Kino

Branchenverbände begrüßen "Rettungs- und Zukunftspaket Kultur"

Als Teil des von der Bundesregierung beschlossenen Konjunkturpakets umfasst das von Kulturstaatsministerin Monika Grütters gestern detailliert vorgestellte "Rettungs- und Zukunftspaket Kultur" eine Summe von einer Mrd. Euro. Brachenverbände wie die AG Kino, die Produzentenallianz, VAUNET und der HDF begrüßen dieses "starke Bekenntnis zur Kultur".

05.06.2020 08:07 • von Jochen Müller
Kulturstaatsministerin Monika Grütters hat gestern Details zum "Rettungs- und Zukunftspaket Kultur" vorgestellt (Bild: Elke A. Jung-Wolff)

"Mit diesem starken Bekenntnis zur Kultur leistet die Bundesregierung einen bedeutenden Beitrag zur Sicherung der kulturellen Vielfalt", kommentierte der Vorsitzende der AG Kino - Gilde, Christian Bräuer, das von Kulturstaatsministerin Monika Grütters gestern detailliert präsentierte "Rettungs- und Zukunftspaket Kultur".

Es ist Teil des von der Bundesregierung beschlossenen Konkjunkturpakets und umfasst ein Volumen von insgesamt einer Mrd. Euro. Der größte Teil - 450 Mio. Euro - ist für die Unterstützung kleinerer und mittlerer, häufig privatwirtschaftlich finanzierter Kulturstätten und -projekte vorgesehen. Unterstützt werden außerdem alternative, auch digitale Angebote sowie der pandemiebedingte Mehrbedarf bei durch den Bund geförderten Kultureinrichtungen und -projekten.

Die AG Kino-Gilde begrüßt aber vor allem die in dem Paket enthaltenen 250 Mio. Euro für pandemiebedingte Investitionen in Kultureinrichtungen wie Kulturzentren, Musikklubs, Theater, Kinos, Messen und Literaturhäuser mit dem Ziel, diese zu erhalten.

Der AG-Kino-Gilde-Vorsitzende Christian Bräuer hält dies für besonders wichtig, denn "Gemeinsam mit Theatern, Musikclubs, Literaturhäusern und vielen weiteren Kulturorten tragen die Kinos maßgeblich dazu bei, den Werken von Kulturschaffenden eine Öffentlichkeit zu geben und damit zu deren Sichtbarkeit und gesellschaftlichen Relevanz beizutragen. Mit der Gefährdung der kulturellen Infrastruktur durch die Maßnahmen zur Bekämpfung des Covid 19 Virus sind nicht nur diese Orte, sondern in der Folge auch Künstler und Kunstformen in ihrer vielfältigen Ausprägung bedroht. Der Beschluss des Koalitionsausschusses ist die erfreuliche Anerkennung der hohen gesellschaftlichen Relevanz von Kultur."

Auch vonseiten der Produzentenallianz werden die jetzt beschlossenen Hilfsmaßnahmen als "wichtiger Bestandteil zur Überwindung der Corona-Krise" begrüßt.

"Die Bundesregierung setzt mit der zusätzlichen Kultur-Milliarde ein wichtiges Zeichen für die durch die Corona-Krise schwer getroffenen Branchen in der Kulturwirtschaft. Nun gilt es rasch und zielgenau die Rahmen­bedingungen zu setzen, um den Kulturbetrieb im Land wieder zum Laufen zu bringen. Für die Filmbranche ist es dabei von höchster Wichtigkeit, dass diese Rahmenbedingungen einen Ausfallfonds beinhalten, damit Produzentinnen und Produzenten eine Abdeckung für Corona-bedingte Ausfallrisiken erhalten können, die ansonsten nicht verfügbar sind, was dann wegen fehlender Finanzierungsmöglichkeiten zur Einstellung fast aller Produktionstätigkeit führen würde", erklärt der Vorsitzende der Produzentenallianz, Alexander Thies.

Gleichzeitig erneuert Thies die Anfang Mai erhobene Forderung der Produzentenallianz nach einem Ausfallfonds zur Abdeckung nicht von der Versicherung abgedeckten so genannter Pandemieschäden bei der Filmproduktion. Das finanzielle Risiko liegt aktuell in diesem Fall bei den Produktionsunternehmen, wie Thies betont: "Solche finanziellen Risiken wären gerade für kleine und mittlere Unternehmen, aber auch für große Produzenten sehr schnell existenzbedrohend. Produktionsunternehmen brauchen die Gewissheit, dass sie bei erneuten Drehstopps mit den finanziellen Risiken nicht allein gelassen werden. Wir setzen uns deshalb vehement dafür ein, dass dieses Instrument umgehend eingerichtet wird. Einen Vorschlag, wie solch ein Ausfallfonds aussehen kann, hat die Produzentenallianz vorgelegt. Auch haben Länder wie etwa Österreich oder Frankreich gezeigt, dass die Politik hier ganz entscheidend gefordert, aber auch in der Lage ist, rasche Lösungen bereit zu stellen", ergänzt Alexander Thies.

Neben dem von Grütters als "Neustart Kultur" titulierten "Rettungs- und Zukunftspaket Kultur" nennt der Vorstandsvorsitzende des Verband Privater Medien (VAUNET), Hans Demmel, in seiner Würdigung auch die temporäre Absenkung der Mehrwertsteuer als "Schritt in die richtige Richtung": "Die Beschlüsse des Koalitionsausschusses mit gezielten Hilfen auch für den Bereich der Kultur- und Kreativwirtschaft sowie dem Schaffen von steuerlichen Anreizen zur Wiederbelebung der Wirtschaft sind ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Der Verband wird nunmehr prüfen, ob sie ausreichend sind, um die negativen wirtschaftlichen Folgen bei den privaten Medien auszugleichen. Es wird nun wesentlich darauf ankommen, dass die privaten Sender durch die geplanten Mittel, insbesondere auch des 'Neustarts Kultur', angemessen berücksichtigt werden. Neben dem Radio sind viele kleinere TV-Spartensender auf Grund der Auswirkungen im Werbemarkt besonders auf entsprechende Hilfen angewiesen. Darüber hinaus setzt sich der VAUNET für weitergehende Anreizmodelle zur Unterstützung der werbefinanzierten Medien- und Kommunikationswirtschaft ein. Erst ein vom VAUNET gefordertes Gesamtpaket kann die Vielfalt im privaten Rundfunk nachhaltig sichern."

Der HDF Kino begrüßt insbesondere, dass die nun verkündeten Maßnahmen auch jenen Kinos zugute kommen, die bei bisherigen Hilfen nicht berücksichtigt wurden. "Wir als HDF begrüßen das von Kulturstaatsministerin Grütters angekündigte Rettungs- und Zukunftspaket 'Neustart Kultur' und freuen uns sehr, dass allein die Film- und Kinowirtschaft aus diesem Paket 120 Millionen erhält. In Verbindung mit dem von der Bundesregierung beschlossenen Konjunkturpaket ist es somit möglich, der gesamten Branche unter die Arme zu greifen. Nun können die Förderungslücke geschlossen und auch die bisher nicht berücksichtigten Kinos am Leben gehalten werden," so die Vorstandsvorsitzende Christine Berg. Und weiter: "Dank der beschlossenen Förderpakete ist jetzt auch für die Kinos ein Neustart möglich und die Vielfalt der Branche ist gesichert. Wir danken Frau Prof. Grütters für die Möglichkeit, dass wir bald wieder auf eigenen Beinen stehen und das Publikum für tolle neue Filme begeistern können."