Kino

Stephan Winkler, Inhaber von W-Film: "Die Krise kann uns auch das Genick brechen"

Die Kinos in Deutschland öffnen wieder. Blickpunkt:Film hat sich umgehört und lässt Verleiher und Kinobetreiber mit ihrer Einschätzung zur vergangenen und kommenden Entwicklung im deutschen Kinomarkt zu Wort kommen. Hier berichtet Stephan Winkler, Inhaber von W-Film.

01.07.2020 12:42 • von Barbara Schuster
Stephan Winkler (Bild: W-Film)

Die Kinos in Deutschland öffnen wieder. Blickpunkt:Film hat sich umgehört und lässt Verleiher und Kinobetreiber mit ihrer Einschätzung zur vergangenen und kommenden Entwicklung im deutschen Kinomarkt zu Wort kommen. Hier berichtet Stephan Winkler, Inhaber von W-Film.

Wie kommt Ihr Unternehmen durch die Krise? Haben Sie während der Schließung der Kinos Erfahrungen mit alternativen Vertriebswegen für aktuelle Filme gemacht?

Das weiß ich gelinde gesagt noch nicht. Wir versuchen Einiges, aber die Krise kann uns in unserem 20. Jubiläumsjahr auch das Genick brechen. Neue Wege sind wir im Mai mit dem Dokumentarfilm Germans & Jews" gegangen. Den haben wir als reinen Online-Kinostart in Kooperation mit 41 Kinos herausgebracht, die mit 50 Prozent an den Einnahmen beteiligt wurden. Dafür haben wir in Windeseile unseren eigenen W-film On Demand-Kanal http://vod.wfilm.de aufgebaut. Für die Umsetzung und Etablierung dieses Angebots benötigt man allerdings viel Zeit und Geld. Unser Hauptumsatz sind nach wie vor die Zuschauereinnahmen der Kinos, die die letzten drei Monate gefehlt haben. Daher sind wir auch froh, dass wir jetzt mit Der Geburtstag" zumindest eine Kombi aus klassischem Abspiel im Kino und Online-Kino anbieten können. Mit rund 20 spielenden Kinos, ist das bislang noch ziemlich begrenzt. Die beiden Filme zu verschieben, war aber auch keine Option, weil die Kinos im Herbst auf größere Produktionen und Blockbuster setzen müssen, um zu überleben.

Was kennzeichnet jetzt das Marktumfeld in Deutschland? Wie beurteilen Sie die Entwicklung in den kommenden Wochen?

Die Reduzierung der Kinokapazitäten auf 30 Prozent der Sitzplätze und der Mindestmarktanteil von 70 Prozent an Großproduktionen in Kinosälen lässt uns nur einen kleinen Spielraum für gute Umsatzmöglichkeiten. Ich glaube, dass sich sogar erst in den nächsten Monaten zeigen wird, wie viele Kinos, Verleiher, Produktionen, Medien- und Freischaffende diese Krise überleben werden. Natürlich hat die Unterstützung durch den Bund einige von uns kurzfristig aufgefangen, aber die Zusammenhänge sind doch etwas komplexer, und es gibt für die Verleihbranche bisher keine langfristigen Hilfsprogramme. Ob wir die Vielfalt und Qualität im Filmangebot erhalten werden können, bleibt auf jeden Fall fraglich.

Was lässt sich momentan zur Terminierung Ihrer kommenden Titel sagen? Auf welche Filme setzen Sie besonders?

Wir setzen vor allem auf Wir Eltern" am 16. Juli 2020 und "Notre Dame - Die Liebe ist ein Baustelle" am 17. September. Beides charmante Komödien, die in der jetzigen Zeit positive Energie bringen. Die Familienkomödie Wir Eltern gibt angesichts der Corona-Quarantäne sogar noch einmal mehr Identifikationspotenzial für gestresste Eltern. Aber auch der Dokumentarfilm Unser Boden, unser Erbe" am 8. Oktober hat vor allem für Sondervorführungen im Kino super Potenzial. Aber bei aller Hoffnung, bleibt Unsicherheit. Die Auflagen hinsichtlich Hygiene und Abstand sind für die Kinos schwer umzusetzen und bedeuten starke Einbußen. Wir bleiben trotzdem optimistisch und freuen uns, wenn wir viele Zuschauer wieder für Kino begeistern können.