Kino

Tobias Seiffert, Head of International Acquisitions Tobis Film: "Qualität war gut"

Wie haben die deutschen Einkäufer den diesjährigen Marché du Film erlebt, der nur virtuell abgehalten werden konnte? Hier berichtet Tobias Seiffert, Head of International Acquisitions & Co-Productions Tobis Film.

14.07.2020 13:00 • von Barbara Schuster
Tobias Seiffert (Bild: Tobis Film)

Wie haben die deutschen Einkäufer den diesjährigen Marché du Film erlebt, der nur virtuell abgehalten werden konnte? Hier berichtet Tobias Seiffert, Head of International Acquisitions & Co-Productions Tobis Film.

Wie haben Sie den diesjährigen Marché du Film erlebt, der aufgrund der Corona-Pandemie nur virtuell stattfinden konnte?

Größtenteils von meinem Küchentisch aus, die Wege waren dieses Jahr ja recht kurz. Nein, aber Spaß beiseite - wir haben viele Meetings individuell und vom Homeoffice aus wahrgenommen, aber in der Tat auch die interessanteren Präsentationen und Filme in unserem Screeningraum gestreamt. Einerseits für das Gefühl der großen Lein- wand, aber eben auch, um mehr Kolleginnen und Kollegen die Chance zu geben, sich einen Eindruck zu verschaffen - physisch vor Ort in Cannes ist dies ja so leider nicht für alle möglich. Die Qualität der Projekte war durch die Bank gut, und es war auch positiv, wieder eine gewisse Kontinuität durch den auch breiteren Austausch mit den Weltvertrieben zu bekommen. Natürlich war Corona ein bestimmendes Thema, davon abgesehen war es fast "business as usual", nur eben virtuell - eine gute Anzahl an Projekten, die eine entsprechende Vorbereitung bedingte, an den Tagen dann durchgehend Meetings, Präsentationen oder Filmsichtungen - nur diesmal ohne Flug und Ho- tel. Was gefehlt hat, war sicherlich die übliche Marktstimmung, aber ich denke unter den gegebenen Umständen haben wir mit unserem Team und die Branche an sich das Beste daraus gemacht.

Waren alle Möglichkeiten des Austauschs gegeben? Hat die Technik reibungslos funktioniert? Würde Ihnen die virtuelle Form künftig genügen?

Absolut - wir hatten keinerlei Probleme, weder auf der Marché- noch auf der CAA Market-Seite. Screenings, Präsentationen - für uns zumindest alles reibungslos. Die ein oder andere Konferenz auf der Marché-Plattform schien Probleme gehabt zu haben, aber hier waren wir nicht aktiv. Sicher, alles nicht ganz ohne Umstände - am Ende hatten wir fünf oder sechs verschiedene Meeting-, Telefon,- und Videokonferenzsysteme in Benutzung, aber mit entsprechender Vorbereitung auf technischer wie organisatorischer Seite - wobei der Dank dafür explizit an meine Kolleginnen vom Einkaufsteam geht - haben wir das gut hinbekommen: schlussendlich haben wir die Monate vorher die gleichen Tools ja bereits genutzt. Gefallen hat uns vor allem die Effektivität der Gespräche - und dann muss man auch sagen, dass anders als auf einem physischen Markt wirklich alle Termine pünktlich stattgefunden haben: mit den üblichen Wegen von Markt- stand zu Hotelsuite zu Kinosaal vor Ort in Cannes so gut wie nie machbar! Am Ende aber können natürlich alle technischen Hilfsmittel den direkten Kontakt nicht er- setzen. Und Effektivität ist nun mal dann doch nicht alles. Gefehlt hat uns allen der spontane Talk auf der Croisette, die Lunches, Dinners und ja, sicherlich auch die Drinks am Abend. Direkte Kommunikation lässt sich sicherlich via Zoom und Teams aufrechterhalten, aber unser Geschäft sind eben auch Emotionen, Visionen und Ideen, und die brauchen eine persönlichere Form des Austauschs in meinen Augen. Für uns insofern virtuelle Märkte bzw. Meetings ein willkommener Zusatz, aber bestimmt kein Ersatz.

Wie war generell die Stimmung? Wie schätzt man die Folgen der Pandemie im Ausland für den Kinomarkt ein?

Konzentriert, war unser Eindruck. Ohne ein Festival fehlte auch der übliche Buzz, die Gespräche über die Wettbewerbstitel, und die Frage, wer von den Mitbewerbern denn wohl was kaufen will oder schon hat - das ist online eben nur schwer replizierbar. Darüber hinaus viele Fragen von Sales Seite über die jeweils individuellen nationalen Märkte und wie wir als lokale Verleiher die jeweilige Situation einschätzen: insgesamt aber war der Tenor, dass es zu früh ist, hier eine allgemeine Aussage zu treffen, da die Märkte einfach zu unterschiedlich getroffen sind und dementsprechend unterschiedlich agieren was die Wiedereröffnung bzw. jeweiligen Hygienemaß- nahmen der Kinobranche angeht. Einig war man sich darin, dass das Publikum wieder zurück ins Kino will, dass es dafür das richtige Produkt braucht, und dass die Herausforderung, solange es noch keinen Impfstoff gibt, hier auch darin liegt, in sicherem Rahmen überhaupt drehen zu können.

Konnten Sie fündig werden? Wenn ja, welche Titel bringen Sie mit?

Wir sind nicht aktiv geworden. Die Qualität des Marktes war durchweg gut, interessante Projekte gab es, aber wir waren und sind in der komfortablen Position, dass wir aufgrund unserer Einkäufe auf den letzten Märkten, sowie der Tatsache, dass wir mehr Ressourcen in Eigen- und Koproduktion kanalisieren, weniger auf neue Einkäufe angewiesen sind. Den Dreh zu Otto Waalkes als "Catweazle" konnten wir nach dem allgemeinen Lockdown zu Anfang Juni wieder aufnehmen, "Weißbier im Blut" ist inzwischen abgedreht und mit unseren Einkaufstitel wie "The Father" bzw. "Ammonite" im Arthousesegment bzw. Gerard Butlers "Greenland" im Mainstreambereich haben wir spannende Projekte in der Pipeline.