Kino

Jason Kilar richtet WarnerMedia neu aus

WarnerMedia-CEO Jason Kilar will das Unternehmen personell und strukturell neu positionieren. Mehrere verantwortliche Manager werden das Unternehmen verlassen, auch weitere Entlassungen sollen aufgrund der Zusammenlegung von Unternehmensdivisionen folgen. Unterdessen sprach Kilar mit ersten US-Medien - und in diesem Zusammenhang auch über die künftige Rolle der Kinoauswertung.

10.08.2020 10:54 • von Jörg Rumbucher
WarnerMedia-CEO Jason Kilar (Bild: WarnerMedia)

Vor etwa drei Monaten wurde der ehemalige Hulu-Manager Jason Kilar verpflichtet, WarnerMedia unter den Bedingungen des Streaming War wettbewerbssicher zu machen. Insbesondere der kürzlich eingeführte Streamingdienst HBO Max soll zum Erfolg geführt werden. Jetzt hat WarnerMedia-CEO Jason Kilar eine umfassende Neustrukturierung bekannt gegeben. Was zunächst einmal heißt, dass diverse Top-Manager das Unternehmen verlassen werden. Dazu zählt WarnerMedia Entertainment-Vorsitzender Robert Greenblatt und HBO Max-Chief Content Officer Kevin Reilly (zugleich President von TNT, TBS und truTV).

Im Zuge der Umstrukturierung wurde Andy Forssell, General Manager von HBO Max, befördert, eine neu geschaffene Geschäftseinheit von HBO Max zu leiten, schrieb Kilar am vergangenen Freitag in einer hausinternen Memo. Kilar und Forssell arbeiteten bereits bei Hulu zusammen. "Andy und sein Team werden für Produkt, Marketing, Kundenengagement und die globale Einführung von HBO Max verantwortlich sein", so Kilar.

Betroffen ist auch Warner Bros.-Chefin Ann Sarnoff: Sie soll die neu gegründete Einheit Studios und Networks Group leiten.

In seinem Memo betonte Kilar nochmals, welche wichtige Bedeutung die Endverbraucher-Plattform HBO Max für das gesamte Unternehmen hat, und dass man effizienter und effektiver arbeiten müsse. Zu den wichtigsten Aufgaben von Forsell werde die Internationalisierung von HBO Max gehören. Soweit bekannt soll das Angebot vor allem in Lateinamerika ausgerollt werden.

"Die Neustrukturierung wird weitere personelle Maßnahmen jenseits des oberen Managements nach sich ziehen, wie Kilar in seinem Memo erläuterte: "Unsere Abläufe zu vereinfachen und unseren Fokus zu schärfen, geht natürlich zum Beispiel darüber hinaus, nur noch eine anstatt zwei Content-Divisionen zu haben. Es bedeutet auch, dass wir die Größe unserer Teams und unseres gesamten Mitarbeiterstammes verkleinern werden. Diese Reduzierungen spiegeln in keiner Weise die Qualität der Betroffenen und ihrer Arbeit wieder. Sie sind schlicht und ergreifend Folge der genannten Veränderungen, die aus meiner Sicht für WarnerMedia und unsere Fähigkeit, unsere Kunden bestmöglich zu bedienen, notwendig sind. Das ist der Teil, der schmerzt."

Unmittelbar nach Bekanntgabe der Maßnahmen hatte Kilar mit ersten US-Medien gesprochen und nicht nur den Launch von HBO Max als "absolut reibungslos" gelobt, sondern sich auch Fragen über einen möglichen Strategiewechsel im Licht der jüngsten Entscheidungen anderer Studios gestellt. Kilar gab dabei ein grundsätzliches Bekenntnis zur Kinoauswertung ab, die ein ganz wesentlicher Teil der Strategie bleiben werde. Allerdings erklärte Kilar auch, dass diese Strategie "weiterentwickelt" würde - und dass er davon ausgehe, dass das Kinofenster schrumpfen werde. Tatsächlich sei er überzeugt, dass niemand ernsthaft glaube, dass die aktuelle Länge des Kinofensters (interessanter Weise sprach Kilar gegenüber Variety von 130+ Tagen; einer Länge, die in den USA ohnehin schon lange nicht mehr gilt) Bestand haben werde. Man stehe jedenfalls im engen Austausch mit den Partnern auf Kinoseite.

Noch eine Anmerkung zu den "Paramount Consent Decrees" über deren Wesen und Gehalt neuerlich häufig fehlerhaft berichtet wird: Auf eine entsprechende Frage antwortete Kilar, dass WarnerMedia keine Pläne habe, Kinos zu kaufen.