Kino

Fassbinder-Schauspielerin Irm Hermann verstorben

Die Schauspielerin Irm Hermann, die jetzt mit 77 Jahren verstorben ist, schaffte eine facettenreiche Karriere auf der Leinwand, im Fernsehen und auf der Bühne. Internationalen Ruhm errang sie allerdings in der intensiven Zusammenarbeit mit Rainer Werner Fassbinder.

28.05.2020 12:37 • von Michael Müller
Die Schauspielerin Irm Hermann (Bild: Thomas Aurin)

Nach kurzer schwerer Krankheit ist die international geschätzte Schauspielerin und Theater-Darstellerin Irm Hermann am 26. Mai im Alter von 77 Jahren verstorben. Das teilte ihre Agentin Antje Schlag am Donnerstag mit. Hermann wurde als Fassbinder-Aktrice weltweit bekannt, genoss aber eine lange und fruchtbare Kino- und Fernsehkarriere.

Die am 4. Oktober 1942 als Irmgard Hermann in München Geborene absolvierte nach der Schule eine Lehre als Verlagskauffrau, bevor sie den Filmemacher Rainer Werner Fassbinder kennenlernte, der sie im Jahr 1966 in seinem ersten Kurzfilm Der Stadtstreicher" besetzte. Seitdem gehörte sie zum engsten Kreis um Fassbinder und war in rund 20 Filmen des Regisseurs zu sehen, unter anderem in Meisterwerken wie Die bitteren Tränen der Petra von Kant" und Händler der vier Jahreszeiten". Für letzteren Film erhielt sie auch das Filmband in Gold. Das war ihr auch mit dem Film Fünf letzte Tage" vergönnt.

1975 trennte sich Hermann von Fassbinder, zog nach Berlin und arbeitete mit Regisseuren wie Werner Herzog ("Woyzeck"), Hans W Geißendörfer (Der Zauberberg"), Percy Adlon ("Fünf letzte Tage") oder auch dem Dramatiker Tankred Dorst. In den 1980er-Jahren stand sie nochmal in "Berlin Alexanderplatz" und Lili Marleen" für Fassbinder vor der Kamera. Einer neuen Generation wurde sie mit ihrem Auftritt in Vicco von Bülows Komödie Pappa ante portas" in den 1990er-Jahren bekannt. Im Jahr 2000 erhielt Hermann gemeinsam mit dem Ensemble in Rudolf Thomes Film Paradiso - Sieben Tage mit sieben Frauen" auf der Berlinale den Silbernen Bären.

Zuletzt spielte sie im Fernsehen in der SWR-Serie Labaule & Erben" nach einer Idee von Harald Schmidt die Rolle der Marianne Labaule. Nach Fassbinders "antiteater" blieb Hermann auch der Bühne treu, spielte an der Berliner Volksbühne und gehörte zum Berliner Ensemble. Vor allem auch der Regisseur Christoph Schlingensief besetzte sie immer wieder.

Ihre Agentin Antje Schlag erklärte: "Wir verneigen uns vor dieser großen Künstlerin, die auf herausragende und bleibende Weise den deutschsprachigen Film, das Theater und unvergesslichen Fernsehproduktionen geprägt hat. Sie wird uns durch ihre einzigartige Begabung, ihren unschlagbaren Humor und ihre kreative Eleganz immer in Erinnerung bleiben."