Kino

Bayerischer Spitzen-Kinopreis geht nach Bamberg

In ungewöhnlichem, aber doch herzlichem Rahmen fand heute eine außergewöhnliche Verleihung der bayerischen Filmtheater-Programmprämien durch Digitalministerin Judith Gerlach statt. Namentlich geehrt wurden die drei Spitzenpreisträger.

15.07.2020 14:10 • von Marc Mensch
Staatsministerin Judith Gerlach und FFF-Geschäftsführerin Dorothee Erpenstein mit den drei Preisträger-Vertreter*innen Christoph Loster (Stadtkino Trostberg), Diana Linz (Lichtspiel Kino & Café Bamberg) und Sven Holl (Casino Aschaffenburg) (Bild: BF)

Es war in mehrfacher Hinsicht eine sehr ungewöhnliche Verleihung der Filmtheater-Programmprämien - und das durchaus nicht nur in bedauernswerter Weise. Denn auch wenn das alljährliche "Klassentreffen" der bayerischen Filmbranche Corona-bedingt in diesem Jahr vermutlich ganz wird ausfallen müssen und die Stimmung bei diesem Termin naturgemäß deutlich verhaltener als in vergangenen Jahren (aber doch optimistisch!) war, lässt sich auf der Habenseite verbuchen, dass mit der vorgezogenen Auszahlung der Prämien unter geänderten Maßgaben wenigstens ein weiterer Baustein bei der Unterstützung der Kinos in dieser historischen Krise zum Tragen kommt.

Wie bereits frühzeitig in der Phase des Shutdowns angekündigt, wurden die Prämien auf insgesamt 860.000 Euro verdoppelt - und verteilt wurden sie unter ganzen 83 bayerischen Kinos. Die Mittel für die Programmprämien wurden wie in den Vorjahren aus regulären Fördergeldern in Höhe von bis zu 450.000 Euro bestritten; sie stammen von den FFF-Gesellschaftern Freistaat Bayern, BR, ZDF, ProSiebenSat.1, RTL, BLM und Sky. Das Bayerische Staatsministerium für Digitales hatte diese Mittel um 410.000 Euro aufgestockt.

Vergeben wurden unter dem Strich 80 Mal 10.000 Euro sowie Spitzenpreise an drei Kinos, deren Vertrter*innen die heute persönlich von Digitalministerin Judith Gerlach, FFF-Geschäftsführerin Dorothee Erpenstein und Förderreferentin Birgit Bähr geehrt wurden - und das natürlich in einem Kino, dem Filmtheater am Sendlinger Tor.

Die Spitzenprämie in Höhe von 15.000 Euro ging an das Stadtkino Trostberg, ein vor zehn Jahren nach umfangreicher Modernisierung wiedereröffnetes Haus, wo man "Kinomachen auch als Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Themen unter Einbindung aller Gruppen und der ganzen Stadt" versteht, wie die Jury lobte.

20.000 Euro gingen an ein Kino, das bereits zwei Mal (2009 und 2015) für das beste Vorjahresfilmprogramm im Freistaat ausgezeichnet worden war: das Casino Aschaffenburg. "Das Publikum erlebt hier ein höchst engagiertes Team im Stile guter Gastgeber mit originellen Ideen, die den Kinobesuch zum Erlebnis machen", lobte die Jury ein Filmtheater, das sich nicht zuletzt in besonderer Weise um den Kinonachwuchs bemüht.

Über die höchste Prämie in diesem Jahr - 25.000 Euro - konnten sich die Betreiberinnen des Lichtspiel Kino & Caféin Bamberg freuen. "Der gesellschaftliche Diskurs hat oberste Priorität, aber auch das Arthousewohlfühlkino wird mit originellen Events und besonderen kulinarischen Angeboten zelebriert. In fein abgestimmten Reihen kommen die Zuschauer/innen in den Genuss, die außergewöhnlichsten Geschichten zu sehen, die vielfach von einem Regiebesuch, von Diskussionen oder Moderatoren begleitet werden. Besonders großen Wert wird auf das Kinder- und Jugendprogramm gelegt, hier entwickelt das Geschäftsführungsduo Diana Linz und Gerrit Zachrich geradezu meisterhafte Konzepte und macht mit cineastischen Perlen das Kino zum Ort der Begegnung und des Lernens", hieß es auszugsweise in der Jurybegründung.

In ihrer Ansprache vor der Verleihung lobte Ministerin Gerlach nicht zuletzt das "Herzblut", mit dem Kinobetreiber*innen die Phase der Wiedereröffnungen angingen - zeigte sich jedoch realistisch, was die Schwierigkeiten der nächsten Wochen und Monate anbelangt. Hoffnung auf baldige weitere Lockerungen (seit heute gelten neue Höchstgrenzen für Veranstaltungen) konnte sie naturgemäß nicht machen, zumal Corona "noch nicht vorbei" sei - und man erst recht nicht wisse, was im Herbst (sprich: der Erkältungszeit) passiere. Umso mehr wollte sie die deutlich aufgestockten Prämien als Signal verstanden wissen, "dass auch in dieser schwierigen Zeit qualitativ hochwertiges Kinoprogramm honoriert wird".

Laut Dorothee Erpenstein machten die Prämien - die ja die Leistungen des Vorjahres würdigen - "einmal mehr bewusst, was für tolle Kinos wir in ganz Bayern haben". Ihre "großartige Leistung" zeige ihr Potenzial für die Zukunft, Wmit Engagement und Kreativität ihr Publikum zu erreichen".

Ein Wort noch zu den Gastgebern, der Familie Preßmar: Sie arbeitet weiter unter dem Damoklesschwert einer Auflösung des Pachtvertrages durch die Eigentümer der Immobilie. Dass die eigentlich schon zum 30. Juni ausgesprochene Kündigung noch keine Wirkung entfaltet hat, liegt daran, dass diese nicht von allen Mitglieder der Erbengemeinschaft getragen und somit rechtlich umstritten ist. Ein Umstand, der das Filmtheater schon vor einigen Jahren gerettet hat.