der unter anderem auf noch geplante Fördermaßnahmen verwiesen wurde.

11.08.2020 19:53 • von Marc Mensch
Kulturstaatsministerin Monika Grütters (Bild: Elke A. Jung-Wolff)

So schnell reagiert die Politik dann doch eher selten auf Apelle und offene Briefe: Wenige Stunden, nachdem der "Kinomittelstand" einen offenen Brief an Kulturstaatsministerin Monika Grütters veröffentlichte, reagierte deren Büro mit einer Erklärung, die man Blickpunkt: Film übermittelte. Womit den Anliegen natürlich nicht abgeholfen ist. Aber es ist doch zumindest Indiz dafür, dass sich die Kulturstaatsministerin an der Ehre gepackt fühlt, wenn es um die Zukunft der Kinobranche (und diese steht ohne Zweifel auf dem Spiel) geht. Was zumindest nicht die schlechteste Nachricht ist und weitere Gespräche zumindest nicht ausschließt - auch wenn die Erklärung zunächst nur rekapituliert, was die BKM bereits an Maßnahmen ergriffen bzw. in die Wege geleitet hat. Maßnahmen, für die ihr auch die Verfasser des Briefes ausdrücklich gedankt hatten.

So heißt es in der Erklärung eines Sprechers der Kulturstaatsministerin:

"Wir sind uns der großen Not der Kinobetreiber bewusst und stehen hierzu in einem ständigen Austausch mit den zentralen Kinoverbänden HDF und AG Kino-Gilde. Erste Hilfsmaßnahmen sind zur Unterstützung der Kinos in Deutschland bereits angelaufen, weitere sind konkret in Planung. Bereits früh haben wir für die Programmkinos in Deutschland 5 Millionen Euro Soforthilfe im Rahmen des Kinoprogrammpreises des Bundes zur Verfügung gestellt. Auch wurde für Arthouse-Kinos und Kinos im ländlichen Raum der Zugang zu Investitionszuschüssen erheblich erleichtert, die über das sog. Zukunftsprogramm I beantragt werden können. Hierfür stehen allein im Jahr 2020 17 Millionen Euro zur Verfügung. Die Kinos können zum Beispiel auch solche Investitionen umfangreich bezuschusst bekommen, die für einen Betrieb unter Corona-Bedingungen erforderlich sind. Solche Kosten hat auch das sogenannte Zukunftsprogramm II im Focus, das sich vor allem an die mittelständischen Kinos richtet und für das die Bundesregierung als Teil des Programms 'Neustart Kultur' 40 Millionen Euro bereitgestellt hat. Dieses Programm ist am 1. August gestartet, Anträge können bei der Filmförderungsanstalt gestellt werden. Da den Kinos insbesondere aber auch attraktive Neustarts von Kinofilmen fehlen, um das Publikum zurück ins Kino zu holen, wird in Kürze eine ergänzende Förderung auch des Filmverleihs starten. Hierfür stehen als Teil des Programms 'Neustart Kultur'14 Millionen Euro (plus eine Mio. für die Förderung von Auslandsstarts deutscher Filme, Anm.d.Red.) zur Verfügung."

Tatsächlich geht die Erklärung aber noch weiter. Demnach sei (das war bislang öffentlich noch nicht detaillierter diskutiert worden) ein weiteres Hilfsprogramm für die Kinos geplant, für das 30 Mio. Euro vorgesehen sind. Die genauen Rahmenbedingungen für die Verteilung der Mittel , die als sogenannte Billigkeitshilfen aufgestellt sein sollen, werden aktuell noch debattiert, hier findet u.a. eine Abstimmung mit den Ländern statt. Starten soll das Programm im September. Und der Sprecher der BKM kündigte nicht zuletzt an, dass als Teil von "Neustart Kultur" auch noch ein (nicht näher bezifferter) zweistelliger Millionenbetrag (gemeint seien ausdrücklich nicht die zehn Mio. Euro an zusätzlicher Verleihförderung, Anm.d.Red.) an die FFA "zur Unterstützung ihrer eigenen Fördertätigkeit" fließen soll. Auch hiervon würden die Kinos profitieren.

Abschließend heißt es in der Erklärung: "Neben diesen Kino-spezifischen Hilfsprogrammen steht den Betreiberinnen und Betreibern von Kinos letztlich auch weiterhin die Überbrückungshilfe des Bundeswirtschaftsministeriums offen, für die insgesamt 25 Milliarden Euro im Bundeshaushalt eingeplant sind. Zusätzlich zu diesem Bündel an Hilfen haben auch viele Bundesländer Hilfsprogramme für die Kinos in Deutschland gestartet. Zudem hat sich Kulturstaatsministerin Monika Grütters auch mehrfach für eine regelmäßige Überprüfung der 1,50-Meter-Abstandsregel in Kinos ausgesprochen."

Letzteres Thema war ein Kernpunkt der Forderungen des Kinomittelstandes - und diese Forderung hat leider nur an Brisanz gewonnen, nachdem Berlin die Hoffnungen der Betreiber dann doch irgendwie (massiv) enttäuscht hat...