Kino

Kino-Wiedereröffnungen in Deutschland: Hundstage

Rund drei Wochen müssen die deutschen Kinos noch bis zum ersten großen Blockbuster-Start ausharren. Der Monatsanfang jedenfalls geriet nicht zuletzt aufgrund des Hochsommerwetters zu einem neuerlichen Rückschritt.

03.08.2020 13:50 • von Marc Mensch
"Master Cheng in Pohjanjoki" landete als bester Neustart mit knapp 10.000 Besuchern auf Platz 4 (Bild: MFA (Filmagentinnen))

Licht und Schatten lagen für die Kinos in der vergangenen Woche eng beieinander - zumindest dann, wenn man (wie es zum Beispiel Cineworld und Vue tun) den Deal zwischen AMC und Universal auf der Schattenseite einordnet. Der österreichische Marktführer Cineplexx z.B. hatte sich diesbezüglich deutlich positiver geäußert. Zweifelsohne in die Kategorie "Licht" fällt indes, worüber wir bereits zuvor an dieser Stelle spekuliert hatten: Warner bringt Tenet" tatsächlich Ende August unter anderem in die deutschen Kinos.

Wie enorm wichtig diese Blockbuster-Infusion ist, machte das vergangene Wochenende überdeutlich. Denn in dem Maße, in dem die Temperaturen stiegen, gingen die Besucherzahlen weiter in den Keller - und das bekanntermaßen von einem Niveau aus, das ohnehin fernab jeglicher Wirtschaftlichkeit ist. Womöglich könnte man konstatieren, dass die Zahlen angesichts des Hochsommerwetters und des Ausbleibens hochkarätiger Neustarts durchaus noch schlechter hätten ausfallen können, als sie es tatsächlich taten - allerdings wäre das ein denkbar schwacher Trost.

Vorläufigen Zahlen von ComScore zufolge ging es gegenüber dem Vorwochenende jedenfalls um 18 Prozent bei den Besuchern auf knapp 239.000 und um 16 Prozent beim Boxoffice auf gut 1,8 Mio. Euro zurück. Wobei anzumerken ist, dass die vorläufige Zählung aufgrund von Nachmeldungen schon in den vergangenen Wochen jeweils in der Folgewoche leicht nach oben korrigiert worden war und dies insbesondere für das zurückliegende Wochenende gelten könnte. Denn bei ComScore geht man nicht nur davon aus, dass die aktuell erfasst Zahl von 834 wiedereröffneten Kinos durch Nachmeldungen (wie üblich) noch steigen wird - sondern dass sie dies über den angepassten (von 835 auf 847) Wert der Vorwoche hinaus tun wird.

Nach erster Einschätzung von ComScore gibt es also keinen Rückgang bei der Anzahl geöffneter Häuser, allerdings kommt es schon dadurch zu Verzögerungen bei der Zahlenerfassung, dass tatsächlich etliche Kinos nur wenige Tage pro Woche geöffnet haben und damit "verspätet" melden. Insofern sind die vorläufigen Zahlen wie schon mehrfach angemerkt, vorwiegend ein Richtwert, der allerdings durchaus belastbar genug ist, um Trends abzulesen.

Einer diese Trends lautet leider: Der Rückstand gegenüber dem Vorjahr wächst und wächst. Gemäß der nun vorliegenden Erhebung liegt er nach Besuchern bereits bei rund 57, nach Umsatz bei gut 58,3 Prozent. Die wiedereröffneten Kinos lagen zuletzt um 36 Prozent nach Besuchern und 44 Prozent nach Boxoffice unterhalb der unteren Benchmark (schlechtestes "reguläres" Wochenende der vergangenen fünf Jahre), zum "mittleren Wochenende" fehlten 83 bzw. 86 Prozent. Der Durchschnittsumsatz pro regulärem wiedereröffnetem Haus fiel auf gut 1834 Euro, der bisherige Bestwert in der Corona-Zeit hatte Anfang Juli bei rund 3006 Euro pro Standort gelegen. Am vergleichsweise besten (und das mit Abstand) schnitt am vergangenen Wochenende der Verleihbezirk Berlin ab, wo die wiedereröffneten Kinos (60 Prozent der dortigen Standorte) es auf 79 Prozent der unteren Benchmark brachten. Schlusslicht war ComScore zufolge diesmal der Verleihbezirk Düsseldorf mit 56 Prozent.

Während Unhinged" einmal mehr für die meisten Umsätze und Paw Patrol: Mighty Pups" für die meisten Besucher sorgten (und sich Meine Freundin Conni" der Marke von 200.000 Besuchern nähert), gelang zwei Neustarts der Einstieg in die Top Ten nach Umsatz. Master Cheng in Pohjanjoki" schaffte auf Rang 4 dabei fast 10.000 Besucher und einen Kopienschnitt von 72 - den besten in der Top Ten. "100 Jahre Salzburg - Jedermann" steuerte gut 2300 Besucher bei, was in der vorläufigen Charts dank der teureren Tickets für Platz 10 gut war (in der finalen ComScore-Chart stehen 2560 Besucher und 58.505 Euro Umsatz zu Buche, was sogar für Platz 8 reichte). Unmittelbar vor dem 100.000sten Besucher stand am Ende des Wochenendes Scooby! Voll verwedelt" von Warner, der in zahlreichen Kinos wegen des kurzen Fensters vor der Digitalauswertung nicht zum Einsatz kommt.

Noch ein Blick auf Österreich und die Niederlande: In beiden Ländern markierte das vergangene Wochenende einen erheblichen Rückschlag auf der "Road to Recovery". In Österreich hatten die geöffneten regulären Häuser am vorletzten Wochenende die untere Umsatz-Benchmark (trotz schon damaliger Rückgänge) noch um zwei Prozent übertroffen, jetzt fehlten wieder 24 Prozent. Noch drastischer ging es in den Niederlanden bergab, wo aus einem Umsatzvorsprung gegenüber dem schlechtesten Vergleichswochenende von 29 Prozent ein Rückstand von 37 Prozent wurde. Die Besucherzahlen haben sich dort gegenüber dem Vorwochenende mehr als halbiert.