Kino

"Geben Sie uns die Chance, wirtschaftlich zu überleben"

In offenen Briefen appelliert das Kinobüro Niedersachsen-Bremen an die verantwortlichen Politiker in den beiden Bundesländern, endlich zeitliche Perspektiven für eine Wiedereröffnung von Kinos zu schaffen - und damit auch eine "Ungleichbehandlung der Kinobetriebe" zu beenden.

08.06.2020 14:25 • von Marc Mensch
Noch ohne zeitliche Wiedereröffnungsperspektive: das Cinema-Arthouse im niedersächsischen Osnabrück (Bild: S&T Kinokunst GmbH)

13 Bundesländer haben mittlerweile Termine für die Wiedereröffnung der Kinos gesetzt, in mehr als der Hälfte der Länder konnte der Spielbetrieb bereits wieder aufgenommen werden (wovon allerdings längst nicht alle Filmtheater Gebrauch gemacht haben, am vergangenen Wochenende waren noch weniger als 200 Kinos wieder geöffnet). Ausnahmen sind zum jetzigen Zeitpunkt nur noch Thüringen, Niedersachsen und Bremen.

Als Interessenvertretung der Filmtheater in beiden letzteren Bundesländern hat sich das Kinobüro Niedersachsen-Bremen nun in zwei ähnlich formulierten Briefen an die zuständigen Politiker mit dem Appell gewandt, bis spätestens 17. Juni für Klarheit hinsichtlich der Wiedereröffnungen zu sorgen.

Auszugsweise heißt es in einem der Schreiben: "Um die Kinobetriebe in Bremen (und Niedersachsen) nicht weiter zu gefährden, ist eine Wiedereröffnung zum 24.6. bzw. spätestens 2.7.2020 unumgänglich. Da der Kinomarkt nur als nationaler Markt funktioniert und die anderen Bundesländer bereits wieder öffnen bzw. von Berlin der 30.6. als spätester Termin angekündigt ist, könnten dann die Kinos in allen Bundesländern wieder gleichzeitig spielen und die Filmverleiher einen bundeseinheitlichen Startplan für neue Filme vorlegen. Möglichst nahe beieinanderliegende Wiedereröffnungstermine anzustreben hatten auch die Kultur-Ministerkonferenz und die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien in ihrem Eckpunkteprogramm für Öffnungsstrategien weiterer kultureller Einrichtungen empfohlen.

Entsprechende Schutz- und Hygienepläne für Kinos liegen Ihren Ministerien seit Mai vor. Die Kassensysteme der Kinos befinden sich mittlerweile durch Updates auf dem neusten Stand und können die Abstandsreglungen von 1,50m - oder wirtschaftlich sinnvoller 1,0m - im Kinosaal garantieren. Neueste Lüftungsanlagen sorgen für den benötigten Luftaustausch."

Zur Untermauerung des Appells wird einerseits an die besondere Rolle der Kinos erinnert. So heißt es: "Kino ist in besonderem Maße 'Kultur für alle'. Oft erfüllen die Kinos - besonders auch im ländlichen Raum - auf rein privatwirtschaftlicher Basis die Funktion von Kultur- und Kommunikationszentren. Darüber hinaus sind Sie die tragende Säule der deutschen Filmproduktion."

Andererseits wird auf den Umgang mit anderen Branchen verwiesen. So heißt es zum Schluss eindringlich: "Nachdem Fitnesscenter, Kneipen und Restaurants usw. vielerorts wieder betrieben werden dürfen, darf es keine weitere Ungleichbehandlung der Kinobetriebe geben. Geben Sie uns die Chance, in der Coronakrise verantwortlich zu handeln und wirtschaftlich zu überleben."