Kino

"Mulan"-Absage: Der Schock sitzt tief

Vom Hoffnungsträger zur Hiobsbotschaft: Der abgeblasene Kinostart von "Mulan" sorgt in den betroffen Ländern für massive Enttäuschung unter den Betreibern.

05.08.2020 17:56 • von Marc Mensch
Wandert nun doch umgehend zu Disney+: "Mulan" (Bild: Walt Disney)

Dass sich der US-Kinoverband NATO nicht zum Deal zwischen Universal und AMC äußern konnte, liegt auf der Hand, immerhin ging es hier um die Interessen seines größten Mitgliedes. Dass er sich allerdings auch angesichts des für alle Disney+-Territorien abgesagten Kinostarts von "Mulan" bislang nicht äußert, verwundert dann doch. Oder setzt man lieber auf Verhandlungen hinter den Kulissen, statt auf Eskalation in einer Zeit, in der auch die Studios massiv leiden? Letzteres wäre vermutlich erst einmal nicht die unvernünftigste Lösung - und würde auch dazu passen, dass der öffentliche Aufschrei großer Ketten bislang ausblieb.

Was nicht daran liegt, dass der Schock nicht groß wäre - und er ist umso größer, als gerade Walt Disney als absoluter Verfechter des Kinoerlebnisses und des Kinofensters galt; noch vor Tagen war das Studio von Analysten als jene große Ausnahme genannt worden, an der flächendeckende Abkommen wie jene zwischen AMC und Universal scheitern könnten. Mangels Interesses an einer Verwässerung der Auswertungsstrategie, an einer Abkehr von der Tentpole-Strategie, die Walt Disney im vergangenen Jahr zum historisch überlegenen Marktführer gemacht hatte.

Dass "Mulan" frühzeitig auf Disney+ wandern würde, hatte man womöglich erwarten können, schließlich sprach das Studio anlässlich der letzten Startterminaufhebung explizit nur noch davon, "wie" man den Film zum Publikum bringen könne, nicht "wann". Und doch keimte insbesondere im Fahrwasser der Tenet"-Strategie die Hoffnung auf, dass auch Disney ein differenziertes Vorgehen wählen könnte und den Film eben dort in die Kinos bringt, wo das möglich ist. Was teilweise ja auch geschieht - und zwar dort, wo Kinos offen sind, Disney+ aber nicht erhältlich ist.

Wäre wenigstens eine zeitgleiche Kino-/PVoD-Auswertung eine Option gewesen? Nun, für andere Filme war sie es bei den größten Playern nicht, wobei man nicht zwangsweise davon ausgehen muss, dass Disney deshalb erst gar kein entsprechendes Angebot machte.

Ob der Test "ein Todesstoß" ist, wie der US-Branchendienst Deadline einen mittelständischen Betreiber zitiert? Das hängt natürlich massiv von seinen Resultaten ab. Denn auch dort, wo Verständnis für den Kurs von Disney in einem Jahr herrscht, in dem man gerade hohe Milliardeneinbußen durch die Corona-Krise bilanziert hat, geht man davon aus, dass der laut Bob Chapek "einmalige Vorgang" wiederholt würde, sollten die Zahlen am Ende dafür sprechen.

Wie hoch der Anteil der Disney+-Abonnenten (zuletzt waren dies gut 60 Mio.) nun sein wird, der sich "Mulan" tatsächlich innerhalb des "Premium"-Fensters (wie lange dieses sein soll, ist übrigens noch gar nicht klar) für 29,99 Dollar (oder den entsprechenden Betrag in Landeswährung) gönnt, ist natürlich völlig offen, immerhin ist der Preispunkt noch einmal um 50 Prozent höher angesetzt als jener für vorhergegangene PVoD-Offerten anderer Studios während der Krise. Indes werden eingeschränkte Kapazitäten in den Kinosälen und erst langsam wieder zurückkehrende Besucher prominenten Platz in den prognostizierten Szenarien eingenommen haben, auf deren Basis sich das Studio für den PVoD-Weg entschied.

Was das Stimmungsbild unter deutschen Betreibern anbelangt, verrät der Blick in diverse Social-Media-Kanäle unterdessen viel: Von Bildern erhängter Maskottchen bis zu Filmclips angezündeter Aufsteller reicht die Bandbreite...