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Weinstein-Einigung gekippt

In einer Anhörung zu einer Anfechtungsklage einiger Missbrauchsopfer von Harvey Weinstein hat der New Yorker Generalstaatsanwalt Alvin Hellerstein der Ende Juni getroffenen Entschädigungsvereinbarung seine Zustimmung verweigert.

15.07.2020 08:39 • von Jochen Müller
Harvey Weinstein (Bild: imago images / ZUMA wire)

In einer kurzen telefonischen Anhörung hat der New Yorker Generalstaatsanwalt Alvin Hellerstein der Ende Juni getroffenen Entschädigungsvereinbarung für die Missbrauchsopfer des einstigen Erfolgsproduzenten Harvey Weinstein seine Zustimmung verweigert. Angesetzt worden war die Anhörung, nachdem einige der Opfer gegen die Vereinbarung, die eine Entschädigungssumme von insgesamt rund 19 Mio. Dollar vorsieht, per Sammelklage Einspruch erhoben hatten (wir berichteten).

"Auf der Basis des Studiums der Aktien, der Unterlagen zum Einspruch und der Fehler, die ich bereits festgestellt habe, kann ich dieser Vereinbarung nicht zustimmen", erklärte Hellerstein nach der Anhörung.

Hauptkritikpunkt an der Vereinbarung in dem jetzt erhobenen Einspruch, ist, dass jedes der Opfer nur rund 10.000 bis 20.000 Dollar an Entschädigung bekommen soll. Im Gegenzug dazu sei die Schuld von Weinstein, seines Bruders Bob und der Weinstein Company gesühnt. Die Weinsteins selbst bekämen im Zuge des Deals rund 15 Mio. Dollar für ihre Verteidigung im Rahmen der gerichtlichen Auseinandersetzung bezahlt.

Während Weinsteins Anwälte nach der 20-minütigen Anhörung kurz und knapp erklärten, man werde sich die Entscheidung ansehen und nächste Schritte überprüfen, erklärte Gloria Allred, eine der Opferanwältinnen: "Die Entscheidung von Richter Hellerstein hat eine Vereinbarung, die von den Frauen verlangt, erneut schlecht behandelt zu werden, indem sie niedrige Summen akzeptieren und im Gegenzug Harvey Weinstein und alle seine Mitwisser aus der Schuld zu entlassen, korrekterweise demontiert. Über alle dem sah sie vor, dass Harvey Weinstein, sein Bruder und die Anwälte mehr Geld bekommen als die Frauen, die er missbraucht hat. Wir werden weiter für wahre Gerechtigkeit gegen Weinstein und ein System, dass ihm ermöglicht hat, einen Missbrauch über Jahrzehnte hinweg zu begehen, kämpfen."

Im März dieses Jahres war Harvey Weinstein wegen sexuellen Missbrauchs in mehreren Fällen zu einer 23-jährigen Haftstrafe verurteilt worden. Gegen diese Verurteilung strebt er aktuell ein Berufungsverfahren an, das noch aussteht.