Kino

"Glauben Sie an Ihre Filme und an das Kino!"

In einem offenen Brief appelliert die Cineplex-Gruppe an Constantin-Vorstand Martin Moszkowicz, eine Reihe attraktiver deutscher Filme frühzeitiger auf die Leinwände zu bringen, als derzeit geplant - und damit einen enorm wichtigen Beitrag zur Stützung des Marktes zu leisten. Ein Appell, den sich laut Kim Ludolf Koch aber auch andere Verleiher zu Herzen nehmen sollen.

14.07.2020 12:47 • von Marc Mensch
"Ostwind - Der große Orkan" zählt zu den Constantin-Titeln, auf die die Kinobetreiber gerade sehnlich warten (Bild: Constantin)

Schon nach aktuellem Stand liegen vor den deutschen Kinos noch etliche Wochen, bevor die ersten US-Blockbuster starten - und bekanntermaßen lässt das Infektionsgeschehen in den USA derzeit eher damit rechnen, dass sich diese Zeitspanne noch verlängern könnte. Auch vor diesem Hintergrund hat Geschäftsführer Kim Ludolf Koch stellvertretend für die Gesellschafter der Cineplex-Gruppe an Constantin-Vorstand Martin Moszkowicz appelliert, eine Reihe attraktiver deutscher Filme frühzeitiger auf die Leinwände zu bringen, als nach aktuellem Stand (die Constantin hatte gestern eine ganze Reihe neuer Starttermine kommuniziert) geplant. Wie Koch ergänzend erklärt, steht der Appell an den Constantin-Vorstand stellvertretend für einen Aufruf, den Cineplex gerne an sämtliche Verleiher richten möchte, die den Kinomarkt in der schwierigen Anlaufphase insbesondere mit lokalem Produkt unterstützen können, dessen Auswertung nicht vom Infektionsgeschehen in anderen Märkten abhängig ist. Wir geben den offenen Brief im Wortlaut wieder:

"Lieber Martin Moszkowicz,

wer hätte gedacht, dass die Zeit, in der alle Kinos in Deutschland wieder spielen dürfen, grausamer wird als die Zeit der Schließung? Es vergeht kaum ein Tag, an dem kein Film mit noch so kleinen Besucherpotenzial verschoben wird. Die dramatische Entwicklung der Coronaepidemie an Ost- und Westküste Amerikas, in China und vielen anderen Märkten lässt nicht nur Pessimisten befürchten, dass es noch zahlreiche weitere Verschiebungen geben wird. 'Tenet' und 'Mulan' im August? Höchst unwahrscheinlich! 'Bond' im November? Zumindest fraglich! Und so sehr man die Verleiher verstehen kann, so grausam sind die Folgewirkungen, die diese auf die schönste Erfindung, seit Lumiere und Skladanowsky die bewegten Bilder erfanden, haben werden. Jede Woche ohne nennenswertes Programm für das breite Publikum schwächen die bereits stark angeschlagenen Kinos noch mehr und entfernen auch das Publikum immer weiter vom Filmerlebnis auf der großen Leinwand. Und auch Constantin scheint dem Intensiv-Patienten Kino nur mit kalten Umschlägen kurzfristig das Fieber senken zu wollen.

Nie machten so viele Deutsche während der Sommerferien Urlaub im eigenen Lande und der Filmmarkt ist leergefegt. Das Publikum ist bereit und alle Altersklassen wollen zurück ins Kino. Das zeigen auch die kleinen Erfolge der bisher gestarteten Filme. Doch für etwas ältere Kinder, Teenager und Erwachsene gibt es kaum ein attraktives Angebot, nachdem viele Filme verschoben, dem Kino entzogen oder zu eigenwilligen Bedingungen angeboten werden. Natürlich startet der eine oder andere kleine Film, allerdings ist Ware für Programmkinos eher darunter als für die größeren Filmpaläste.

Warum schreiben wir Ihnen das, wo wir doch beide den Kinos eine Systemrelevanz für die Filmwirtschaft attestiert haben, die schwierigen Hygienebedingungen für die Kinos beklagen und auch die Hilfe der großen Kinos forden? Der Hauptgrund liegt darin, dass die Constantin eine Handvoll hoch attraktiver deutscher Filme hat, die den Kinos hierzulande mehr denn je helfen würden. Ja, die Zeit ist schwierig und ja, es gibt noch Hygienebeschränkungen. Doch diese Situation kann auch geeignet sein, mit den richtigen Filmen und mit einer fast wettbewerbslosen Auswertung Ergebnisse zu erzielen, deren Risiko, weit unter den Erwartungen zu bleiben, uns deutlich geringer erscheint als die Chancen, am oberen Ende des Ergebniskorridors zu landen. Doch nicht nur das: Jetzt in dieser Situation den Kinos beherzt die dringend benötigte Ware anzubieten, würde Ihnen nicht nur den Orden für die Rettung des Kinos sichern. Es würde auch Ihre Produktionen davor bewahren, erst im Spätherbst mit dem dann eintretenden Sperrfeuer der internationalen Großproduktionen in einem bereits reduzierten Kinoangebot die angemessene Kapazität zu finden.

Lieber Martin Moszkowicz, lassen Sie 'Kaiserschmarrndrama' auf dem August-Termin, bringen Sie 'Ostwind' möglichst zeitnah und lassen Sie 'Contra' auf dem 3. Oktober oder ziehen ihn sogar noch nach vorne. Auch einige der anderen Produktionen dürften sich in den nächsten drei Monaten besser entfalten als später. Ich bin sicher, dass der deutsche Kinopark sehr schnell wieder alle Säle öffnen und mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln des Marketings auch eine kurzfristige Herausbringung unterstützen würde.

Bernd Eichinger hat oft durch seinen Mut Großes für die Branche getan und mit vielen seiner Filme den Glauben an das Kino bestätigt. Ohne ihn wäre der deutsche Film und das deutsche Kino nicht das, was es heute ist. Bleiben Sie dieser Tradition treu, glauben Sie an Ihre Filme und an das Kino! Ich bin sicher, dass Sie es nicht bereuen und die Kinos es Ihnen danken werden.

Herzliche Grüße,

Stellvertretend für die Cineplex Gesellschafter

Kim Ludolf Koch"