Kino

Bianca Obermaier, Acquisitions International Weltkino: "Oft lieblos umgesetzt"

Wie haben die deutschen Einkäufer den diesjährigen Marché du Film erlebt, der nur virtuell abgehalten werden konnte? Hier berichtet Bianca Obermaier, Acquisitions International Weltkino Filmverleih.

13.07.2020 12:51 • von Barbara Schuster
Bianca Obermaier (Bild: Weltkino)

Wie haben die deutschen Einkäufer den diesjährigen Marché du Film erlebt, der nur virtuell abgehalten werden konnte? Hier berichtet Bianca Obermaier, Acquisitions Inter- national Weltkino Filmverleih.

Wie haben Sie den diesjährigen Marché du Film erlebt, der aufgrund der Corona-Pandemie nur virtuell stattfinden konnte?

Grundsätzlich haben wir es begrüßt, dass man versucht hat, den Ausfall des physischen Markts so gut es geht abzufangen. Die Alternative wäre gewesen, gar nichts zu machen. Dies kann auch nicht die Lösung sein. Wir alle benötigen Strategien (und Filme) für die Zeit nach der Pandemie und hierfür ist es wichtiger denn je, eng zusammenzuarbeiten. Wir waren schon etwas überrascht, dass doch so viele starke Projekte gelauncht wurden und hatten mehr Zögern erwartet, vor allem von den US-Weltvertrieben. Aber man hat an den abgeschlossenen Deals gesehen, dass die Nachfrage nach Content da ist. Jedoch: während kommerzielle und TV/VoD- freundliche Stoffe sehr gefragt sind, war die Kauflust im Arthousebereich sehr begrenzt. Ohne zu wissen, wie sich die Kinolandschaft in den nächsten Monaten entwickeln wird, und ohne "richtige" Festivals als Startplattformen für Filme, ist es extrem schwierig, einen Titel zu evaluieren bzw. sinkt die Bereitschaft ins Risiko zu gehen sehr stark.

Waren alle Möglichkeiten des Austauschs gegeben? Hat die Technik reibungslos funktioniert? Würde Ihnen die virtuelle Form künftig genügen?

Im Großen und Ganzen hat der technische Ablauf gut funktioniert, auch wenn es natürlich einen erheblichen Unterschied macht, ob man einen Film auf einer großen Leinwand oder dem PC-Bildschirm sichten kann. Es hätte jedoch vieles vereinfacht, wenn man sich auf eine oder zumindest wenige Plattformen für die Meetings und Screenings hätte verständigen können. So musste man ständig zwischen diversen Seiten hin- und herspringen. Auch der von den US-Agencies groß angekündigte parallele Virtual Market enttäuschte sehr. Letztendlich kochte jeder Weltvertrieb sein eigenes Süppchen und die Präsentationen der (zum Teil ja sehr attraktiven) Titel waren oft sehr lieblos umgesetzt. Im Gegensatz dazu war die Beta Cinema Show ein echtes Highlight. Die virtuelle Form ist als Überbrückung oder als Alternative für kleinere Märkte akzeptabel, aber auch nur möglich, weil die Beziehungen untereinander und das Netzwerk schon vorher existierten. Das erleichtert die virtuellen Meetings ungemein. Auf Dauer aber ist es keine Option. Unser Geschäft lebt sehr stark vom persönlichen Kontakt, dem Informationsaustausch bei zufälligen Begegnungen, einem Abendessen usw. Dies fällt bei der virtuellen Version weg und ist ein großes Manko.

Wie war generell die Stimmung? Wie schätzt man die Folgen der Pandemie im Ausland für den Kinomarkt ein?

Es war eine Stimmung des "wir lassen uns nicht unterkriegen und werden kämpfen", auch wenn die Unsicherheiten natürlich weiter sehr groß sind. Die große Frage war, wie sich die Zuschauer verhalten werden. Hier sitzen wir alle im selben Boot. Die nächsten Wochen werden für viele entscheidend sein und hoffentlich Antworten bringen.

Konnten Sie fündig werden? Wenn ja, welche Titel bringen Sie mit?

Wir haben keinen neuen Film eingekauft.