Kino

Kino-Wiedereröffnungen in Deutschland: Zumindest der Trend stimmt

Die Anzahl der wiedereröffneten deutschen Kinos hat am vergangenen Wochenende zwar praktisch nicht zugenommen - dafür zeigte die Kurve bei den pro Haus erzielten Ticketumsätzen deutlich nach oben.

13.07.2020 16:09 • von Marc Mensch
Hielt sich auch ohne Schub bei den Wiedereröffnungen sehr gut: "Meine Freundin Conni - Geheimnis um Kater Mau" (Bild: Wild Bunch (Central))

Man muss in diesen Tagen ja schon für gute Nachrichten überschaubarer Tragweite dankbar sein - und hier konnte das vergangene Kinowochenende zumindest das eine oder andere deutliche Zeichen setzen. Denn auch wenn der Weg des deutschen Kinomarkts zurück zu halbwegs normalen Ergebnissen in Ermangelung von Blockbusterstarts enorm zäh ausfällt, stimmt aktuell doch wenigstens die Richtung.

Nun zeichnete sich schon das Wochenende des 2. Juli, zu dem die Anzahl der wieder geöffneten Filmtheater laut ComScore um 173 auf 594 gewachsen war, durch Werte aus, die die zwar sehr langsame, aber doch anhaltend positive Entwicklung unterstrichen. Im Fahrwasser von Neustarts wie "Meine Freundin Conni - Geheimnis um Kater Mau" und "Undine" hatte sich der (Gesamt-)Kinomarkt erstmals seit den bundesweiten Schließungen wieder Besucherzahlen deutlich jenseits der 200.000 erkämpft. Wiedereröffnete (reguläre) Kinos konnten an diesem Wochenende im Schnitt 2313 Euro mit dem Verkauf von Tickets umsetzen. Ein Wert, der im Regelfall natürlich noch himmelweit von jeglicher Wirtschaftlichkeit entfernt ist, aber doch mit Abstand den bisherigen Bestwert in der Phase der Wiedereröffnung dargestellt hatte.

Bis jetzt. Denn auch wenn man nicht oft genug betonen kann, dass wir nach wie vor von Zahlen sprechen, die den Spielbetrieb für etliche Kinos verlustreicher machen als die Schließung, ging es am zweiten Juli-Wochenende auch ohne ganz große Neustarts weiter aufwärts - obwohl laut ComScore nur ein einziges zusätzliches Kino den Spielbetrieb wieder aufnahm (zumindest netto, tatsächlich sollen in den vergangenen Wochen vereinzelte Betreiber auch bereits wieder den Stecker gezogen haben, um auf bessere Rahmenbedingungen zu warten), kletterte die Gesamtbesucherzahl auf gut 300.000, die Umsätze erreichten knapp 2,14 Mio. Euro.

Vor allem "Meine Freundin Conni" hielt sich mit einem Drop von unter 17 Prozent gut, auch zahlreiche andere Filme gaben gegenüber dem Vorwochenende vergleichsweise gering nach. Paw Patrol: Mighty Pups" konnte in AC-Auswertung an nur einem Tag fast 37.000 Besucher zählen (in sozialen Medien berichten Kinobetreiber davon, dass bei ihnen ohne die Kapazitätsbeschränkungen noch mehr drin gewesen wäre) und sich damit die Besucherkrone für das Wochenende aufsetzen und der aufgrund des Verleihmodells von den Ketten nicht eingesetzte "Scooby!" zählte immerhin fast 23.000 Besucher.

Auf die wiedereröffneten Kinos heruntergebrochen, stehen die Zahlen gegenüber dem Vorwochenende für einen deutlichen Schritt nach vorne. Die mit knapp 254.000 verkauften Tickets umgesetzten knapp 1,8 Mio. Euro standen für den neuen "Krisen-Bestwert" von gut 3006 Euro pro Haus. Nach Besucheraufkommen waren die wieder an den Start gegangenen Häuser zuletzt nur noch sieben Prozent vom schlechtesten Wochenende der vergangenen fünf Jahre vor Corona entfernt, beim Umsatz fehlten dank der teils deutlich vergünstigten Tickets noch 24 Prozent.

Die Gesamtmarktbetrachtung, die zwar einerseits temporäre Installationen erfasst, andererseits aber natürlich durch die Lücken aufgrund weiterhin geschlossener Kinos (rund die Hälfte der von ComScore erfassten Häuser sind noch zu) belastet wird, sieht diesbezüglich wie folgt aus: 29 Prozent fehlen zur schwächsten Besucherzahl eines Wochenendes der letzten fünf Jahre vor Corona, 41 Prozent beim Umsatz. Bei den Verleihbezirken zeigt sich Berlin mit einer recht koordinierten Wiedereröffnungen der Arthouse-Kinos am weitesten fortgeschritten: Hier wurden nach Zählung von ComScore bereits wieder 108 Prozent der Besuche des schlechtesten Wochenendes innerhalb von fünf Jahren erzielt, im Verleihbezirk Frankfurt hingegen nur 58 Prozent.

Besonders interessant fällt übrigens der Blick auf Österreich aus: Denn dort haben sich die wiedereröffneten Kinos laut Comscore der unteren Besuchermesslatte zuletzt auf zwei Prozent genähert, während jene beim Umsatz sogar um sechs Prozent überschritten wurde. Der Gesamtmarkt wiederum hing - nicht zuletzt dank der anhaltenden Schließung von Marktführer Cineplexx - beiden Mindestzielen noch um ganze 72 Prozent hinterher.

Ernüchternd bleibt natürlich der Blick auf die Vergleichswerte eines "durchschnittlichen" Wochenendes vor Corona. Hier fehlten den wiedereröffneten Kinos in Deutschland noch 75 Prozent der Besucher und 80 Prozent der Ticketumsätze, dem deutschen Gesamtmarkt 81 bzw. 85 Prozent. (In Österreich sind es hier jeweils ganze 92 Prozent...)

Noch ein Wort zu Open-Air-Kinos inklusive Autokinos: Deren Anzahl stieg am vergangenen Wochenende auch dank kurzfristig umgesetzter Pläne infolge weiterer Lockerungen auf den neuen Höchststand von 232 gegenüber 166 zu Anfang Juli, die Besucherzahlen legten (wohl auch infolge der Witterung) kaum zu.