Kino

Kino-Wiedereröffnungen in Deutschland: Keine guten Nachrichten

Kurz vor dem Vorverkaufsstart von "Tenet" mussten sich die deutschen Kinos am heißesten Wochenende des Jahres erwartungsgemäß noch einmal mit absolut gruseligen Zahlen bescheiden. Der Umsatzrückstand auf das Vorjahr wächst.

10.08.2020 13:04 • von Marc Mensch
"Max und die Wilde 7" blieb als besucherstärkster Film des Hitzewochenendes um weniger als 500 Euro hinter Umsatzprimus "The Secret" (Bild: Leonine)

Es ist ein Sprichwort aus dem Englischen, das keine rechte deutsche Entsprechung hat, dass man aber auch so gut genug verstehen dürfte: "It's always darkest before the dawn" heißt es da - und sinngemäß bedeutet es, dass das Tal am tiefsten ist, bevor es wieder aufwärts geht. Nicht, dass man allzu viel auf Volksweisheiten geben sollte, aber irgendwie passt dieser Spruch leider bestens zu jenem Wochenende, auf das am kommenden Mittwoch der Vorverkaufsstart für Tenet" folgt.

Das bislang heißeste Wochenende des Jahres bescherte Deutschland nicht nur den neuerlichen Beweis dafür, dass Corona kollektiv aus den Köpfen verschwindet, sobald auch nur die geringste Chance besteht, sich ans Wasser zu quetschen wie Sardinen in einer Büchse (und aus eigener Erfahrung möchte ich anmerken, dass im Münchner ÖPNV offenbar nur noch der Kinnschutz als Vorgabe gilt). Nein, es bescherte den hiesigen Kinos erwartungsgemäß auch gruselige Gesamtzahlen. Der vorläufigen Bilanz von ComScore zufolge wurden gerade einmal noch knapp 182.000 Tickets gelöst und damit knapp 1,44 Mio. Euro umgesetzt - das waren noch einmal gut 24 bzw. gut 21 Prozent weniger als am ohnehin schwachen Vorwochenende.

Der Abstand zum Vorjahr wuchs in diesem Zuge auf 59,5 Prozent nach Boxoffice. Was angesichts eines weiter anhaltenden Mangels an hochkarätigen Neustarts natürlich kein Wunder ist. Schon alleine deshalb kommt "Tenet" so große Bedeutung zu - denn selbstverständlich ist die große Hoffnung, dass dieser Film belegt, dass sich ein Kinorelease auch in der jetzigen Situation lohnen kann. Mit eingeschränkten Kapazitäten. Mit massiven Lücken im Weltmarkt (vor allem den USA). Und vor dem Hintergrund der zunehmenden Salonfähigkeit von PVoD.

Wichtig wäre es aus Sicht der Kinos natürlich, möglichst bald unter anderen Rahmenbedingungen zu operieren. Die Hoffnung richtete sich dabei zuletzt auf Berlin, wo der Chef der Senatskanzlei vergangenen Woche eine Reduzierung der Mindestabstände im Kinosaal angekündigt hatte - die aktuell aber doch noch in der Schwebe zu sein scheint. Informationen von B:F zufolge hat Kultursenator Klaus Lederer Bedenken angemeldet, die noch nicht ausgeräumt scheinen.

Den schlechten Zahlen zum Trotz steigt die Zahl der wiedereröffneten Kinos in Deutschland weiter (wenn auch zuletzt nur leicht) an. Dabei bestätigt sich, worauf wir bereits explizit hingewiesen hatten: Der vermeintliche Rückgang von vergangener Woche hatte (wie dies auch ComScore schon vorsorglich erklärt hatte) statistische Gründe, hier kam es aufgrund der aktuell häufigen Nachmeldungen (etliche Kinos spielen derzeit nicht an sieben Tagen pro Woche) zu einer zunächst zu niedrigen Zahl. Tatsächlich blieb es vergangene laut ComScore bei 847 wiedereröffneten Kinos, dem Wert der Vorwoche. Für das vergangene Wochenende wurden zunächst 851 wiedereröffnete Kinos gezählt. Die Besucher- udn Umsatzzahlen der Vorwoche konnten übrigens aufgrund der Nachmeldungen noch minimal nach oben korrigiert werden, aber nicht in einem Ausmaß, das das Bild nennenswert aufhellen würde.

Der Durchschnittsumsatz pro geöffnetem Haus fiel nach vorläufigen Zahlen auf gerade noch 1330 Euro, der bisherige Bestwert in der Corona-Zeit hatte Anfang Juli bei rund 3006 Euro pro Standort gelegen. Noch am vergleichsweise besten (und das mit Abstand) schnitt am vergangenen Wochenende erneut der Verleihbezirk Berlin ab, wo die wiedereröffneten Kinos (62 Prozent der dortigen Standorte) es auf 54 Prozent der unteren Benchmark brachten. Schlusslicht war ComScore zufolge diesmal der Verleihbezirk Hamburg mit 37 Prozent.

Die untere Benchmark, das ist bekanntermaßen das schwächste Wochenende innerhalb der vergangenen fünf Jahre vor Corona. Dieser hinkten die Wiedereröffneten Kinos am vergangenen Wochenende um 55 Prozent nach Besuchern und 59 Prozent nach Umsatz hinterher, zu einem "mittleren Wochenende" fehlten gleich 88 bzw. 90 Prozent.

Immerhin konnten sich drei Neueinsteiger die Spitzenplätze nach Umsatz erkämpfen. Auf Platz 1 landete The Secret" mit knapp 70.000 Euro bei gut 8500 Zuschauern, knapp dahinter folgte Max und die Wilde 7", der zwar über 10.300 verkaufte Tickets zählte, als Kinderfilm aber mit rund 69.000 Euro Umsatz den Thron um Haaresbreite verpasste. Knapp 3800 Besucher wiederum reichten dem hochpreisigen Event-Content "Andre Rieu: Magisches Maastricht" mit fast 65.000 Euro für den dritten Platz.

Wie sehr die Hitzewelle den Resultaten schadete, lässt sich leicht an den Einbrüchen ablesen. Diese lagen innerhalb der Top Ten zwischen 46,2 und 62,8 Prozent, wobei vor allem die Familienfilme besonders litten. Ausreißer war (wohl auch wegen seiner Open-Air-Einsätze) Knives Out", der gegenüber der Vorwoche um über 76 Prozent zulegen konnte.