Kino

Leserbrief: "Verantwortung für den deutschen Filmmarkt"

Der Appell von Cineplex Deutschland an die Constantin und andere Verleiher mit lokalem Produkt stößt in der Kinobranche auf Zustimmung. In einem Leserbrief ergänzt Sven Andresen den Aufruf um einen interessanten Vorschlag.

14.07.2020 16:30 • von Marc Mensch
Macht sich weiter Gedanken über die Filmversorgung in der Wiederanlaufphase für die Kinos: Sven Andresen (Bild: Sven Andresen)

Mit dem offenen Brief und dem darin formulierten Appell an die Constantin (sowie ausdrücklich auch andere Verleiher) spricht Cineplex Deutschland vielen Kinobetreibern offenbar aus der Seele - so zumindest das Stimmungsbild schon wenige Stunden nach Veröffentlichung.

Nach einem vielbeachteten Leserbrief zur mangelnden Filmversorgung in der Phase der Wiedereröffnung hat sich Sven Andresen nun erneut umgehend zu Wort gemeldet - und dabei nicht nur seine Zustimmung bekundet, sondern auch einen interessanten Vorschlag skizziert, wie Verleiher zu früheren Starts im aktuellen Umfeld bewegt werden könnten. Tatsächlich ist dieser Vorschlag nicht nur interessant - sondern er wird Informationen aus Branchenkreisen zufolge tatsächlich bereits an entsprechender Stelle diskutiert.

Hier der Leserbrief im Wortlaut:

"Lieber Kim Ludolf Koch, liebe Cineplexer!?Ich bin voll und ganz bei Euch! Ihr sprecht mir aus der Seele.

Ich würde gern noch einen Vorschlag hierzu machen. Viele nationale Filme sind mehr oder weniger gefördert. Lässt sich daraus nicht auch eine gewisse Verantwortung für den deutschen Filmmarkt herleiten?

Wenn Ausnahme für eine schnelle VOD - Veröffentlichung schnell und unbürokratisch von allen Gremien abgenickt werden können, ist es denn da undenkbar, dass die Förderer Verleiher "ermutigen" bereits fertiggestellte Filme nun zeitnah regulär dem Markt zur Verfügung zu stellen?

Und vielleicht geht man noch einen Schritt weiter - ein Gedanke, den meine Kollegin Birgit Gamke hatte: Warum übernimmt nicht ein Förderer oder der Bund eine Ausfallbürgschaft für im Kino nicht erwirtschafte Erlöse der Verleiher? Will sagen, 'Kaiserschmarrndrama' soll laut Einschätzung der Branche eine Mio. Besucher machen, sollte er jedoch wider Erwarten nur 800.000 Besucher generieren, kann die Lücke von Förderseite aufgefüllt werden.

Das bedarf natürlich einiger Spielregeln, aber die sollten schnell gefunden sein. So müsste zum Beispiel ein unabhängiges Gremium zunächst eine Liste von Titeln zusammenstellen, die sich für einen solchen Ansatz qualifizieren würden. Im besten Fall geht es am Ende wie eine Versicherung aus, weil gar nichts kompensiert werden muss, weil unsere Branche doch zu einigem fähig ist! Eine noch zielgerichtetere und sinnvollere Förderung kann ich mir kaum vorstellen.

Und allen wäre geholfen! Der Verleih hat quasi kein Risiko mehr und die Kinos können öffnen bzw. geöffnet bleiben und Ihren Gästen neue interessante Filme präsentieren und so die Besucher von einem sicheren Kinobesuch überzeugen.Die Förderer könnten der deutsche Filmbranche beim Überleben helfen und gleichzeitig könnten wir gemeinsam daran arbeiten, unseren Markt ein Stück weit von der amerikanischen Abhängigkeit zu emanzipieren."