Kino

Marktforschung: Kino nach Corona - Ein Update

Wie stehen Kinogänger zu den geplanten Wiedereröffnungen der Filmtheater? S&L Research hat einen Monat nach der ersten exklusiven Erhebung in Deutschland nachgehakt - und es zeigt sich, dass Skepsis hinsichtlich besonders früher Eröffnungstermine besteht.

15.05.2020 15:46 • von Marc Mensch
Zum zweiten Mal hat S&L in der Corona-ZEit ein Stimmungsbild der Kinobesucher erstellt (Bild: S&L Research)

Bereits Mitte April hatte S&L Research die deutschen Kinogänger erstmals zu ihrem potenziellen Besuchsverhalten nach Wiedereröffnung der Kinos befragt - und die Ergebnisse waren ermutigend.

Zur Studie aus dem April

Nun, wo die ersten Wiedereröffnungen anstehen (bzw. sehr punktuell schon vollzogen wurden) wurde in einer zweiten Befragungswelle mit 891 Kinogängern untersucht, ob und wie sich die Einstellung der Kinogänger womöglich im weiteren Verlauf der Corona-Krise verändert hat. Grundsätzlich zeigen sich noch immer positive Grundtendenzen. Jedoch geben sich die Kinogänger insgesamt etwas zurückhaltender, was vermutlich damit zu tun hat, dass die Kinoöffnungen auch aus Sicht vieler Kinogänger (45 Prozent) womöglich zu früh stattfinden.

Ganz wichtig: Das Kino fehlt dem Publikum sogar noch mehr als in der zurückliegenden Befragung. 39 Prozent der Kinogänger (34 Prozent in der ersten Befragung) geben an, das Kino sehr zu vermissen. 89 Prozent (93 Prozent) wollen aktuell nach Aufhebung der Beschränkung "sehr wahrscheinlich" oder "wahrscheinlich" wieder ins Kino gehen. Damit sinkt dieser Wert zwar etwas, liegt aber nicht nur weiterhin sehr hoch, sondern auch im Einklang mit dem, was S&L Research auch für andere Freizeitaktivitäten in geschlossenen Räumen beobachten kann: Diese sind alle etwas unter dem Niveau der ersten Befragung zu finden - nur bei der Freiluftaktivität 'Freizeitparks' findet ein leichter Anstieg statt.

Auch hinsichtlich des geplanten Zeitpunkts der Rückkehr vor die Leinwand zeigt die aktuelle Befragung etwas mehr Zurückhaltung als die erste Umfrage: Innerhalb von zwei Monaten nach der Wiedereröffnung wollen aktuell 76 Prozent der Befragten wieder ein Kino besuchen (April-Befragung: 84 Prozent). Dies könnte auch im Zusammenhang mit der Tatsache stehen, dass viele Bundesländer eine Öffnung der Kinos jetzt doch überraschend schnell wieder in Aussicht gestellt haben, Hessen ging bekanntermaßen mit dem 9. Mai voran, mehrere Bundesländer setzen auf Mitte/Ende Mai. Die im Zeitraum der Erhebung von S&L seitens der Länder kommunizierten Termine empfanden jedenfalls 45 Prozent der Befragten als "zu früh" - aber ganze 49 Prozent als "genau richtig".

Bei der Betrachtung dieser auf den ersten Blick womöglich etwas weniger positiven Resultate muss jedoch berücksichtigt werden, dass aus der ersten - damals noch hypothetischen - Frage, nun ein konkreter Zeitpunkt wurde. Im Zusammenspiel mit den Erfahrungen, die mit den ersten generellen Lockerungen der Corona-bedingten Einschränkungen des öffentlichen Lebens gemacht wurden, scheint dies - zumindest für einen Teil der Befragten - eine etwas zurückhaltendere Einstellung zur Folge zur haben, wenn auch weiter deutlich positive Grundtendenzen vorherrschen.

Umso wichtiger scheint es zu sein, dass die richtigen Maßnahmen von den Kinobetreibern ergriffen werden, um den Kinogängern die notwendige Sicherheit zu vermitteln. Insbesondere für zwei Maßnahmen beobachten wir deutliche Zunahmen bei der Nennung im Vergleich zur ersten Studie: So wird "Abstand" in der offenen Fragestellung erneut am häufigsten als mögliche Vorsichtsmaßnahme genannt - und mit 72 Prozent aller Nennungen (April-Befragung: 62 Prozent) für "Abstand zwischen nicht zusammen gebuchten Tickets" sowie 35 Prozent für "Abstand an Kassen und Snackverkauf" (Anstieg von 26 Prozent) sogar noch deutlich häufiger als vor vier Wochen. Wie erwartet hat auch das Thema "Mund- und Nasenschutz" im Vergleich zum Vormonat von 18 auf 24 Prozent noch einmal deutlich zugelegt. Andererseits geben zwischenzeitlich aber auch 32 Prozent (zuvor 26 Prozent) bei der Folgefrage an, dass ein verpflichtender Mund- und Nasenschutz eine für sie nicht akzeptable Einschränkung wäre. Wobei sich aktuell abzuzeichnen scheint (zumindest ist das Praxis in den ersten Häusern, die den Spielbetrieb wieder aufgenommen haben), dass ein Mund- und Nasenschutz zwar im Foyer und beim Betreten und Verlassen der Kinosäle und sanitären Einrichtungen Pflicht ist, nicht aber nach Einnahme des Sitzes während der Vorstellung. Eine Frage befasste sich zudem damit, zu wie viel Prozent der Kinosaal gefüllt sein dürfte, um das Gefühl der Sicherheit zu vermitteln: 35 Prozent der Befragten sprechen sich dabei für "ein Viertel" aus, 49 Prozent für "zur Hälfte".

S&L Research befragte die Kinogänger auch, was sie am Kino am meisten vermissen - dies könnten erste Hinweise sein, wie die Kinogänger wieder motiviert werden können, ins Kino zurückzukommen: Am häufigsten wird bei dieser offenen Fragestellung "die Atmosphäre/das Feeling" (40 Prozent) genannt, gefolgt von "große Leinwand/Bildqualität" (30 Prozent). Aber auch das Gemeinschaftserlebnis fehlt - nicht nur die gemeinsame Unternehmung mit Familie und Freunden (21 Prozent), sondern auch das gemeinsame "Erleben" eines Kinofilms mit anderen Zuschauern (acht Prozent). Noch 16 Prozent der Befragten geben an Popcorn und Nachos zu vermissen - eine mögliche Einschränkung des Concession-Verkaufs sollte dies berücksichtigen.

Ein zusätzlicher Block drehte sich diesmal verstärkt um die Frage, welches Programm nach Wiedereröffnung für die Zuschauer interessant ist: Auf einem weiterhin hohen - und sogar leicht gestiegenen - Niveau findet sich die Bereitschaft, Filme anzusehen, die bereits vor der Schließung angelaufen waren (62 Prozent gegenüber 58 Prozent aus der Aprilbefragung). Aber auch die Lust auf neue Filmstarts wächst - nur für Neustarts ins Kino gehen zu wollen, gaben 38 Prozent (zuvor 26 Prozent) an. In einer offenen Frage nach den meisterwarteten Titeln erreichte Keine Zeit zu sterben" mit zehn Prozent der Angaben das beste Resultat. 30 Prozent der Befragten würden auch gerne "Filmklassiker" schauen, 35 Prozent "Highlights und Filmlieblinge" der letzten Jahre. In diesen Kategorien werden insbesondere Herr der Ringe", "Harry Potter", "Star Wars" und "Marvel" häufig genannt.

Abschließend gaben 20 Prozent der Befragten an, ihr Lieblingskino während der Zeit der Schließungen unterstützt zu haben - "Online-Werbung geschaut" (#hilfdeinemKino) und "Gutscheinkauf" werden hier mit 45 Prozent bzw. 32 Prozent am häufigsten angegeben.

ZUR METHODIK: Die zweite Umfrage zum Thema "Kino nach Corona" wurde vom 08. - 13.05.2020 von S&L Research auf dem Umfrageportal www.moviepanel.de unter 891 deutschen Kinogängern ab 16 Jahren durchgeführt (die erste Welle dieser Umfrage fand vom 09. - 14.04.2020 mit 865 Personen statt), die sich in der Zusammensetzung an dem Kinopublikum in Deutschland orientierten. S&L Research ist der Geschäftsbereich der S&L Medienproduktion GmbH, der sich seit 2003 mit dem Thema Film- und Kinomarktforschung beschäftigt. Wenn Sie Interesse an weiteren Ergebnissen dieser Untersuchung haben, kontaktieren Sie bitte research@slmedien.de.

Der Artikel stammt von Gaby Hardt-Voß, Head of Market Research bei S&L