Kino

AMC für anhaltende Krise abgesichert

Die weltweit größte Kinokette AMC hat Vereinbarungen zur Restrukturierung von Verbindlichkeiten treffen können, die den Konzern auch bei anhaltender flächendeckender Schließung über viele Monate über Wasser halten sollen.

13.07.2020 14:36 • von Marc Mensch
AMC soll der Corona-Krise auch ohne nennenswerte Einnahmen über Monate hinweg trotzen können (Bild: Frederic J. Brown/AFP/Getty Images)

Die Vorstellung von dem, was in der aktuellen Coronavirus-Krise für den Kinomarkt einen "Worst Case" darstellt, könnte sich gerade in den vergangenen Wochen durchaus noch einmal verdüstert haben. Denn gerade die Situation in den USA hat sich zuletzt teils dramatisch verschlechtert - und man darf durchaus annehmen, dass zu frühe Lockerungen, verbunden mit der weit verbreiteten Missachtung noch bestehender Regelungen Katalysator für die negative Entwicklung waren.

Auch wenn die Aussicht auf länger anhaltende Restriktionen in wichtigen US-Märkten - mit möglicherweise globalen Folgen für die Auswertung großer Filme - eine denkbar schlechte Nachricht ist, lässt sich doch zumindest auf der Habenseite verbuchen, dass es der in den USA marktführenden und gleichzeitig weltweit größten Kinokette gelungen ist, sich für einen erheblich längeren Schließungszeitraum abzusichern, als er derzeit antizipiert werden muss.

Neue Vereinbarungen zur Restrukturierung der massiven Verbindlichkeiten von AMC (die vor allem der Expansionsstrategie der vergangenen Jahre geschuldet sind) sollen dazu beitragen, die Schulden um bis zu 630 Mio. Dollar abzubauen (auf Basis der Zustimmungsquote von Gläubigern zum Zeitpunkt der Mitteilung wären es bereits gut 450 Mio. Dollar), Zinszahlungen zu verringern und dem Unternehmen bis zu 300 Mio. Dollar an liquiden Mitteln zuzuführen. Alleine 100 Mio. Dollar hiervon kommen vom Gläubiger Silver Lake Partners, der zugleich die Rückzahlungsfrist für Verbindlichkeiten in Höhe von 600 Mio. Dollar von 2024 auf 2026 verlängert hat.

Wie der US-Branchendienst Deadline unter Berufung auf Insider berichtet, soll diese Restrukturierung umfassend genug ausgefallen sein, um die Kette selbst dann noch wenigstens über das Frühjahr hinaus über Wasser zu halten, wenn es bis dahin bei einer flächendeckenden Schließung ihrer Standorte bliebe.

Aktuell plant AMC, die Wiedereröffnung des Großteils seiner Häuser am 30. Juli zu beginnen und nach Möglichkeit sämtliche US-Kinos bis zum Start von Tenet" wieder am Netz zu haben. Ein Zeitplan, der aber durchaus einmal mehr ins Wanken geraten könnte (s.o.). In Deutschland hat AMC-Tochter UCI jenseits der drei frühzeitig wiedereröffneten Standorte in Neuss, Flensburg und Hamburg-Othmarschen noch keinen konkreten Termin für einen flächendeckenden Restart bekannt gegeben, auch das Stammhaus in Bochum bleibt weiter geschlossen.

Auf der anderen Seite drängt AMC - neben anderen großen Playern - auf eine Perspektive an der US-Ostküste. Konkret verklagt wurde wegen ausbleibender Wiedereröffnungsperspektiven zwar der Staat New Jersey (wir berichteten), allerdings wird der vom Verband NATO stellvertretend für sechs Ketten beschrittene Rechtsweg auch als Signal an New York gewertet.

Der Börsenkurs von AMC war schon in Erwartung der Restrukturierung nach oben geklettert und konnte auch danach noch minimal zulegen. Mit 4,60 Dollar lag der letzte Kurs zwar weit über den Niedrigständen von März/April, aber doch deutlich unter dem bisherigen "Pandemiehoch" von Anfang Juni (6,45 Dollar), als man noch auf breite Wiedereröffnungen Anfang Juli hoffen durfte.