Kino

Christoph Ott, Geschäftsführer Filmwelt: "Auf neue Ideen angewiesen"

Die Kinos in Deutschland öffnen wieder. Blickpunkt:Film hat sich umgehört und lässt Verleiher und Kinobetreiber mit ihrer Einschätzung zur vergangenen und kommenden Entwicklung im deutschen Kinomarkt zu Wort kommen. Hier berichtet Christoph Ott, Geschäftsführer Filmwelt.

02.07.2020 12:19 • von Barbara Schuster
Christoph Ott (Bild: Filmwelt)

Die Kinos in Deutschland öffnen wieder. Blickpunkt:Film hat sich umgehört und lässt Verleiher und Kinobetreiber mit ihrer Einschätzung zur vergangenen und kommenden Entwicklung im deutschen Kinomarkt zu Wort kommen. Hier berichtet Christoph Ott, Geschäftsführer Filmwelt.

Wie kommt Ihr Unternehmen durch die Krise? Haben Sie während der Schließung der Kinos Erfahrungen mit alternativen Vertriebswegen für aktuelle Filme gemacht?

Wir sind als purer Independent ohne Investoren und Partner auf neue Ideen angewiesen. Wir hatten gute Erfahrungen mit Autokino-Events. Die digitalen Erlöse waren nicht so gut, wie erwartet. Man spürt zudem, dass die Marktführer im SVoD für den deutschen Markt wenig Interesse an Arthouse haben. Hier wird für das interessante Publikumssegment Arthouse noch nicht das Optimale erreicht. Wir brauchen dringend eine Onlineplattform für deutsche Arthouse- und Independentfilme

Was kennzeichnet jetzt das Marktumfeld in Deutschland? Wie beurteilen Sie die Entwicklung in den kommenden Wochen?

Die kommenden Monate werden für alle schwer, wir sehen dies aber dennoch positiv. Ich hoffe, unserer Branche gelingt es, dem Publikum zu vermitteln, dass es im Kino tolle Filme zu entdecken gibt, und sich der Besucher sicher und wohl fühlt. Eine gute Betreuung vor Ort ist im Kino genauso wichtig wie in einem Restaurant, dem wir vertrauen.

Was lässt sich momentan zur Terminierung Ihrer kommenden Titel sagen? Auf welche Filme setzen Sie besonders?

Wir setzen in den nächsten Monaten auf spannende und besondere Dokus mit einer klaren Zielgruppe in Bereichen wie Mode ("Helmut Newton - The Bad and the Beautiful" und "Martin Margiela - Mythos der Mode"), Kunst (Body of Truth"), Tierwohl ("Cody - Wie ein Hund die Welt verändert" und "Gunda") und aktuellen politischen und sozialen Themen. Hier erwarten wir mit einer flexiblen Vermietung im Kino durch eine langen Auswertungszeit die Besucherzahl zu erreichen, die wir uns erhoffen. Unsere beiden größeren deutschen Projekte wie Nö" (Dietrich Brüggemann) und unser Berlinale-Hit, der neue Film von Johannes Naber, sind aktuell noch nicht terminiert. Die Verschiebung der Oscarverleihung wird weitere Startverschiebungen nach sich ziehen, wir finden den richtigen Start für diese beiden tollen Filme, sobald etwas Ruhe in der Startliste eingekehrt ist. Einige Überraschungen kommen noch, da können sich die Kinos noch freuen!