Kino

Joel Schumacher erliegt Krebsleiden

Der Regisseur von Filmen wie "Batman Forever", "Batman & Robin" und "St. Elmo's Fire" ist im Alter von 80 Jahren verstorben.

23.06.2020 08:02 • von Jochen Müller
Joel Schumacher ist im Alter von 80 Jahren verstorben (Bild: Kurt Krieger)

Der Regisseur Joel Schumacher ist im Alter von 80 Jahren verstorben. Nach Angaben der Agentur ID PR ist Schumacher einem längeren Krebsleiden erlegen.

Joel Schumacher wurde 1939 in New York geboren, begann als Schaufensterdekorateur und Ausstatter für TV-Werbespots, bevor er als Kostümbildner zum Film ging, wo er für Woody Allen (Der Schläfer", Innenleben") arbeitete und erste Drehbücher (Sidney Lumets "The Wiz") schrieb. Regiearbeiten für das Fernsehen folgte 1981 mit "Die unglaubliche Geschichte der Mrs K" seine erste Spielfilmregie mit Lily Tomlin als geschrumpfter Hausfrau.

Mit St entstand 1985 einer der ersten Filme, die die damaligen Jungstars Hollywoods, das "Brat Pack" um Rob Lowe und Demi Moore, vereinte. "Seitensprünge", das Remake des französischen Erfolgs Cousin, Cousine", um Ausbrüche aus Ehebanden, half %Sean Young% und Isabella Rossellini in ihren Karrieren weiter, ebenso Entscheidung aus Liebe", einer der ersten Filme mit Julia Roberts.

Schumachers ungewöhnlichster Film wurde Flatliners", die Story von fünf Medizinstudenten (u.a. Roberts), die sich zeitweise in Todeszustände versetzen und mit den alptraumartigen Folgen nicht mehr zurechtkommen. Die beiden "Batman"-Filme (Teil 3 mit Val Kilmer, Teil 4 mit George Clooney), die Tim Burtons düstere Visionen ins Popbunte gefälliger Comic-Versionen überführten, wurden ebensolche Erfolge wie die John-Grisham-Verfilmung Die Jury". "8 mm" führte ins Pornobusiness und war als eindimensionaler Rachefeldzug von Nicolas Cage umstritten.

Eine überraschende Abkehr vom Mainstream feierte Schumacher 2000 mit Tigerland", der von der Kritik zwar gepriesen wurde, beim Kinopublikum aber kaum Resonanz fand. Der mit einem Mini-Budget realisierte und mit der Handkamera gefilmte Antikriegsfilm zeigt ein Trainingscamp, in dem zukünftige Frontsoldaten vor ihrem Einsatz in Vietnam geschunden werden. %Colin Farrell%, inzwischen ein Star, spielt darin seine erste Hauptrolle. Schumacher castete ihn auch für Nicht auflegen!", in dem Farrell von einem versteckten Scharfschützen in einer Telefonzelle festgehalten wird. Der an nur zwölf Drehtagen bereits Ende 2000 abgedrehte Film kam aufgrund der Ereignisse des 11. Septembers 2001 sowie des Scharfschützen von Washington erst 2003 in die Kinos. In der Zwischenzeit hatte Schumacher seine erste Zusammenarbeit mit Hitproduzent Jerry Bruckheimer fertig gestellt: Im Agententhriller "Bad Company", laut Schumacher "mehr ein Bruckheimer- als ein Schumacher-Film", muss ein Lebenskünstler (Chris Rock) bei der CIA den Platz seines ermordeten Bruders einnehmen und bekommt dazu einen Veteranen (Anthony Hopkins) an seine Seite gestellt. Danach kam es für Die Journalistin" zu einer weiteren Zusammenarbeit von Schumacher und Bruckheimer. Der für Bruckheimer eher untypische Politthriller erzählt nach dem authentischen Fall der irischen Journalistin Veronica Guerin deren Versuche, sich im Dublin der Neunziger gegen die herrschenden Drogenbarone zu stellen. Für die berauschend ausgestattete Verfilmung des Andrew-LLoyd-Webber-Hitmusicals "Das Phantom der Oper" konnte Schumacher wieder voll auf seine Erfahrungen als Produktionsdesigner zurückgreifen. Am Boxoffice blieb die aufwändige Produktion jedoch hinter den Erwartungen zurück.

Über seine Arbeit sagte Schumacher einmal: "Ich fühle mich als Geschichtenerzähler, dessen Aufgabe es ist, die Zuschauer für zwei Stunden zu fesseln. Da ist es egal, ob es ein kleiner oder großer Film ist."