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Filmfest München Pop-Up Diary #4: Lebendigkeit schlägt Perfektion

Vierter Film der Pop-up-Ausgabe des Filmfest München: "Exit" von Sebastian Marka. Christoph Gröner, Künstlerischer Leiter des Filmfest München, berichtet in seinem Festival-Tagebuch von seinen Eindrücken und Impressionen.

01.08.2020 11:53 • von Thomas Schultze
Bessere Rahmenbedingungen als gestern konnte es für die Premiere von "Exit" nicht geben (Bild: Filmfest München)

Vierter Film der Pop-up-Ausgabe des Filmfest München: "Exit" von Sebastian Marka mit Friedrich Mücke. Christoph Gröner, Künstlerischer Leiter des Filmfest München, berichtet in seinem Festival-Tagebuch von seinen Eindrücken und Impressionen.

Das vierte Filmfest München Pop-Up blickte in eine dystopische Zukunft, in der die Algorithmen dafür gesorgt haben, dass der Mensch auch nach dem Tod als perfekte digitale Kopie in der Cloud weiter lebt. Verlässliches menschliches Miteinander kommt abhanden - anders als bei der Premiere von "Exit" von Sebastian Marka, wo der Open Air-Bereich diesmal bis zum letzten verfügbaren Platz belegt war. Party-Atmosphäre (Corona-konform versteht sich) im Pop-Up Autokino München.

"Exit", als Auftragsproduktion für den SWR von den Deutscher Filmpreis-Gewinnern Sommerhaus Filmproduktion gestaltet, - und durch seine großen Bilder, Twists und eine 5.1. Dolby-Mischung (!) eigentlich für die große Leinwand prädestiniert -, feierte bei Hochsommer-Temperaturen vor zahlreichen Branchengästen Premiere, die vom Liegestuhl-Bereich den Regisseur Sebastian Marka und Hauptdarsteller Friedrich Mücke im vorfahrenden Red Car mit einer La Ola begrüßten. Mücke freute sich im Hochsommer-Outfit mit Adiletten auch sichtlich über das Hup-Konzert nach Film-Abspann - bei seinem ersten Autokino-Erlebnis "seit ,Top Gun'".

Möglichkeiten und Risiken technischer Möglichkeiten auf der Leinwand, sie beschäftigen das Filmfest München derzeit stark. Von Zukunftsplanungen für 2021 bis hin zu einem intensivierten Ansatz für Social Media. Wir Kuratoren vom Filmfest München spielen nun stärker mit den Möglichkeiten. In einer auffasernden Öffentlichkeit ist deutlich zu spüren, dass wir damit Twens besonders gut erreichen - die auffallend häufig auch im PopUp-Autokino zum Publikum gehören. Auf dem Filmfest München-Kanal haben wir mittlerweile ein eigenes Interviewformat für Instagram gestartet, "Und Du so?", bei dem Julia Weigl und ich in maximal zehn Minuten bisher etwa Saralisa Volm oder eben Friedrich Mücke (vor der "Exit"-Premiere) interviewt haben. Jeweils tausend junge Zuschauer sehen das. Der Schlüssel dabei ist natürlich: Menschlich bleiben, kein perfektes Licht, keine perfekte Präsentation, dafür Unmittelbarkeit, die unsere Gesprächspartner unterhaltsam nutzen.

4 von 8 Pop-Ups liegen hinter uns - wir haben Bergfest und sind dankbar, dass jedes Mal etwa 350 Zuschauer gemeinsam Kultur erlebt haben. Wir treten damit wie viele andere (in Simmern gehen unter der Schirmherrschaft von Edgar Reitz in wenigen Tagen die Heimat Europa Filmfestspiele open air an den Start, in München starten jetzt die Filmkunstwochen in den Kinos) gegen ein neues kulturelles Biedermeier an: Weg von der Couch, raus ins Kinoerlebnis!

Bei uns dann wieder am 12. August, wenn es nach kurzer Pause bei uns heisst: Hello Again - Ein Tag für Immer" - und zwar mit Stars wie Alicia von Rittberg, Edin Hasanovic und Emilia Schüle unter der Regie von Maggie Peren - und einen Monat später wird der Film von Warner Bros ins Kino gebracht!