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Jan Bonny: "Mit einer Lust am Risiko rangehen"

Der Regisseur Jan Bonny wagt gerne neue Wege - ob beim "Tatort" oder seinem aktuellen ZDF-Film "Wir wären andere Menschen". Als nächstes Filmprojekt kann er sich ein unkonventionelles Heinrich-Heine-Biopic vorstellen.

06.08.2020 08:04 • von Michael Müller
Der in Düsseldorf geborene Jan Bonny gehört zu den spannendsten deutschen Filmemachern seiner Generation (Bild: Jakob Beurle)

Der Regisseur Jan Bonny wagt gerne neue Wege - ob beim "Tatort" oder seinem aktuellen ZDF-Film "Wir wären andere Menschen", der am heutigen Donnerstag um 23.15 Uhr läuft und dann in der Mediathek zu finden ist. Als nächstes Filmprojekt kann sich Bonny ein unkonventionelles Heinrich-Heine-Biopic vorstellen.

Was hat Sie am Fernsehprojekt "Wir wären andere Menschen" gereizt?

JAN BONNY: Ich habe die Geschichte von Anfang an gleichermaßen als Porträt der Figur Rupert als auch des Ortes gelesen. Das hat mich interessiert. Der Ort und die Dorfgemeinschaft um Rupert und seine Frau Anja herum waren für mich immer wie ein eigener Hauptdarsteller. In der Gemeinschaft schwingt mit, wie diese gelernt hat, mit der Schuld zu leben. Auch sie stellen sich die Frage, ob es das richtige Leben im falschen geben kann. Da hat Adorno ja auch was zu sagen gehabt zu. Nur wenn das was ist, zu ändern ist, ist das was ist, nicht alles.

Wie kamen Sie zu dem Drehbuch?

JAN BONNY: Ich hatte eigentlich mit den beiden Autoren Friedrich Ani und Ina Jung ein anderes Projekt entwickelt, wo wir nicht weiterkamen. Dann kam aus einer ganz anderen Ecke das Drehbuch von Ani und Jung zu "Wir wären andere Menschen" zu mir. Es basiert auf Anis Kurzgeschichte. Der Film sollte ursprünglich in Bayern spielen. Ich habe ein bisschen darüber gegrübelt und die beiden dann gefragt, ob es für sie in Ordnung wäre, wenn ich mir die Geschichte mehr zu eigen mache und es in eine Gegend verlege, die ich besser kenne.

Sie meinen, dorthin, wo Sie auch Ihren Lebensmittelpunkt haben.

JAN BONNY: Ja, im Film wird nur einmal der Ortsname genannt: Hemmerich. Das spielt alles im Vorgebirge, also dieser Gegend zwischen Köln und Bonn. Da gibt es auch eine ganz tolle, schon etwas ältere Dokumentation darüber, die "Durchfahrtsland" heißt. Das ist westdeutsche Provinz im allerbesten Sinne. Wir haben den Film dann auch tatsächlich vor allem dort gedreht - ein paar Teile auch in Leverkusen und im Süden von Düsseldorf. Es ist irgendwie eine westdeutsche Heimatgeschichte geworden, ich komme ja aus Düsseldorf und lebe in Köln. Also war das alles für die Produktion und für die Drehbuchschreiber in Ordnung.

Vertraut sind Sie auch mit Ihrem Hauptdarsteller Matthias Brandt, mit dem Sie jetzt schon zum sechsten Mal zusammenarbeiteten. Was schätzen Sie an ihm?

JAN BONNY: Schon beim ersten Gespräch mit der Produzentin, wen ich mir für die Hauptrolle des Films vorstellen könnte, habe ich direkt Matthias Brandt gesagt. Es wirkt ja so, als würde mir nie jemand anderes einfallen, weil ich so viele Filme mit ihm gemacht habe. (lacht) Aber bei Brandt kommen ein paar mehr Sachen zusammen: Wir trauen uns einigermassen über den Weg, so dass da auch in der absurd kurzen Drehzeit eines Fernsehfilms ein bisschen was rumkommen kann in einer Zusammenarbeit. Ich schätze an ihm, dass er durch seine Arbeit in Erscheinung tritt und die Öffentlichkeit nicht an seinem Privatleben teilhaben lässt. Dadurch bleibt ihm auch immer ein größeres Geheimnis, er tritt fast nur mit seinen Rollen in Erscheinung. Das ist eine Qualität und für eine Figur wie Rupert auch viel wert, weil er ziemlich offensichtlich auch ein großes Geheimnis mit sich herumträgt. Naja, das tut ja jede vernünftige Figur. Der Zuschauer muss selbst die Lücken füllen, welche die Erzählung lässt. Und dass Matthias ein großartiger Schauspieler ist, steht außer Frage. Und es kommt noch hinzu: Matthias kommt aus Bonn, wie ich aus Düsseldorf komme. Und Silke Bodenbender, die seine Frau im Film spielt, die kommt auch aus Bonn. Wir haben halt auch eine recht genaue Kenntnis und eine zärtliche Sympathie für diese Gegend und diesen Schlag von Menschen.

Können Sie denn noch Filme ohne Ihr "Wintermärchen"-Schauspieltrio Thomas Schubert, Ricarda Seifried und Jean-Luc Bubert machen, die hier auch jeweils wieder Rollen spielen?

JAN BONNY: Ich arbeite ja häufig auch immer wieder mit anderen Schauspielern zusammen, wie Bibiana Beglau, Joachim Król oder Ronald Kukulies. Man wird zusammen älter und bleibt nicht gleich. Manchmal macht es auch einfach Spaß, was weiter zu verfolgen, das man woanders angefangen hat. Und ich wollte Thomas Schubert, Ricarda Seifried und Jean-Luc Bubert dabei halten. Es sind insgesamt erstaunliche Kollegen und Schauspieler, die jetzt in diesem ZDF-Film zusammenkommen. Auch mit einem Autoren wie dem wunderbaren Jan Eichberg oder meiner brillanten Kölner Produzentin Bettina Brokemper arbeite ich immer wieder.

Sie haben ja eigentlich mit "Wir wären andere Menschen" zwei Filme gemacht: Den Film, den Sie gedreht haben und der Film, der zwischen dem Anfang und der eigentlichen Handlung des Films steckt und den der Zuschauer quasi unterbewusst während des Schauens entdeckt.

JAN BONNY: Ich habe noch nie einen Film mit Rückblenden gemacht. Das ist eigentlich ein Mittel, dem ich misstraue.

Warum?

JAN BONNY: Weil da der Erzähler so sichtbar wird. In der Sekunde beobachtet man nicht mehr die Figuren, sondern greift als Erzähler ein. Im Sinne von: Hier, jetzt zeige ich euch mal etwas aus der Vergangenheit und informiere euch. Aber in diesem Fall war das ein großer Verdienst unseres Cutters Stefan Stabenow. Also, die erste Szene ist keine Rückblende. Der Film fängt in der Vergangenheit an und dann fehlt ein ganzer Film. Was es dann später an Rückblenden gibt, das ist, als ob sich dieser andere Film fiebrig dazwischen schiebt und sich bemerkbar macht. Zum anderen sind es Bilder für die innere Fassung von der Figur Rupert. Es sind seine Träume, Gedanken und vielleicht auch verfremdete Erinnerungen. Wir wissen auch nicht, ob sie stimmen. Es gibt da diese Sequenz, die ausschliesslich die Leistung von Stefan Stabenow ist: Wenn am Rhein-Ufer die Fetzen des Gerichtsprozesses mit der Bühnenhaftigkeit dieses Strandes zusammenkommen, wo auch die surreale Figur des Polizisten auftritt, was etwas von einer Oper oder einer Operette hat. Das hat mir gut gefallen. Ich finde es interessant, wie das im Film durcheinandergeht: Wo es etwas Ausgestelltes, etwas Theatralisches gibt oder wo es auch wieder beobachtender Realismus wird. Mir gefällt die formale Unsauberkeit, die der Film hat.

Wie viele Drehtage hatten Sie?

JAN BONNY: Es waren glaube ich 22 Drehtage. Diese Fernsehproduktionen sind oft vor allem eine sportliche Leistung. Es war während den Dreharbeiten Hochsommer. Es ist ganz schön, wie der Sommer im Film spürbar ist. Es ist irre heiß, es gab keine Pause und das sieht man den Schauspielern an.

Durch diese Urlaubsstimmung im Dorf ist der Kontrast zu der plötzlich ausbrechenden Gewalt gleich noch viel größer.

JAN BONNY: Naja, Urlaubsstimmung. Wir waren körperlich alle ordentlich fertig. Es war für alle hart. Es war eine Mischung aus völlig in den Seilen zu hängen, aber auch unangenehm angespannt zu sein, weil die Hitze ihre Spuren hinterlässt. Die Stimmung ist jetzt im Film drin. Ich habe bewusst unsere Schauspieler gar nicht schminken lassen. Die Hitze hat durch das Schwitzen eine Körperlichkeit und die Körperlichkeit zieht einen natürlich auch in den Film.

Von Ihnen sind in den vergangenen zwei Jahren vier Filme herausgekommen. Haben Sie in der deutschen Film- und Fernsehlandschaft Ihren Platz gefunden?

JAN BONNY: Ich glaube, das wäre eher gefährlich, wenn das so wäre. In Wahrheit muss man immer wieder aufs Neue ein Risiko eingehen. Man merkt Filmen an, wenn da kein Risiko drin steckt und die Nerven beim Arbeiten nicht vernünftig gespannt sind. Ich denke, man muss sehr wohl immer ein Risiko eingehen, ansonsten wird es nicht richtig lebendig. Eine Originalität und ein aus sich heraus entstehender Grund liegen auch in einem gewissen Risiko begründet: Wenn man versucht einen Weg zu gehen, den man noch nicht so genau kennt.

Ist es für Sie auch ein Risiko, einen "Tatort" oder auch einen "Polizeiruf" zu machen, weil den dann auch Millionen von Menschen schauen?

JAN BONNY: Auch da muss man mit einer Risikobereitschaft und einer Lust am Risiko rangehen. Das überträgt sich im Guten. Natürlich gibt es das Risiko, dass es Menschen ebenso nicht gefällt. Aber so muss das auch sein. Man darf nicht darauf schielen, was allen gefällt. Das kann natürlich mal passieren. Und das ist dann auch gar nicht schlecht. Aber was gefällt schon allen? Sonnenuntergänge? Kaninchen? Und was ist "Gefallen" eigentlich. Alle zu berühren, zu bewegen, das wäre eher ein Ziel. Das Schöne am Fernsehen ist, dass es Millionen Menschen erreicht, nicht nur deshalb liebe ich das Fernsehen auch sehr. Ich mache aber auch Sachen, die für ein ganz kleines Publikum bestimmt sind. Ein Kinofilm wie "Wintermärchen" ist letztlich für ein viel kleineres Publikum gedacht und findet über einen längeren Zeitraum sein Publikum.

Jetzt gerade gibt es "Wintermärchen" bei Amazon Prime Video.

JAN BONNY: Lustig, nicht? Das finde ich auch ganz spannend, wie sich das verändert hat. Vor zehn Jahren wäre ein Film wie "Wintermärchen" vielleicht weg gewesen. Jetzt hat der vielleicht ein recht langes Nachleben und findet auch woanders sein Publikum. Ein "Tatort" findet immer ein großes Publikum und bewegt dementsprechend auch mehr Leute. Aber der begeistert dann auch Menschen, die mit solch einem Film nicht gerechnet hätten. Ich habe eine großen Spaß am "Tatort". Ich finde es wichtig, dass man sich da ins Zeug legt und nicht nach Schema F abarbeitet, sondern den aufregendsten Film macht, den man machen kann. Das hat doch jeder, der dafür anderthalb Stunden hergibt und sich freut, auch verdient. Und wenn man das mal nicht so gut fand, dann kann man sich danach ja wieder bei "Maischberger" oder so entspannen. Ich mag diese Einbindung in ein Programm, diese Wechsel sind ja was Tolles und eigentlich auch sehr schön wild.

Schauen Sie am nächsten Tag die Einschaltquoten und lesen auch das Feuilleton, oder halten Sie das eher von sich weg?

JAN BONNY: Weder noch, das hängt von der Stimmung ab. Das kann man gar nicht verallgemeinern. Manchmal ist man mit dem Kopf schon wieder bei einem anderen Film, mal aber auch noch ganz nah an dem, der da plötzlich wieder an der Oberfläche auftaucht. Ich finde das immer lustig und interessant. Manchmal ist es so, dass ich erst drei Wochen später nachlese, was da alles passiert ist. So ein Film gehört einem ja nicht mehr, wenn man ihn fertig gemacht hat. Gerade bei so einem Film wie jetzt "Wir wären andere Menschen", der so viele Ellipsen und Leerstellen besitzt, ist der Zuschauer gefordert. Den macht erst der Zuschauer zur vollständigen Erzählung mit seinen eigenen Erfahrungen und Ängsten.

Bei Ihrem "Tatort: Ich hab im Traum geweinet" war es gerade eine Stärke, dass er sich schnell von dem reinen Kriminalfall löst und sich vollständig auf die Figuren konzentriert.

JAN BONNY: Das fand ich auch ganz schön, auch wenn ich finde, dass er ganz klassisch ist. Alles dreht sich um die zentralen Fragen und dient der Annäherung an die Tat. Es gibt keine getrennte Welt der Kommissare und der Anderen. Die stecken alle im gleichen Schlamassel. Wir beleuchten auch die gleichen Themen nur von anderen Seiten. Aber das muss auch nicht immer sein. Mir würde auch mal wieder eine Geschichte gefallen, wo ein wortkarger Kommissar oder eine wortkarge Kommissarin gerade durch ermittelt und es nur dann mal privat wird, wenn der statt einem zwei Bier in der Kneipe bestellt, aber ansonsten ganz froh ist, in Ruhe Fussball zu kucken.

Aber dieses sehr leichte Erzählen mit sehr schwermütigen Figuren wie bei "Ich hab im Traum geweinet" hat schon sehr gut funktioniert.

JAN BONNY: Ich mag den "Tatort" auch richtig gerne und wie er auf andere Menschen wirkt. Der "Tatort" ist schon irgendwie ein offenes Messer. Ich finde den schwermütigen Andrei Tacu, der den David Hans spielt, ganz toll. Das ist ein Schauspieler, der sensationell ist, den man aber zu unrecht ansonsten so wenig sieht. Das ist auch eine Männerfigur, die man selten sieht.

Eigentlich hätte dieser "Tatort" auch Potenzial für den Berlinale-Wettbewerb gehabt, wenn der denn im Kino gestartet wäre.

JAN BONNY: Wir haben recht lang gebraucht um den "Tatort" fertig zu bekommen. Ich habe mal gedacht, der Berlinale den Film zu schicken. Aber so was können die eigentlich nicht machen. Ich muss aber auch ehrlich sagen: Das Tolle am "Tatort" ist, dass es ein Fernsehstück ist, das nach Hause in die kleine Kiste gehört. Fernsehen ist auch das moderne Mitternachtskino und Gebrauchsware auf eine ehrliche Art. Der "Tatort" geht in die Mitte der Bevölkerung rein. Deswegen bin ich auch der Redakteurin Katharina Dufner und dem SWR dankbar, dass sie auch Spass daran haben, solche Filme zu machen.

Wäre es für Sie reizvoll, auch mal über eine gesamte Serienstaffel Figuren zu erzählen?

JAN BONNY: Ja, aber es müsste dann passen. Ich kann mir schon vorstellen, eine mehrteilige Serie zu machen. Wir haben eine ganze Zeit lang was zu einem Politikthema entwickelt. Aber ich mag auch schon gerne die 90 oder 110 Minuten. Bei einer Serie besteht oft das Risiko, auch wenn es nicht passieren muss, dass die erzählerisch breit und redundant wird. Ich finde das elliptische Erzählen ist mit das stärkste filmische Mittel überhaupt. Damit zu arbeiten, ist die große Herausforderung bei der klassischen Spielfilmlänge.

Wie wichtig ist der TV-Redakteur oder die TV-Redakteurin als Gegenpart bei Ihren Filmprojekten?

JAN BONNY: Redakteur zu sein, ist ein spannender Job - in der Weise, wie man Projekte initiieren oder Filmemacherinnen und Filmemacher unterstützen, bremsen oder begeistern kann. Wie man Stoffe und Leute zusammenbringt, das ist schon ein ganz wichtiger Beruf. Und das ist ja normal, mit dem einen versteht man sich besser oder schlechter. Das wird auch ganz unterschiedlich ausgefüllt: Mal ist der Redakteur die Stimme des Senders, mal Partner in der Auseinandersetzung mit den Senderstrukturen. Man lernt mit jedem mal und findet in dem System auch ganz großartige Redakteure, die die Filme genauso lieben wie wir. Wir arbeiten doch letztlich alle zusammen.

Mit dem Regisseur Dominik Graf haben Sie in der Branche einen ganz prominenten Fürsprecher. Er schreibt hymnische Texte über Sie, setzt Sie auf Lieblingsfilm-Listen. Wie ist da das Verhältnis?

JAN BONNY: Och ja, das ist schon sehr nett von ihm. Ich glaube, wir schätzen uns schon gegenseitig. Wir laufen uns hin und wieder über den Weg. Und alle Jubeljahre trinken wir mal ein Bier zusammen. Er arbeitet ja auch viel, lebt in München, ich in Köln, so ist das halt. Aber er ist für mich einer der wichtigsten deutschen Filmemacher der letzten 20 bis 30 Jahre. Es gibt auch Schauspielkollegen, die wir gleichermaßen schätzen. Wir haben beide Spaß am Arbeiten. Unser Vergnügen am Filmemachen kommt sehr aus dem körperlichen Vorgang des Filmemachens an sich heraus, glaub' ich. Das verbindet uns vielleicht. Und er hat ja auch einen der schönsten Filme über meine Heimatstadt Düsseldorf gedreht.

Welchen meinen Sie?

JAN BONNY: "Die Katze". Aber auch "Die Sieger" spielt in Düsseldorf und fängt mit einer Autofahrt über die Rheinkniebrücke mit einer ganz fantastischen Musik an. Den habe ich auch schon mal zitiert, weil ich das so schön finde. Mit dem Künstler Alex Wissel mache ich manchmal Filmarbeiten, die eher in der bildenden Kunst stattfinden. Ein Projekt hieß "Single", wo neben bildenden Künstlern auch Schauspieler wie Lars Eidinger und Sibel Kekilli mitgemacht haben. Ein anderes Projekt "Rheingold" mit Matthias Brandt drehte sich um den Kunstberater Helge Achenbach, der die Aldi-Familie betuppt hat, indem er dieser Kunst zu höheren Preisen mit gefälschten Rechnungen verkauft hat. Das haben wir als Premiere mit dem Filmfest München im Haus der Kunst gezeigt. Darauf hin sprach uns die Berliner Volksbühne an, und wir haben daraus noch ein Theaterprojekt mit Bibiana Beglau und Joachim Król gemacht, hiess auch "Rheingold". Na und daraus wiederum haben wir den 90-minütigen Film "Jupp, watt hamwer jemaht?" montiert, der vergangenes Jahr auf dem Filmfest München lief. Jedenfalls haben wir bei "Rheingold" auch die Düsseldorf-Bilder und die Musik von Dominik Graf zitiert.

Was planen sie als Nächstes?

JAN BONNY: Bevor ich nochmal einen langen Film mache, fange ich im Winter mit den Proben zu einem Heiner-Müller-Theaterstück mit Aenne Schwarz am Schauspielhaus in Basel an. Ich habe noch nie so richtiges Theater gemacht. Dieses Volksbühnenprojekt war eine erste, sehr theaterhafte Arbeit - im Theaterraum, aber für die Kamera entstanden.

Und das Filmprojekt?

JAN BONNY: Wenn alles gut geht, mache ich einen Film über Heinrich Heine. Über einen bestimmten Teil der Biografie oder auch eine bestimmte Beziehung in der Biografie.

Dann auch mit Matthias Brandt?

JAN BONNY: Er wäre dann vielleicht eher Heines Onkel Salomon, wenn er Lust hat. Heine ist aus vielen Gründen auch für die Gegenwart eine ganz interessante Figur, gerade auch jetzt als politischer Künstler und letzter Romantiker. Er war vielleicht der wichtigste Romantiker und hat gleichzeitig die Romantik beendet.

Heine inspiriert sie ja auch schon länger bei Ihren Filmtiteln.

JAN BONNY: Ja, der ist halt auch Düsseldorfer und hat mich auch deswegen schon immer begleitet, als Kind schon. Der taucht auch immer wieder in meinen Filmen auf. "Wintermärchen" ist ja ganz offensichtlich im Titel, wobei das auch eine Verballhornung des "Sommermärchens" war. Beim "Tatort: Ich hab im Traum geweinet" ist es auch offensichtlich im Titel. Im "Polizeiruf 110: Der Tod macht Engel aus uns allen" singt der Polizeichor die Loreley. Und hier und da, immer wieder taucht der auf. Aber bei der Loreley ist es natürlich schön, wenn da diese tragischen Männer in ihren Hemden im Münchner hellblau und rosa stehen und "ich weiss nicht was soll es bedeuten, wenn ich so traurig bin" singen.

Das Interview führte Michael Müller