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Kino

Think-Tank für die Kinobranche: Ready, steady, Rattatatt!

Mit dem neu gegründeten Think-Tank Rattatatt nehmen sich vier bekannte Köpfe aus der Branche die Freiheit, altbekannte Abläufe bei Kino-Events aller Art auf den Kopf zu stellen.

12.06.2020 08:36 • von Thomas Schultze
Tammo Buhren, Claudia Lehmann, David Gröger und Martin Gaiss sind Rattatatt (Bild: Rattatatt)

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Der Corona-bedingte Lockdown macht es möglich, sich die Freiheit zu nehmen, das zu machen, was der Engländer "to think out of the box" nennt - einfach mal rumspinnen, Ideen sammeln, Dinge ganz anders denken, als man es gelernt hat oder gewohnt ist. So zumindest ging es Tammo Buhren, Claudia Lehmann, David Gröger und Martin Gaiss. Buhren ist Geschäftsführer der 2003 gegründeten zweiB, einer der in Deutschland führenden Betriebe für digitale Kinotechnik, Veranstaltungstechnik und Medienproduktion. Claudia Lehmann betreibt maz&movie seit 1999, eine, wie sie selbst sagt, "One-Stop-Shop-Kreativagentur" für Event und Medien, die Bewegtbild-Content wie Social Clips, Livestreams, Imagefilme und Webserien und Veranstaltungen wie Filmpremieren und Preisverleihungen entwickelt und produziert. David Gröger wiederum ist mit seiner Bridge Marketing ein ausgewiesener Vermarktungsfachmann, der branchenübergreifend Marken aus dem Entertainment-Bereich mit Hilfe eines "Band Matcher"-Systems miteinander verbindet. Und Martin Gaiss arbeitet mit seinen MG Labs von Los Angeles aus, um seine Kunden als Dienstleister bei "Story Consult, Brand Extension und World Building" zu beraten. Gemeinsam, so lachen sie, vereinen sie fast 100 Jahre Branchenerfahrung. Gemeinsam haben sie unter dem klingenden Namen "Rattatatt" einen Think-Tank ins Leben gerufen, mit dem die Vier dank ihres Know-hows auf verschiedensten Gebieten dazu beitragen wollen, jede Art von Branchenevent, von der Premiere über das Pressejunket hin zum Kongress, auf den Prüfstand zu stellen und für eine verstärkt digitale Zukunft der Branche zu rüsten.

"David, Martin und ich haben uns während des Lockdowns immer wieder ausgetauscht und darüber unterhalten, wie es weitergehen kann, was man anders machen muss", erinnert sich Tammo Buhren an die Genese von Rattatatt. "Relativ schnell kam die Idee, unseren Think-Tank zu erweitern und Claudia mit an Bord zu holen. Mit ihrem Portfolio passt sie gut zu unserer Idee." Schnell bestand Einigkeit, dass gerade die Tatsache, dass die Vier aus verschiedenen Bereichen kommen, dazu beiträgt, dass sie wichtige Impulse geben können. "Wir können genau das abbilden, was die Branche gerade braucht", findet Buhren, "nämlich über alle Disziplinen hinweg zusammenzukommen und zu überlegen: Was tut der Branche gut? Kann man für die Kinos, für Produzenten, für den Verleih, für das Marketing neue Konzepte entwickeln, neue Ideen präsentieren?" Entscheidend bei den Überlegungen von Rattatatt ist es, das bereits Bestehende nicht einfach über den Haufen werfen zu wollen, sondern darauf aufbauend moderne und neue Ansätze zu finden, wie man sie organisiert oder präsentiert und dabei erweitern kann. "Wir brennen für das Kino", sagt Claudia Lehmann. "Genau deshalb sind wir überzeugt, dass man etwas tun muss, damit es weitergeht. Stillstand wäre tödlich. Was kann man also anders machen? Kann man von anderen Branchen lernen, kann man Dinge übernehmen? Warum nicht überlegen, ob es möglich ist, eine Preiseverleihung anders zu machen, ein Event als Hybridveranstaltung zu gestalten: Die alte Welt, die analogen Begegnungen, die emotionalen Momente wollen wir beibehalten. Aber wir können uns vorstellen, dass man sie ergänzt um virtuelle Erlebnisse." Rattatatt arbeitet dank der unkonventionellen Zusammensetzung des Think-Tanks an einer vollumfänglichen Konzeption, die die technische Umsetzung ebenfalls umfasst wie die dramaturgische Gestaltung. "Die Mischung macht's aus", meint Lehmann. "In dieser Zusammensetzung können wir ganz interessante Ideen hervorbringen."

Hier setzt auch David Gröger an: "Es war eine sehr ungewöhnliche Situation: Martin in Los Angeles war während des Lockdowns quasi so weit von mir entfernt wie Claudia in Berlin. Das hat aber auch Kräfte freigesetzt und uns gerade bestehende Dinge mit ganz anderen Augen sehen lassen. Wir ergänzen uns da sehr gut und denken, dass wir mit Hilfe unserer Expertise, Erfahrung und Vernetzung gemeinsam mit unseren Kunden innovative Lösungen entwickeln können, die neu und zukunftsträchtig sind. Wir wollen die Geschichte einfach etwas anders erzählen. Aber es muss sinnvoll und nachhaltig sein. Vielleicht lässt sich ja eine ganz neue Form von zusätzlichem Content erstellen, wenn man ein Interview auf intelligente Weise im virtuellen Raum stattfinden lässt. Solche Lösungen interessieren uns. Ein Trailerlaunch ist mehr als das: Wir erzählen um den Trailerlaunch eine neue Geschichte." Entsprechend denkt er, dass man bei Premieren ausgetretene Pfade verlassen muss: "Ein Logo auf der Fotowand ist heute sicher nicht mehr das Nonplusultra. Wir haben in den vergangenen Jahren mit progressiven Unternehmen gearbeitet, die mehr wollen und mehr verlangen. An dieser Stelle wollen wir aktiv werden." Im Idealfall soll Rattatatt ein Inbegriff für diesen Mehrwert sein: Ein geflügeltes Wort. "Wenn Kids sagen, ich war heute nicht auf einer virtuellen Premiere, sondern auf einem tollen Rattatatt, dann hätten wir alles richtig gemacht. Im Gamingbereich ist man da schon viel weiter: Meine Neffen waren jüngst in dem Spiel Fortnite auf einem Live-Konzert von Travis Scott. Etwas in der Art würden wir gerne für die Kinobranche entwickeln."

Idealerweise gelingt es mit diesen neu gestalteten Events, gerade die jugendliche Zielgruppe so einzubinden, dass sie als Rückkopplungseffekt wieder stärker ans Kino herangeführt wird. "Corona ist ein Beschleuniger von Entwicklungen, die sich ohnehin schon angedeutet hatten - die Digitalisierung, die Hinwendung zum virtuellen Raum", merkt Martin Glaiss an. Der Fantasie, finden die Vier von Rattatatt, sind keine Grenzen gesetzt. "Man muss den Menschen mehr bieten, sie im virtuellen Raum abholen und auf diese Weise auch wieder in den analogen Raum zurückholen." Einig sind sie sich auch, dass jetzt der Zeitpunkt gekommen ist, die Schritte nach vorn zu gehen. "Wir haben uns viel zu lange in unserer bequemen Welt eingerichtet", sagt Tammo Buhren. "Jetzt müssen wir den Mut haben, auch mal etwas Verrücktes zu machen. Die Zeit ist reif dafür. Und ich denke, dass wir damit auf Gehör stoßen werden. Allen ist klar, dass man diese neuen Wege jetzt beschreiten muss. Wir haben Lust, mit unserem Knowhow dafür zu sorgen, dass etwas Vernünftiges dabei herauskommt. Erste Gespräche mit namhaften Firmen laufen sehr progressiv und wir freuen uns die Bestätigung zu bekommen, mit unseren Ideen auf dem richtigen Weg zu sein."

Thomas Schultze