Kino

Gerda Kroiß, Geschäftsführerin Roxy Kino: "Mein Motto: Durchhalten"

Die Kinos in Deutschland öffnen wieder. Blickpunkt:Film hat sich umgehört und lässt Verleiher und Kinobetreiber mit ihrer Einschätzung zur vergangenen und kommenden Entwicklung im deutschen Kinomarkt zu Wort kommen. Hier berichtet Gerda Kroiß, Geschäftsführerin Roxy Kino in Abensberg.

01.07.2020 07:51 • von Michael Müller
Geschäftsführerin Roxy Kino: Gerda Kroiß (Bild: Roxy Kino)

Die Kinos in Deutschland öffnen wieder. Blickpunkt:Film hat sich umgehört und lässt Verleiher und Kinobetreiber mit ihrer Einschätzung zur vergangenen und kommenden Entwicklung im deutschen Kinomarkt zu Wort kommen. Hier berichtet Gerda Kroiß, Geschäftsführerin Roxy Kino in Abensberg.

Wie haben Sie sich auf die Wiedereröffnung vorbereitet und mit welchen besonderen Maßnahmen wollen Sie um die Besucher werben?

Gerda Kroiß: Wir sind eine Kinofamilie in der zweiten Generation und unserer Junior Alexander Kroiß ist bereits seit zwei Jahren im Betrieb, um das Roxy in der dritten Generation weiterzuführen. Derzeit befinden wir uns in der Bauphase mit unserem neuen 4-Saal-Kino, das in Kürze festgestellt wird. Die Fertigstellung des Kinobaus verzögert sich aufgrund der Corona-Krise um einige Monate, was wir als solches bereits zu stemmen haben. Während der Bauzeit war es uns möglich, eine attraktive Spielstätte mit 99 Sitzplätzen auf Mietbasis mit einem erheblichen finanziellen Aufwand zu realisieren. Neben einem Neubauprojekt war der laufende Betrieb dieses Kinos nur unter großen Anstrengungen zu bewältigen. Jedoch war es uns wichtig, unsere Kinokultur in unserer Region aufrecht zu erhalten und unseren Kundenstamm weiterhin auch während der Bauzeit nicht zu verlieren.

Die Pandemie hat uns wie alle bayerischen Kinos hart getroffen. Mit den derzeitigen Bestimmungen 1,5 Meter Abstand ist der Betrieb unseres Filmtheaters nicht wirtschaftlich. Dies bedeutet, wenn ein Kinogast kommt, müssen in unserem Fall zwölf Sitzplätze frei bleiben. Außerdem sind durch diese Hygienevorschriften weitere personelle Kosten notwendig, was für unseren Betrieb eine doppelte Belastung darstellen würde. Wir haben uns auf einen Wieder-Eröffnungstermin in der zweiten Runde eingestellt, was für uns Mitte Juli bedeutet. Unsere Mitarbeiterschulung samt Hygienekonzept haben wir bereits griffbereit und sind jederzeit einsatzbereit. Besondere Werbemaßnahmen sind immer an besondere Filme gekoppelt. Durch die Verlegung besonders besucherstarker Filme wird sich das Anlaufen der gesamten Branche über einen langen Zeitraum hinwegziehen.

Von welchen Unterstützungsmaßnahmen können Sie profitieren und ab wann hoffen Sie, wieder rentabel arbeiten zu können?

Gerda Kroiß: Es gibt mehrere Förderprogramme von Bayern und auch vom Bund. Hier gilt es für unser Haus zu klären, welchen Anforderungen wir aus diesem Programmen erfüllen. Da diese Anträge teilweise noch nicht vollständig vorliegen, ist abzuwarten, was genau ausschlaggebend für eine Förderung ist. Unser Wunsch für die bayerische Kinolandschaft ist eine ausreichende finanzielle Unterstützung, damit möglichst alle Kinos diese Krise überstehen. Jedes einzelne Kino, das schließt, ist schmerzhaft und ein großer Verlust nicht nur für die Kultur, sondern auch für die wirtschaftliche Gesamtstruktur einer Region. Kinos sind neben anderen Kulturbetrieben am schwersten von der Pandemie betroffen und als unverzichtbarer Teil des sozialen und kulturellen Lebens besonders relevant. Kinos bedeuten: Bildung, Kunst, Kultur, soziales Leben....

Wie viel hängt für Sie davon ab, dass aktuell gesetzte Film-Starttermine Bestand haben? Was rechnen Sie sich für dieses Kinojahr noch aus?

Gerda Kroiß: Ein Großteil der besucherstarken Blockbuster wurde teilweise bereits auf Ende des Jahres verlegt beziehungsweise auf das Jahr 2021. Meine Befürchtung ist, dass wir jetzt zum Auftakt der Kinowiedereröffnung nach der Pandemie kaum besucherstarke Filme starten und nächstes Jahr dann der große Filmstau kommen wird. Besonders bitter für die bayerischen Kinobetreiber ist die Absage des Eberhofer Kimis Kaiserschmarrndrama", auf dem die ganze Hoffnung ruhte und für manche überlebensnotwendig gewesen wäre. Sicherlich hätten viele Kinobetreiber diesen Streifen nicht nur im Kino, sondern auch Open Air und bis Weihnachten eingesetzt. Wenn solche besucherstarken Kinofilme fehlen, bedeutet dies auch eine mangelnde Werbemöglichkeit für nachfolgende Kinostarts, kleinere Filme, und ich bedauere diese Entscheidung sehr. Mein Motto: DURCHHALTEN, um dann mit viel Elan voll DURCHZUSTARTEN.