Kino

Leserbrief: "Das sind immer noch Peanuts"

Als Reaktion auf den offenen Brief von Cineplex und die darauf basierenden Anregungen von Sven Andresen hat Markus Grab einen eigenen Vorschlag für einen "sehr unbürokratischen" Ansatz formuliert, um in der Wiedereröffnungsphase der Kinos Anreize für attraktive Filmstarts zu schaffen.

15.07.2020 10:00 • von Marc Mensch
Markus Grab schlägt eine Lösung vor, die Erfolg in der schwierigen Anlaufphase zusätzlich belohnen würde (Bild: Markus Grab)

Mit einem offenen Brief, der direkt an Constantin-Vorstand Martin Moszkowicz adressiert war, sich aber an alle Verleiher richtet, hat Cineplex Deutschland die Debatte um ein Kernproblem in der Wiedereröffnungsphase der deutschen Kinos weiter befeuert: jene über den Mangel an großen Neustarts. Sven Andresen hatte darauf in einem Leserbrief umgehend mit einem Vorschlag reagiert, wie sich über eine Absenkung des Verleihrisikos Anreize für vorgezogenen Starts schaffen ließen, nun hat Markus Grab von InsideKino in einem weiteren Leserbrief einen eigenen Vorschlag unterbreitet, wonach Erfolg in dieser schwierigen Phase zusätzlich belohnt werden sollte.

Hier der Leserbrief im Wortlaut:

"Bezugnehmend auf die von Kim Ludolf Koch angestoßene Diskussion über den Start deutscher Produktionen, möchte ich gerne Sven Andresens Vorschlag einer "Sonderförderung" aufgreifen.

Warum neue Gremien schaffen, wenn der Anreiz, attraktive deutsche Filme zu starten, auch leichter zu bewerkstelligen ist?

Wie wäre es, wenn die FFA alle geförderten Filme, die noch in 2020 gestartet werden, mit ein bis zwei Euro für jedes gelöste Ticket beim verantwortlichen Verleih belohnt?

Diese "Belohnung" hätte denselben Zweck wie die von Sven geforderte Ausfallbürgschaft für im Kino nicht erwirtschaftete Erlöse und wäre sicherlich sehr unbürokratisch.

Zudem könnte man diesen nachträglichen "Ticketzuschlag" auch noch staffeln. Zum Beispiel könnte es bis 500.000 Besucher einen Euro pro Ticket geben, bis 750.000 dann 1,25 Euro, ab einer Million Besucher 1,50 Euro etc.... Das hätte den gewollten Nebeneffekt, dass der Anreiz für Verleiher, besonders attraktive Filme noch in diesem Jahr zu starten, noch höher wäre, und die Kinos brauchen ja genau diese Filme, um die Hollywood-lose Zeit zu überbrücken.

Und seien wir doch ehrlich, solange die Corona-Kurve in den USA so verläuft, wie sie es augenblicklich tut, dann können wir in den nächsten Monaten mit keinen großen Hollywood-Produktionen rechnen...

Dieser unbürokratische "Ticketzuschlag" für geförderte Filme würde natürlich ein paar Millionen kosten, aber das sind immer noch Peanuts, wenn man bedenkt, dass der Bund fast 220 Milliarden Euro Schulden gemacht hat, um die Wirtschaft aufzupäppeln. Und auch an der Film- und Kinobranche hängen Tausende Arbeitsplätze...

Dementsprechend dürfen selbstverständlich auch die Kinos nicht vergessen werden. Ein Betriebskostenzuschuss oder ein ähnlicher "Ticketzuschlag" für die Kinos würde sicherlich helfen, unsere geliebte Branche zu retten.

Beste Grüße aus Augsburg,

Markus Grab (InsideKino)"