Kino

HDF fordert geringeren Mindestabstand in den Kinos

Seine Forderung nach einem geringeren Mindestabstand zwischen den Kinobesuchern stützt der HDF Kino auf die Ergebnisse einer vom Hermann Rietschel-Institut der TU Berlin durchgeführte Atemluftstudie.

24.07.2020 10:35 • von Jochen Müller
Christine Berg, Vorstandsvorsitzende des HDF Kino (Bild: HDF Kino)

Auf Basis der Ergebnisse einer Atemluftstudie des Hermann Rietschel-Instituts der TU Berlin fordert der HDF Kino eine Reduzierung des Mindestabstands zwischen den Besuchern in den Kinos, um dort eine höhere Auslastung zu ermöglichen.

Christine Berg, Vorstandsvorsitzende des HDF Kino: "Die Studie des HRI zeigt, wie äußerst gering die Aerosolbelastung und damit das Risiko des einzelnen Besuchers im Kinosaal in der momentanen Situation überhaupt ist. Wir fordern daher, die dieser Studie zugrundeliegende Abstandsregelung von 1,5 Metern bundesweit zu reduzieren, da offensichtlich ist, dass die Sicherheit unserer Gäste auch mit einem geringeren Abstand in jedem Fall gewährleistet ist. Die Kinos können mit der noch in fast allen Bundesländern geltenden Abstandsregelung nur maximal 20 Prozent ihrer Kapazitäten auslasten, was sich wiederum negativ auf die Starttermine neuer Filme auswirkt. Nur wenn die deutschen Kinos ihre Kapazitäten erhöhen können, wird es verstärkt neue Filme geben. Und nur dann sind die Kinos in der Lage, diese Krise überhaupt zu überleben."

Die am Hermann Rietschel-Institut (HRI) der TU Berlin in der ersten Julihälfte durchgeführte Studie war zu dem Ergebnis gekommen, dass Menschen bei einem Kinobesuch nur einem Bruchteil möglicher Mengen von Aerosolen, die ein entscheidender Faktor bei der Übertragung des Coronavirus sind, ausgesetzt sind wie im Umfeld eines Büroarbeitsplatzes.

Untersucht wurden im Rahmen der Studie die Aerosolkonzentrationen in zwei unterschiedlich großen Kinosälen im Vergleich zu einer Bürofläche. Dabei wurden Parameter wie die Dauer des Aufenthalts im Raum (45 Minuten/180 Minuten), die Anzahl der infizierten Personen im Raum (eine Person/zehn Prozent der aktuell maximal zulässigen Personenzahl) und die Aktivität der Personen (während im Büro viel gesprochen wird, ist dies in Kinos kaum der Fall). Gemessen wurden bei der Untersuchung die von den Infizierten ausgestoßene Aerosolmenge.

Dabei kam die Studie zu dem Ergebnis, dass die eingeatmete Aerosolmenge im Kino unabhängig von der Zeit bei 0,3 Prozent der im Büro eingeatmeten Aerosolmenge liegt. Auch für den Fall, dass die Zahl der Infizierten in einem Kino bei zehn Prozent der derzeit maximal möglichen Kapazität liegt, liege die Aerosolkonzentration immer noch deutlich unter der, der Büromitarbeiter bei nur einem Infizierten ausgesetzt sind.

Als Gründe hierfür gibt die Studie vor allem an, dass in Kinos nicht oder kaum gesprochen wird als in Büros. Zum anderen nennt die Studie die in den Kinos angewandte Quellbelüftung. Hier strömt die frische Luft unter dem Sitzbereich in den Saal, erwärmt sich zwischen den Besuchern und steigt nach oben; die Luft im Atembereich ist hier deutlich weniger aerosolhaltig als die Luft in Büros, wo die so genannte Mischlüftung durchgeführt wird. In den Kinos könne der Studie zufolge außerdem der Frischluftanteil durch die Lüftung auf 100 Prozent angehoben werden; dies sei auch in den untersuchten Kinosälen im Alhambra-Kino in Berlin-Wedding geschehen. Auch seien die Lüftungsanlagen in den Kinos auf deutlich höhere Personenzahlen ausgelegt als im Büro; die Frischluftmenge in den Kinos sei daher "um ein Vielfaches höher als im betrachteten Büro", so die Studie.